Mordprozess Landgericht Gera

Gab es Mittäter beim Rentnerin-Mord in Jena-Winzerla?

Jena.  Die Ermittlungsführerin und eine DNA-Expertin sagen beim Prozess am Landgericht Gera aus.

Der Angeklagte soll eine Rentnerin in Jena getötet haben und sitzt derzeit in Untersuchungshaft.

Der Angeklagte soll eine Rentnerin in Jena getötet haben und sitzt derzeit in Untersuchungshaft.

Foto: Tino Zippel

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Im Prozess nach dem gewaltsamen Tod einer Rentnerin in Jena-Winzerla hat die Ermittlungsführerin am Landgericht Gera weitere belastende Indizien ausgeführt. Die Suche nach möglichen Mittätern erbrachte durchaus Anhaltspunkte.

Auffällig war, dass die Rechtsmedizin bei der Obduktion in der Achselhöhle der Leiche einen Nagelbogen gefunden hat. Beim Beschuldigten stellte die Kriminalpolizei anhand eines Fotos einen eingerissenen kleinen Fingernagel fest. Eine DNA-Analyse zeigte, dass dieser vom Angeklagten stammt. Allerdings sieht der Fingernagel aus, als sei er fein säuberlich abgeschnitten und nicht abgerissen. Das Landgericht lässt das nun in der Rechtsmedizin untersuchen.

Eine Expertin der Jenaer Rechtsmedizin sicherte zahlreiche Genspuren, darunter waren mehrere Proben, die sowohl DNA der Rentnerin als auch des Angeklagten tragen, so beispielsweise an seinem Parka, an seinem Turnschuh und im Koffer, in dem die Leiche gefunden wurde. Auch an der Kleidung, die das Opfer trug, waren Genspuren des Angeklagten zu finden.

Im Koffer fand sich auch die DNA weiterer Personen, die nicht zuzuordnen waren. Ein Nachweis für eine Mittäterschaft, beispielsweise für Männer aus dem Bekanntenkreis des Angeklagten, ließ sich der Ermittlungsführerin zufolge nicht erbringen.

Verschiedene Funkzellen für benachbarte Wohnungen

Eine spezielle Funkzellenauswertung offenbarte, dass die Wohnungen vom Angeklagten und vom Opfer innerhalb verschiedener Funkzellen liegen. Im vermuteten Tatzeitraum war das Handy des Angeklagten in der Zelle eingebucht, die den Bereich der Wohnung der Rentnerin abdeckt. Sonderermittler des Landeskriminalamtes Sachsen haben dazu ein Gutachten angefertigt.

Bis heute ist unklar, wo sich der Tatort befindet. Zwar schlug der Leichenspürhund in der Essecke im Appartement der Rentnerin an, dies könne aber auch durch Essensreste verursacht sein.

Ungereimtheiten in Familie hinterfragt

Die Ermittlungsleiterin hatte auch Ungereimtheiten in der Familie der Rentnerin hinterfragt, aber Verdachtsmomente ergaben sich nicht. So konnten die Angehörigen schlüssig erklären, warum sie die Rentnerin erst spät vermisst gemeldet hatten. Die Familie hatte mit Erlaubnis der ersten Kripobeamten vor Ort Unterlagen aus der Wohnung mitgenommen, die für eine spätere Analyse verloren waren. „Das war ein Fehler, der mich sehr geärgert hat“, sagte die Ermittlungsführerin.

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