Schloss Friedenstein erstrahlt, angeleuchtet in verschiedenen Farben. Mit gerafftem Barockkleid gehe – nein, schreite – ich den langen Markt hinauf. Alle Fabelwesen sind bereits zwischen dem Herzoglichen Museum und dem Schlosshof unterwegs. Husch, husch, brausen sie hin und her. Der kleine Drache Balthasar begrüßt mit kleinen Feuerfontänen die Schlossgeister, die Spalier stehen. Casimir, die plüschige Schlossmaus, empfängt uns am Tor.

Täglich
Der Newsletter für Gotha
Alle wichtigen Informationen aus Gotha, egal ob Politik, Wirtschaft, Sport, Kultur oder gesellschaftliches Leben.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Wahrlich aus der Zeit gefallen scheint diese Museumsnacht, für mich die erste, doch in Wahrheit bereits die zwanzigste! Mit der Tanzgruppe „Vive la Danse“ aus Nauendorf betrete ich das Schloss. In bäuerlich anmutender Kleidung marschiert eine weitere Gruppe mit selbstgestalteten Fahnen und Musik herein. Es ist das Team von „Stadt Land Schloss“, einem Projekt der Wunderkammer, das heute seinen krönenden Abschluss feiert.

Die engagierte Initiatorin des Projektes, Solveig Negelen, will Stadt- und Landbewohner, früher Untertanen der selben Herzöge, zusammenbringen. Zahlen und Fakten sind das eine, Geschichten und Sinneseindrücke aber machen Geschichte erlebbar. Dafür sind die Mitarbeiter mit einem Kulturbauwagen über die Dörfer getuckert.
Und wer saß da oft obendrauf? Ein kleiner, neugieriger Drache natürlich! Zum Beispiel erkundete Balthasar Gräfenhain-Nauendorf und sein Dorfmuseum. Die dortige Barocktanzgruppe, die unter der Leitung der Leipziger Schauspielerin und Tänzerin Mareike Greb Tänze aus dem 17. bis 19. Jahrhundert präsentiert, probt auch in der Wunderkammer. So kam übrigens auch ich zu dieser besonderen Art von Tanz.

Zurück zur Museumsnacht: Heute blühen auch die Geschmacksknospen auf bei Kostproben, die nach historischen Rezepten hergestellt wurden wie Käsegugeln und Krautkuchen mit eingelegtem Gemüse. Balthasar beißt begeistert in einen Schwan, der sich leider als eines der Kunstwerke aus Pappe herausstellt. Sein Gesicht müssten Sie sehen!
Zu mittelalterlicher Thüringer Musik aus Lobenstein präsentieren das Stadt-Land-Schloss-Team und Mitwirkende vom „Art der Stadt“ Gotha die kunstvoll gestalteten Fahnen. Zwischendurch gibt es höfische Tänze, dann wieder volkstümliche. Und den Höhepunkt bildet ein Mitmachtanz. Fremde reichen sich die Hände, Musik und Tanz verbinden und das Schloss gehört allen!
Selig schwebe ich übers Parkett. Die Faune der Stuckdecke hält es schon lange nicht mehr an ihrem Platz. Sie wirbeln den kleinen Drachen herum, bis er ganz grün im Gesicht wird …
„Es BAROCKt“ auch im nächsten Jahr in der Wunderkammer am Hauptmarkt. Hier können Sie selbst einmal im Monat das Tanzbein schwingen, um barocke Tänze auszuprobieren.
- True Crime in Gotha (16)
- Vom Reisen und Speisen (15)
- Vom ruhigen Stadtschreiberinnenleben (14)
- Treffen sich eine Fee und ein Engel in Gotha . . .
- Von Kunst auf Schritt und Tritt oder die doppelte Enthauptung der Salome (13)
- Ein Sprichwort-Segen beim Gassenspiel in Gotha (12)
- Gothas Stadtschreiberin erzählt von Schauspieldrachen und Sturmmaschinen (11)
- Gothas Stadtschreiberin macht Theater (10)
- Von Lindwürmern, Einzelkämpfern und Grimmschen Schokokugeln (9)
- Von Grillspießprinzessinnen und frechen Teichnymphen (8)
- Von Märchenhaftem in Gotha auf Schritt und Tritt (7)
- Etwas blass um die Feennase und Ausrutscher in den Leinakanal (6)
- Die verstoßene Prinzessin von Gotha und ihr drachiger Fürsprecher (5)
- Von Kamelien, Lorbeerkranz und Kuchenschlacht (4)
- Freitag der 13. und der Spiegel der Narren (3)
- Von lilafarbenen Wesen, Laternen und Nachttöpfen (2)
- Kennen Sie schon diese Drachen? (Kolumne Teil 1)
- Gothas neue Stadtschreiberin verstreut Feenstaub
- Was Kinderbuchautorin Dorothee Eva Herrmann ein halbes Jahr in Gotha macht




