Mann bestreitet schwere Brandstiftung in Flüchtlingsheim

Gera.  Am Landgericht Gera hat ein Sicherungsverfahren nach einem Feuer in einer Gemeinschaftsunterkunft in Rudolstadt begonnen.

Der Beschuldigte mit seinem Verteidiger Markus Kruppa und einem Dolmetscher.

Der Beschuldigte mit seinem Verteidiger Markus Kruppa und einem Dolmetscher.

Foto: Tino Zippel

Am Mittwoch hat am Land­gericht Gera ein Sicherungsverfahren gegen einen 21-jährigen Flüchtling begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten vor, im Zustand der Schuldunfähigkeit sein Zimmer in der Gemeinschaftseinrichtung Jenaische Straße in Rudolstadt in Brand gesetzt zu haben. Wir erläutern, warum dem Beschuldigten keine Haftstrafe droht.

Der Antragsschrift zufolge soll sich die Tat am 6. Juni ereignet haben. An jenem war der Beschuldigte, der aus Libyen stammt, nach Unstimmigkeiten mit anderen Bewohnern in das Zimmer umgezogen. Laut Oberstaatsanwalt Thomas Schulz soll der Mann das Bett in Brand gesetzt und anschließend die Tür abgeschlossen haben mit dem Ziel, die Gemeinschaftsunterkunft niederzubrennen. Vier Mitbewohner mussten wegen des Verdachtes auf eine Rauchgasvergiftung in Kliniken eingeliefert werden.

Weil der Beschuldigte an einer krankhaften seelischen Störung leidet, wählte die Staatsanwaltschaft statt einer Anklage den Weg des Sicherungsverfahrens. Im Fall einer Verurteilung droht dem Beschuldigten keine Gefängnisstrafe, sondern die dauerhafte Einweisung in ein psychiatrisches Fachkrankenhaus.

Verteidiger kritisiert Brandermittlungsbericht als mangelhaft

Zum Auftakt der Verhandlung gab Verteidiger Markus Kruppa eine Erklärung im Namen seines Mandanten ab. Jener bestreite, das Bett in Brand gesetzt zu haben, und wisse nicht, wie der Brand entstanden ist. Möglicherweise liege ein technischer Defekt des Handys vor, das mit aufgeblähtem Akku auf dem ausgebrannten Bett gefunden wurde. Der Bericht der durchgeführten Brandermittlungen weise Mängel auf, da er sich in Vermutungen erschöpfe, kritisierte der Verteidiger.

Brandmelder hatten das Feuer detektiert. „Zunächst war kein Brandgeruch zu riechen. Als mehr Melder auslösten, habe ich das Zimmer zur Kontrolle aufgeschlossen, da schlug mir dichter Qualm entgegen“, berichtete der diensthabende Sicherheitsmann. Er habe begonnen, das Haus zu evakuieren.

Asylbewerber versuchten selbst, das Feuer zu löschen

Der erste Polizist am Einsatzort sah vier Asylbewerber, die außen auf Paletten standen und versuchten, das Feuer durch das Fenster zu löschen. Das gelang schließlich der Feuerwehr.

Den nun Beschuldigten machte die Polizei unter den Schaulustigen aus. Bei einer Befragung noch in der Nacht bestritt er eine Brandstiftung. „Sein Verhalten war völlig teilnahmslos. Er hat vor sich hingesummt, was für den Ernst der Lage unangepasst war“, sagte der Polizei-Einsatzleiter. Tests zeigten, dass er weder Alkohol noch Drogen konsumiert hatte. Der Beschuldigte ist bereits vorläufig im Fachkrankenhaus Stadtroda untergebracht. Ein psychiatrischer Gutachter verfolgt die Verhandlung.

Die zweite Strafkammer setzt den Prozess am 19. Dezember fort.

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