Wolfsstreit in Volkmannsdorf oder Bayern: ein Foto, zwei Urheber

Volkmannsdorf/Gräfenthal  Ein Gräfenthaler reklamiert die Urheberschaft des Fotos für sich – Nabu-Experte informiert die Behörden

Für dieses Foto reklamieren zwei Leute die Urheberschaft: Züchter Nico Werner aus Volkmannsdorf und ein der OTZ bekannter Mann aus Gräfenthal.

Für dieses Foto reklamieren zwei Leute die Urheberschaft: Züchter Nico Werner aus Volkmannsdorf und ein der OTZ bekannter Mann aus Gräfenthal.

Foto: privat

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An dem vermeintlichen Überfall eines Wolfes auf drei Hirsche in einem Gehege in Volkmannsdorf, der sich Mitte Mai zugetragen haben soll (OTZ berichtete), gibt es inzwischen erhebliche Zweifel. Eines der von Züchter Nico Werner nachträglich als Beweismittel zur Verfügung gestellten Fotos, das einen Wolf im tiefen Schnee an einer Wald­kante zeigt, ist womöglich zu anderer Zeit an anderer Stelle entstanden.

„Ich habe das Foto mit meinem Handy am 23. Dezember in einem Wolfsgehege im Nationalparkzentrum Falkenstein im Bayerischen Wald gemacht“, erklärte ein Gräfenthaler gegenüber dieser Zeitung. Er habe das Foto in eine WhatsApp-Gruppe gestellt, von wo es vermutlich weiterverteilt wurde. Auf dem Foto, das zu einer ganzen Serie von Aufnahmen gehört, befinde sich ein Dateistempel, aus dem unter anderem der Zeitpunkt der Aufnahme hervorgeht.

„Es geht einfach nicht, dass mein Bild missbraucht wird, um sich auf diese Weise eine Entschädigung für einen Wolfsriss zu verschaffen“, sagte der namentlich bekannte Mann zu seiner Motivation. Außerdem werde die Bevölkerung aufgrund von falschen Angaben unnötig verunsichert. Er sei bereit, seine Angaben jederzeit gegenüber der Polizei oder vor Gericht zu bezeugen.

Züchter Nico Werner, dem durch den offensichtlich zu Tode gehetzten Hirsch ein Schaden im mindestens vierstelligen Bereich entstanden ist, hält dagegen an seiner Darstellung fest, wonach das Foto Anfang Januar in der Nähe von Volkmannsdorf mit einer von ihm angebrachten Wildkamera aufgenommen wurde. Er habe die Datei von der Speicherkarte der Kamera auf sein Handy gezogen. Die Wildkamera sei ihm – wie zwei weitere übrigens auch – später gestohlen worden.

Der Volkmannsdorfer besteht darauf, dass der Standort der Wildkamera von Experten mit dem Foto verglichen wird. Außerdem gebe es noch ein zweites Foto von ihm vom 4. Oktober vorigen Jahres, das womöglich ebenfalls einen Wolf zeigt.

Silvester Tamás, Wolfsexperte des Thüringer Naturschutzbundes (Nabu) aus Dornburg, der das Tier auf dem besseren Foto nahezu zweifelsfrei als Wolf identifiziert hatte, hat inzwischen ebenfalls Kenntnis davon, dass es bezüglich der Urheberschaft unterschiedliche Darstellungen gibt. Er hat mit dem Gräfenthaler telefoniert und gemailt. Im Ergebnis schreibt Tamas: „Wir gehen aktuell davon aus, dass der Mann aus Gräfenthal mit den uns vorliegenden Angaben und weiteren Bild­material seine Aussagen hinreichend belegen kann“.

Weitere Untersuchungen sollen Aufklärung bringen

Er habe deshalb auch umgehend die zuständigen Stellen im Thüringer Umweltministerium und bei der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie (TLUG) informiert. Dort werde man die Angaben und Bilder direkt im betreffenden Gehege im Nationalpark Bayerischer Wald überprüfen. „Wir werden nun umgehend auch öffentlich Stellung zu dem Fall beziehen und für Aufklärung sorgen“, so der Nabu-Experte. Und weiter: „Es wäre schade, wenn die Sachlichkeit zu einem solch bedeutenden Thema wie die Rückkehr streng geschützter Arten darunter leidet, dass einzelne Personen in Kumpanei mit Personen, die durch Rissvorfälle betroffen sind, sich Vorteile oder gar Entschädigungen erhoffen, welche durch die Verbreitung von Falschmeldungen herrühren. Dies ist weder von den zuständigen Behörden hinnehmbar, noch von uns akzeptiert.“

Im Moment steht also Aussage gegen Aussage. Nico Werner setzt auch auf das noch ausstehende Rissgutachten. Ihm sei es egal, ob im Fall eines Wolfes das Land zahlt oder im Fall eines Hundes der Hundehalter, der dann durch die Polizei ermittelt werden müsste, sagte er der OTZ: „Einer muss zahlen!“

Fakt ist, dass in dem etwa 60 mal 100 Meter großen Gatter, umgeben von einem hohen Zaun aus Stacheldraht, ein ausgewachsener, rund 500 Kilogramm schwerer Wapitihirsch Mitte Mai zu Tode kam.

Der für die TLUG tätige Rissgutachter Uwe Müller hatte nach der Schilderung der Umstände des Volkmannsdorfer Fall bereits Zweifel geäußert, dass auf der Saalfelder Höhe ein Wolf agierte. Bisse nur ins Geweih seien für das Raubtier „untypisch“, desgleichen zweifelhaft die Annahme, ein einzelner Wolf attackiere einen so mächtigen Gegner wie einen ausgewachsenen Wapitihirsch. Er tippe eher auf einen verwilderten Hund als Übeltäter, sagte Müller.

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