Stadtarchitekt: Zitat ist „fake“

Jena  Trotz vieler Zeugen dementiert Lerm

Jenas Stadtarchitekt Matthias Lerm hat die ihm von der Bürgerversammlung in Zwätzen zugeschriebenen Äußerungen zur Züchtung von Kindern in Eigenheimen bestritten. In einer Antwort auf eine Zeitungsanfrage bezeichnete er diese jetzt als "fake" (englisch für Fälschung/Schwindel).

Bürger hatten sich durch die Äußerungen persönlich verletzt gefühlt. Die Nutzung des aus der Tierhaltung oder dem Dritten Reich bekannten Begriffes "Zucht" für die Erziehung von Kindern passe nicht zur familienfreundlichen Stadt Jena, hieß es. Auch Mitglieder der Linksfraktion (Fraktionsvorsitzende Martina Flämmich-Winckler, Reinhard Wöckel) hatten um eine Klarstellung oder Entschuldigung gebeten.

Immobilien für die "Kinderaufzucht"

Über das umstrittene Zitat hatten sich während der Bürgerversammlung am 17. Mai nicht nur viele Anwohner geärgert. Auch Stadträte, die an der Bürgerversammlung teilnahmen, kritisierten die Worte, die aus dem Podium heraus gesagt wurden und die Konfrontation schürten. Der im Bereich Familie sehr engagierte Stadtrat Ralf Kleist (Bündnis 90/Die Grüne) wäre nach eigenen Angaben beinahe aus dem Sitz geschnippt. Friedrich Wilhelm-Gebhardt (SPD), der eher für das Hochhaus sprach, fand die Sitzung sehr unglücklich und Heidrun Jänchen verarbeitete das Zitat im Kommualpolitik-Blog der Jenaer Piraten: Kinderfreundlichkeit werde gemeinhin überschätzt, weil Häuser nur 20 Jahre für die Kinderaufzucht genutzt werden.

Der Stadtarchitekt hatte in der Bürgerversammlung dafür geworben, in Zwätzen-Nord in höherer Dichte als bisher geplant zu bauen. In diesem Zusammenhang nannte er Eigenheime "Lebensabschnittsimmobilien".