Belastungen durch Corona: Thüringen-Kliniken knapp vor dem Limit

Saalfeld.  Positive Corona-Tests machen Dienstpläne oft zu Makulatur: Ärzte, Schwestern, Pfleger und weitere Mitarbeiter sind stations- und standortübergreifend im Einsatz, um Schließungen zu verhindern.

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Mutation bedeutet, dass ein Organismus sein Erbgut verändert. Das ist völlig normal und Teil der Evolution. Viren mutieren jedoch schneller als andere Lebensformen. So verändern sich auch die Eigenschaften des Coronavirus.

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Es ist ein denkwürdiger Kontrast, der sich im Hauptgebäude der Thüringen-Kliniken in Saalfeld offenbart: Einerseits fast menschenleere, stille Flure und Treppenhäuser, doch hinter den verschlossenen Türen der Pandemie- und Intensivstationen ein extrem hoch getakteter Betrieb, der Erschöpfung in die Gesichter zeichnet. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog

„Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fühlen sich am Limit“, bestätigt Pflegedirektorin Sylvia Aschenberner. Corona-bedingte Ausfälle wie auch die stetig steigende Zahl von Covid-19-Patienten ziehen einen erheblichen Mehraufwand in Behandlung und Betreuung nach sich, zudem führen die wöchentlichen Corona-Tests aller Mitarbeiter – auf den Pandemiestationen sogar zwei pro Woche – zu einer Art Personal-Lotterie: „Es gibt Tage, da müssen auf einmal die Schichten ganzer Stationen neu besetzt werden, weil Tests positiv waren“, berichtet Aschenberner. Zwar halte man sich hinsichtlich der Arbeits- und Bereitschaftszeiten weiterhin an die gesetzlichen Vorschriften, doch durch die intensive Dauerbelastung sei bei etlichen Mitarbeitern der Akku gefühlt fast leer. „Viele fühlen sich dann eben auch nach einem Tag Pause nicht wieder erholt“, meint die Pflegedirektorin.

Sieben Stationen geschlossen aus Personalnot

Wegen der Personalausfälle und um den Betrieb in den Pandemiebereichen abzusichern, wurden sieben der insgesamt 35 Stationen des Normalbetriebs geschlossen. Zwar werden auch in den Thüringen-Kliniken alle nicht unmittelbar dringlichen Operationen aufgeschoben, gleichwohl wolle und werde man die Behandlung akut erkrankter und nicht von der Pandemie betroffener Patienten sicherstellen, versichert auch Kliniksprecher Stephan Breidt. Eine vor zwei Wochen in Betrieb genommen zweite Intensivstation sei ausschließlich Menschen ohne Covid-19-Infektion vorbehalten.

Um trotz der personellen Engpässe keine weiteren Stationsschließungen zu riskieren, sind Ärzte, Schwestern, Pfleger und Mitarbeiter weiterer Abteilungen stations- und standortübergreifend im Einsatz, unterstützen Ärzte aus Saalfeld das Krankenhaus in Pößneck ebenso wie umgekehrt, helfen Mitarbeiter von Physio- oder Ergotherapie dem Sozialdienst, um etwa dem enorm gestiegenen Beratungsbedarf von Patienten nachzukommen. Bislang sei man noch ohne die Hilfe beispielsweise von Medizinstudenten oder Bundeswehr ausgekommen, so Aschenberner, doch möglicherweise werde das noch erforderlich. Demnächst soll erst einmal die Einlasskontrolle von einem externen Dienstleister übernommen werden.

Mit Stand am Dienstag wurden in den Thüringen-Kliniken 78 Covid-19-Patienten behandelt, davon neun auf der Intensivstation und fünf in dauerhafter Beatmung. Mit Blick auf die rapide angestiegenen Inzidenz-Werte in den Landkreisen Saalfeld-Rudolstadt und Saale-Orla rechnet die Pflegedirektorin mit weiteren Pandemie-Patienten in den drei Standorten. Für Intensiv-Behandlungen gibt es derzeit maximal 13 Plätze in Saalfeld und fünf in Rudolstadt. Eventuell könne man noch eine kleine Beatmungsstation in Pößneck eröffnen, meint Aschenberner. Zudem habe man die Möglichkeit, schwerste Fälle in die Level-1-Behandlungszentren im Jenaer Uniklinikum und in der Zentralklinik Bad Berka verlegen zu können.

Mitarbeiter fast zur Hälfte zum Impfen angemeldet


Für eine stabilere Personallage in den Thüringen-Kliniken wäre freilich auch ein rasches Durchimpfen aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hilfreich. Die Pflegedirektorin macht keinen Hehl daraus, ziemlich verwundert und bestürzt gewesen zu sein, wie groß die Skepsis im Personal gegenüber der Corona-Impfung war, als sich die Zulassung des ersten Serums abzeichnete. Dem Vernehmen nach wollte fast die Hälfte des Personals gar nicht oder erst später geimpft werden. „Da war viel Unsicherheit dabei, die vor allem nach Information und Aufklärung verlangte“, meint Aschenberner.

Impfskepsis wandelt sich

Inzwischen aber wandele sich die Stimmung, wohl auch wegen der Erlebnisse von Beschäftigten, die statt auf ihrer gewohnten Station nun in den Pandemiebereichen tätig waren. Bislang lägen über 800 Impf-Anmeldungen von Mitarbeitern vor, sodass die erste Impfstoff-Lieferung wohl am Mittwoch aufgebraucht werde. „Es gehen täglich weitere Anmeldungen ein“, so Kliniksprecher Breidt. Insgesamt zählen die drei Krankenhäuser in Saalfeld, Rudolstadt und Pößneck rund 2000 Beschäftigte.