Gäste aus ganz Deutschland: Camburgerin leitet Selbsthilfegruppe Netzhautablösung

Gäste aus ganz Deutschland begrüßt an diesem Wochenende Katharina Herzog. Und weil sie für diese 40 und mehr Personen in ihrer Heimatstadt Camburg gar kein Quartier bekäme, hat sie ihre Gäste nach Erfurt ins Augustinerkloster eingeladen.

Katharina Herzog gründete die Selbsthilfegruppe Netzhausablösung.
Foto: Angelika Schimmel

Katharina Herzog gründete die Selbsthilfegruppe Netzhausablösung. Foto: Angelika Schimmel

Foto: zgt

Camburg. Dort feiert die Truppe nicht etwa eine private Party, sondern trifft sich zu einem Seminar und zum ­Erfahrungsaustausch.

"Den haben die Gäste dringend nötig", weiß Katharina Herzog, die Gründerin und Leiterin der Selbsthilfegruppe Netzhautablösung - der einzigen Gruppe dieser Art in Deutschland. "Und wohl auch in Europa oder gar weltweit, denn wir haben bisher nirgendwo anders Gesprächspartner gefunden", erklärt sie. Dagegen ist die Web-Seite der Selbsthilfegruppe, die die junge Frau aus Thüringen 2002 selbst erstellt hat, auch für Betroffene aus ­anderen Ländern eine wichtige Kommunikationsplattform. "Unsere Internetseite hat 2400 registrierte Nutzer und verzeichnet etwa 300 000 Seitenaufrufe monatlich, das spricht doch für sich", sagt Herzog. Weil sie schnell nicht mehr alle ­Anschreiben und Anfragen, die auf der Web-Seite gestellt wurden, beantworten konnte, hat sie ein Forum ins Leben gerufen, über das sich Betroffene und ­deren Angehörige nun rege ­austauschen.

"Netzhausablösung ist eine Erkrankung, die Patienten meist im Alter über 60 Jahren bekommen", erklärt Katharina Herzog. Mit Medikamenten sei ihnen nicht zu helfen, Operationen seien die einzige Möglichkeit, die jedoch irgendwann auch nicht mehr helfen können. "Wenn die Netzhaut Risse oder Löcher bekommt, durch die Flüssigkeit zwischen Netzhaut und Aderhaut dringt, kann es zur ­Ablösung der Netzhaut von der darunter liegenden Schicht, dem Pigmentepithel, kommen. Dadurch können die Nerven­zellen der Netzhaut nicht mehr richtig versorgt werden - das kann bis zur Erblindung führen", beschreibt die junge Mutter das Problem der Erkrankung. "Wenn man wie ich mit gerade einmal 20 Jahren die Diagnose bekommt, wächst ­diese Gefahr mit den Jahren. "

Weil Katharina Herzog selbst viele Operationen über sich ergehen lassen musste und sich oft nicht ausreichend informiert über Folgen und mögliche Konsequenzen fühlte, suchte sie auf vielen Wegen gleichfalls Betroffene. Über das Internet fand sie diese Menschen, aber auch solche, die mit Rat und Tat zur Seite stehen konnten. "Und Menschen, die das schwere Schicksal der Erblindung nicht gebrochen hat, sondern die mir durch ihr Beispiel und ihren Zuspruch Mut und Kraft gegeben haben", sagt sie. Eine von ihnen, die ­blinde Sozialpädagogin Nora, ist auch zu Gast beim Seminar in Erfurt - übrigens bereits das zehnte, das Katharina organisierte. "Wer sie erlebt, wird mit der eigenen Krankheit besser umgehen können, wird Mut und Hoffnung schöpfen", sagt die junge Camburgerin.

@ Kontakt und Information: www.netzhaut-selbsthilfe.de