Bundeswehr unterstützt Landkreis Greiz ab heute bei Corona-Tests

Greiz/Erfurt.  Angesichts einer hohen Zahl neuer Corona-Nachweise bleibt der Kreis Greiz bundesweit ein Brennpunkt. Welche Folgen das für anstehende Lockerungen hat, bleibt aber vorerst unklar.

Oberstleutnant Jens Bickel (l., stehend) erklärt im Landratsamt Greiz die Situation.

Oberstleutnant Jens Bickel (l., stehend) erklärt im Landratsamt Greiz die Situation.

Foto: Tina Puff

Im Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie erhält der Kreis Greiz ab Dienstag Unterstützung von der Bundeswehr. Zwei Teams der Bundeswehr, bestehend aus jeweils zwei Notfall- und einem Einsatzsanitäter, werden das Gesundheitsamt des Landkreises Greiz als mobile Abstrichteams unterstützen, um geplante Wiederholungstests abzusichern, teilte das Landratsamt am Freitag mit. Die beiden Gruppen wurden am Montag von Oberstleutnant Jens Bickel unterrichtet und eingewiesen. Unter der Leitung von Thomas Pflugbeil, 2. Kompanie des Sanitätsregiments 1 aus Weißenfels, werden die beiden Teams in fünf Pflegeheimen und einem Krankenhaus im Landkreis die zweiten Coranatests durchführen. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog.

Derweil bleibt die Entwicklung in dem Ostthüringer Landkreis dramatisch. Bis Freitag (Stand 0 Uhr) wurden innerhalb von sieben Tagen 75,4 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner nachgewiesen, wie aus einer Übersicht des Robert Koch-Instituts hervorgeht. Das ist weiterhin bundesweiter Spitzenwert und deutlich über der von Bund und Ländern definierten Obergrenze von 50.

Laut Gesundheitsministerium soll diese Woche entschieden werden, ob deswegen dort geplante Lockerungen ausgesetzt oder gar Beschränkungen verschärft werden müssen. Dies werde eine spezielle Arbeitsgruppe (Task Force) bis Dienstag bewerten, sagte Ministerin Heike Werner (Linke) der Deutschen Presse-Agentur.

Kritik an größerer Verantwortung für Kommunen

Nach Plänen der Landesregierung sollen Landkreise und kreisfreie Städte ab Mittwoch Entscheidungen über weitere Lockerungen der Corona-Beschränkungen weitgehend eigenständig treffen können. Werner betonte, dass der Gesundheitsschutz weiterhin an oberster Stelle stehen müsse: „Gerade der Schutz der Schwächeren, der Vorerkrankten und der Älteren darf nicht leichtfertig riskiert werden.“

An der größeren Verantwortung für die Kommunen gibt es allerdings scharfe Kritik. „Damit verlässt man den Pfad der Einheitlichkeit endgültig. Jetzt kann fast jeder machen, was er will“, monierte Erfurts Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD). Er forderte einen Rahmen, innerhalb dessen Grenzen sich die Kommunen mit ihren Vorgaben bewegen können. Ähnlich äußerte sich der Jenaer Krisenstab. Er forderte von der Landesregierung klare Vorgaben und einen verbindlichen Fahrplan statt die Verantwortung „fast vollständig auf die Landkreise und Gemeinden“ abzuwälzen.

Erster Corona-Fall in Thüringen trat im Saale-Orla-Kreis auf

Der Leiter des Pandemiestabes im Saale-Orla-Kreis, Torsten Bossert, hat die von Bund und Ländern festgelegte Obergrenze für Corona-Neuinfektionen als unzureichend kritisiert. „50 Fälle auf 100.000 Einwohner ist verdammt viel“, sagte Bossert. „Schon wenn wir 30 Infektionen pro Woche hätten, könnten wir das kaum noch regeln. Und wenn wir die Fälle ungenau oder zu langsam abarbeiten, ist eine weitere Ausbreitung des Virus unvermeidbar.“ Im Saale-Orla-Kreis war Anfang März der erste Corona-Fall in Thüringen bekanntgeworden.

Bund und Länder hatten diese Woche die Quote von 50 Corona-Nachweisen pro 100.000 Einwohnern innerhalb von sieben Tagen als Obergrenze festgelegt. Wird diese überschritten, sind strikte Beschränkungen zur Eindämmung der Pandemie vorgesehen. Aktuell wird die Quote bundesweit im Kreis Greiz sowie im nordrhein-westfälischen Kreis Coesfeld überschritten.

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