Jens Voigt zum Gefängnisneubau - Besser bald verloren

Ein Kommentar von Jens Voigt. Er warnt vor Politik-Gezerre beim Gefängnisneubau

Vielleicht war es ja zu lang still um die Gefängnisse. Einige Monate sind schon verstrichen seit de letzten Schlagzeilen von Häftlingen, die unvermittelt gestorben waren.

Trotzdem: Thüringens Knäste sind großteils antiquiert, was noch eine milde Formulierung ist. Sie hangeln sich von einer Ausnahmegenehmigung zur nächsten, um trotz der gesetzlich gebotenen Einzelzellen für alle mit ihren zahlreichen Zweier- und Mehrfach-Hafträumen durchzukommen. Auch Therapeuten und Psychologen beklagen immer wieder die teils unzumutbaren Bedingungen.

Ein Gefängnis-Neubau – erst der zweite nach dem in Tonna – ist also überfällig. Dass Thüringen und Sachsen ihn gemeinsam angehen, nur vernünftig. Nun sollte diese Gemeinsamkeit auch im Finale halten. Auch wenn Zwickau-Pöhlau in der Nutzwertanalyse nicht mal einen Punkt Vorsprung hat vor Großenstein, sollte Justizminister Poppenhäger nicht so auffällig die Differenz mit dem Gerede vom "gleichwertigen" Standort einebnen. Auch knapp vorn ist vorn.

Wenig hilfreich wäre es, die Entscheidung jetzt zur politischen Affäre aufzuplustern. Ein Gefängnis für 900 Häftlinge ist kein Großkonzern, der Landschaften zum Erblühen bringt. Zulieferer und Dienstleister dort erhalten den Zuschlag nicht nach dem Nachbarschaftsprinzip, sondern nach Ausschreibungen. Für das jetzt noch in Hohenleuben beschäftigte Personal bleibt es ziemlich gleich, nach Zwickau oder Großenstein zu kurven. Besser eine schnelle Entscheidung für Sachsen als ein Tauziehen zu Lasten von Häftlingen und Beschäftigten.