Wolf im Anmarsch: Große Resonanz auf Vortrag in Hermsdorf

Hermsdorf  Georg Winterstein, Vorstandsmitglied der Jägerschaft Stadtroda, referierte über wieder heimisch werdende Wildtiere

01/28/2005- Worbis: Baerenpark, Wolf, Woelfe im Schnee (TA-Foto: Alexander Volkmann / DIGITAL) Bilder von Wölfen, Waschbär und Nilgänse

01/28/2005- Worbis: Baerenpark, Wolf, Woelfe im Schnee (TA-Foto: Alexander Volkmann / DIGITAL) Bilder von Wölfen, Waschbär und Nilgänse

Foto: Andreas Schott

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Der Raum am Dienstagabend im Hermsdorfer Vereinshaus in der Naumburger Straße platze aus allen Nähten. Etwa 70 Zuhörer waren der Einladung des Vereins für Regional- und Technikgeschichte Hermsdorf gefolgt, um sich den Vortrag von Georg Winterstein über „Tierische Neubürger – Willkommen oder problematisch“ anzuhören.

In den Fokus rückte Georg Winterstein (74), er ist Vorstandsmitglied der Jägerschaft Stadtroda, dabei den Biber, Fischotter, Mink, Waschbär und natürlich den Wolf.

Insbesondere mit dem Thema Wolf beschäftigt sich der seit über einem Vierteljahrhundert als Jäger tätige 74-Jährige seit geraumer Zeit.

Er verheimlicht auch nicht, dass ihm die zunehmende Ausbreitung des Wolfes in Deutschland Sorge bereite. Und das aus mehreren Gründen. „Das einst in Deutschland ausgestorbene Großraubwild siedelt sich wieder an. Die Zahl schwankt zwischen 700 und 1100 Tieren. Am häufigsten sind Wölfe in Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen ausgemacht worden“, führt er aus.

Der Wolf ernähre sich von Wildtieren, aber reiße auch Nutztiere, wie Schafe bis hin zu Jungrindern. Mit Statistiken belegte er seine Aussage. Allein 2017 seien in Brandenburg 403 Nutztiere gerissen worden, ergänzte er. Um sich vor Rissen bei Nutztieren zu schützen, müsse man im Schnitt pro Wolf 4000 Euro aufwenden, so Winterstein.

In Bezug auf den Menschen sehe der Jäger ein großes Gefahrenpotenzial, weil der Wolf zumeist keine Scheu mehr vor Menschen habe, mahnt er eindringlich und listet eine Reihe an erschreckenden Beispielen auf. Daher plädiere er dafür, den Wolf in das Jagdgesetz aufzunehmen. Das würde zur Folge haben, dass der Wolf Abstand zu Menschen halte. Beispielhaft führte er Länder wie Russland, Schweden oder Finnland auf, in denen der Wolf maßvoll bejagt werde.

Deutlich widersprach er Aussagen, dass der Wolf noch immer vom Aussterben bedroht sei. Insbesondere auf der nördlichen Halbkugel bestehe eine stabile Population, die sich in Richtung Westen ausbreite. Zudem liege der Vermehrungsgrad bei 30 Prozent. Das bedeute, in drei Jahren verdopple sich der Bestand.

Georg Winterstein sieht die Politik gefordert, die entsprechende gesetzliche Regelungen auf den Weg bringen muss. „wir brauchen eine maßvolle Bejagung, so wie es auch mit den einheimischen Wildarten gehandhabt werde, macht er deutlich.

In seinem Vortrag beschrieb er unter anderem Merkmale, die eine Wolf ausmachen: kleine, aufrecht stehende Ohren, bernsteingelbe Augen, der Schwanz (Rute) hänge ungekrümmt herab, und beim Laufen bleibe die Rückenlinie des Wolfes relativ gerade, nennt er einige Charakteristika.

Erfreulich dagegen sei, dass Biber und Fischotter sich wieder ansiedeln. Biber seien an der mittleren Elbe stark vertreten, aber auch in unserer Region seien sie beobachtet worden. Ein Zuhörer bestätigte, dass Biber seit Mai letzten Jahres an den Bockteichen heimisch geworden seien. Zuerst eher unscheinbar, aber als im Herbst die Bäume fielen, sei es ersichtlich geworden.

Waschbären seien dagegen nicht willkommen. Die possierlich anzusehenden Tiere breiten sich in Wohngegenden aus und unterscheiden sich vom alles fressenden Marderhund durch den schwarz geringelten Schwanz. Natürliche Feinde haben beide sich stark vermehrenden Tierarten nicht und dürfen bejagt werden.

Ein Gast beim Vortrag wollte wissen, ob es richtig sei, dass sich Nilgänse bei uns angesiedelt haben. Das konnte Georg Winterstein bestätigen. Die Nilgans stamme aus Nordafrika, habe ein hohes Verbreitungspotenzial und sei für die einheimische Vogelwelt offenbar ein Störenfried. „Ich denke, auch hier muss die Politik über die Aufnahem ins Jagdrecht nachdenken“, meinet er.

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