Die Zeit vor 70 Jahren in Bad Klosterlausnitz und Hermsdorf fest im Gedächtnis

Hermsdorf/Bad Klosterlausnitz  Heute vor 70 Jahren rückten amerikanische Truppen in Bad Klosterlausnitz und Hermsdorf ein. Horst Rothe (90) ist einer der letzten Zeitzeugen und ­berichtet über seine damaligen Erinnerungen.

Horst Rothe (90) blättert mit Schwester Mandy in seiner alten Sammlung. Seit fünf Jahre wohnt er mit seiner Frau Ingeborg in der Seniorenresidenz Kraft in Hermsdorf.Foto: Andreas Schott

Horst Rothe (90) blättert mit Schwester Mandy in seiner alten Sammlung. Seit fünf Jahre wohnt er mit seiner Frau Ingeborg in der Seniorenresidenz Kraft in Hermsdorf.Foto: Andreas Schott

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Der 13. April ist für Horst Rothe ein unvergessliches Datum. Es markiert das Kriegsende in Bad Klosterlausnitz, dem Heimatort seiner Kinder- und Jugendjahre. Und auch wenn die Ereignisse mittlerweile 70 Jahre zurück liegen, sind sie dem 90-Jährigen fest im Gedächtnis verankert geblieben.

Immer sei es um Leben und Tod gegangen

Nicht nur sehr lebendig und detailliert erzählt der Hermsdorfer, der am 25. April seinen 91. Geburtstag feiert. Emotionen brechen sich Bahn. Immer sei es um Leben und Tod gegangen, betont er mehrfach: Ich ­habe oft Glück gehabt und den Zufall auf meiner Seite.

Unzählige gefährliche Situationen hatte der junge Horst Rothe überstanden und sich ­dabei uneigennützig auch für ­andere Menschen eingesetzt. So konnte er eine Gruppe von Volkssturmmännern, darunter auch seinen Vater, retten. Das Losungswort hatte er NS-Offizieren ablauschen können, die sich im Klosterlausnitzer Moorbad aufhielten. Mit Hilfe der Parole schlug er sich am 12. April spät abends zur Autobahn durch, wo mäßig bewaffnete Männer gegen die heranrückenden Amerikaner das Vaterland retten sollten, schüttelt Horst Rothe noch heute den Kopf über die irrsinnigen Durchhalteparolen, die noch am Kriegsende manchem das Leben gekostet haben.

Das sei sicher kein ungefähr­liches Unterfangen gewesen, aber zum Glück bestand dort weder eine Hauptkampflinie und es seien auch keine SS-Einheiten da gewesen.

Der junge Horst Rothe war erst kurz zuvor, am 8. April, aus Linz, hier wurde er in einem ­Lazarett gesund gepflegt, nach Hause gelangt. Und schon Tage später, am 13. April, ereilte Horst Rothe die nächste gefährliche Probe. Nach einem Feindalarm am Morgen sei er in einem Waldstück einem Oberleutnant über den Weg gelaufen. Der habe ihn zum Kampf aufgefordert. Sollte ich den Befehl verweigern, würde er nicht zögern, mich wegen Feigheit vor dem Feind zu erschießen, hat Horst Rothe die Worte bis heute nicht vergessen. Ein Zufall, ein Geräusch aus dem Wald, hatte den Offizier abgelenkt, so dass Horst Rothe fliehen konnte, erinnert er sich noch heute.

Verdammnis des Krieges wie ein roter Faden

Wie ein roter Faden zieht sich die Verdammnis des Krieges durch die Erlebnisberichte des Horst Rothe. Er war 18 Jahre alt, hatte gerade seinen Gesellenbrief als Elektriker in der Tasche, als er im Oktober 1942 zur Wehrmacht eingezogen wurde. Die Rekrutenausbildung in der Garnisonsstadt Eisenach war die erste Station. Schon im Dezember sah er sich bei Kampfhandlungen in Südfrankreich.

Unter anderem folgten Einsätze in Dänemark, schließlich verschlug es den Gefreiten an die Ostfront, nach Rumänien und Ungarn. Vom wahren Gesicht des grausamen Krieges, spricht er als er Erlebnisse schildert, die ihn bis heute nicht loslassen. In einem Schützenloch hockte er, mitten in der Hauptkampflinie, ohne Pause schlugen rund um ihn die Geschosse des russischen Geschützfeuers ein. Kameraden neben ihm kosteten sie das Leben. Auch er hatte mit ­seinem Leben abgeschlossen, schildert Horst Rothe tief bewegt. Doch er entkam glück­licherweise der Hölle.

Dem Krieg folgte die Kriegsgefangenschaft

Heute jährt sich nun der Tag, an dem die Amerikaner in Bad Klosterlausnitz/Hermsdorf einmarschierten. Von kurzer Gegenwehr an der Köppe abgesehen, rollten sie ohne Widerstand zu spüren stundenlang durch den Kurort. Nachbarn holten uns aus dem Keller und wir hingen weiße Tücher in die Fenster, berichtet Horst Rothe.

Für ihn und weitere Wehrmachtssoldaten aus dem Ort war der Krieg noch nicht zu Ende. Kriegsgefangenschaft folgte. Laut Anschlag der Amerikaner am Rathaus mussten sich alle Wehrmachtsangehörigen im Gemeindeamt melden. Im Saal des Friedrichshofes wurden die Männer festgehalten. Tags ­darauf ging es vom Lausnitzer Marktplatz aus nach Hermsdorf. Der blaue Saal der Hescho-Kantine sei mit Gefangenen überfüllt gewesen, beschreibt Herr Rothe den Weg über Eisenberg und Laucha bei Gotha in das berüchtigte Lager nach Bad Kreuznach.

Am 14. Juni wurde Horst Rothe aus der Gefangenschaft entlassen. Beruflich fasste der Elektriker in der Hescho Fuß, arbeitete 42 Jahre hier, war später als Hochfrequenztechniker in der Forschung der Keramischen Werke tätig. Im Werk lernte er auch seine Frau Ingeborg kennen, mit der er am 1. Oktober vergangenen Jahres die eiserne Hochzeit gefeiert hat. Familie Rothe hat eine Tochter, zwei Enkel und einen Urenkel.

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