Gute Tausch-Geschäfte in Gera

Ein Handschlag besiegelt das Geschäft von Marcus Malik und Susan Röder. Der Holzbildhauer aus Steinbrücken wird für die Geraer Waldorfschule eine drei Meter große Namenstafel schnitzen, im Gegenzug reserviert die Schule einen Platz für den Sohn der Familie.

Markt der Guten Geschäfte Gera

Foto: zgt

Gera. "Das ist es mir wert", sagt Malik, zumal der Kleine künftig an Papas Schnitzwerk vorbei gehen wird.

Es waren solche Vereinbarungen, die gestern im Kommunikationszentrum der Sparkasse den ersten "Markt der guten Geschäfte" in Gera bestimmten. Geld ist trabu, geschenkt wird sich aber nichts, den Handel bestimmen auch hier Angebot und Nachfrage. Nur dass der schnöde Mammon nicht dazwischen steht, und der Handel – oder besser Tausch – wieder auf eine sehr persönliche Ebene zurückfindet. "Alles ist erlaubt, wenn beide Seiten das Gleichgewicht halten", wünschte Thüringens Sozialministerin Heike Taubert (SPD) dem Markt gute Geschäfte.

29 Unternehmen und 15 gemeinnützige Institutionen stürzten sich nach dem Gongschlag in angeregte Gespräche. Der Stadtjugendring und die BDI GmbH gehörten zu den ersten, die ihren Vertrag besiegelten. Die Köche des BDI backen zum 20-Jährigen des Vereines eine Torte, der revanchiert sich mit Kinderspielen zum Herbstfest des Bildungsträgers.

"Wenn es ein Geben und Nehmen gibt, dann ist das das richtige Verständnis von Sponsoring", fand Unternehmer Mike Fischer aus Gera. Und so bot zum Beispiel die Arbeitsloseninitiative einem Transportunternehmen hausgebackenen Kuchen zum Firmenjubiläum an. Im Gegenzug wird der Verein gebrauchtes Büromobiliar kriegen. Ein Großprojekt haben sich die städtische Wohnungsgesellschaft GWB Elstertal und das Seniorenkompetenzteam vorgenommen. Der Vermieter will ein Mehrgenerationenwohnhaus herrichten, die Senioren das Konzept liefern und Mieter werben.

Stadtführungen, Räume für Feierlichkeiten, Auftritte von Amateurkünstlern, Vorträge, Nachhilfeunterricht – das alles hatten gestern Vereine zu bieten. Was sie suchten, reicht von Bettwäsche über Hilfe beim Renovieren bis hin zum Know how beim Sponsoringmanagement. Der Tausch-Markt, der 20. in Thüringen, kommt in Zeiten der Finanzkrise wahrscheinlich gerade richtig. 60 Geschäfte wurden innerhalb von knapp zwei Stunden geschlossen. Dass zwei Notare das Treiben beobachteten, hatte übrigens weniger einen handfesten juristischen Hintergrund, sondern unterstrich viel mehr die moralische Verpflichtung, sich an die Abmachung zu halten.

Nach dem Start soll sich das Markttreiben noch ausweiten. Alle Gebote und Gesuche von Firmen und Verbänden stellt die Ehrenamtszentrale in den nächsten Tagen ins Netz. Der Tausch hat gerade erst begonnen.

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