Mordverfahren Rudolstadt: Bewährung für einen Angeklagten

Gera.  Um nach einem Betrug den Täter an der Flucht zu hindern, springen der Geprellte und sein Vater in Rudolstadt auf eine Motorhaube – mit tragischen Folgen. Nun fiel das erste Urteil.

Der ältere Bruder ist am Freitag verurteilt worden.

Der ältere Bruder ist am Freitag verurteilt worden.

Foto: Tino Zippel

Das Landgericht Gera hat am Freitag im Mordverfahren nach einem missglückten Gebrauchtwagenkauf in Rudolstadt den ersten von zwei Brüdern verurteilt. Das Gericht sieht keine Tatbeteiligung an einem Tötungsverbrechen und sprach den 25-Jährigen wegen Betruges schuldig. Die Freiheitsstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt wird, beträgt unter Einbezug von Vorstrafen zwei Jahre. Das Verfahren gegen den Bruder läuft weiter.

Fliegender Kfz-Händler versprach günstigen Autokauf

Der Angeklagte, ein fliegender Kfz-Händler, hatte einem Mann aus dem Saale-Holzland-Kreis angeboten, in einem Autohaus in Rudolstadt einen guten Preis für einen Wagen auszuhandeln. Er flüchtete aber mit 14.500 Euro durchs Fenster einer Toilette und stieg zu seinem Bruder in ein Fluchtfahrzeug. Der Geprellte und dessen Vater sprangen auf die Motorhaube. Der Vater stürzte nach wenigen Metern Fahrt von der Haube und erlitt beim Aufprall tödliche Verletzungen.

Die Angeklagten haben sich am Freitag eingelassen. Der jüngere Bruder sagte, er sei am Betrug nicht beteiligt gewesen. Bei der Fahrt habe er nie damit gerechnet, dass jemand getötet wird. Weil der Geprellte mit der Hand die Windschutzscheibe zerschlug, sei er in Panik geraten. Viel läuft für ihn auf eine Verurteilung wegen Körperverletzung mit Todesfolge hinaus.

Diese Bewährungsauflagen verhängt das Gericht

Entsprechend kann dem älteren Bruder, der den Betrug einräumte, keine Anstiftung zum Mord vorgeworfen werden. Staatsanwalt Andreas Petzel beantragte als Bewährungsauflage 30.000 Euro Schmerzensgeld, 50.000 Euro die Nebenklage. Verteidiger René Blaschke sagte, dass ein Betrug kein Schmerzensgeld auslösen kann. Dem folgte die Kammer unter Vorsitz von Harald Tscherner. 15.000 Euro als Ausgleich für das erbeutete Geld gehen aber an den Geschädigten.

Der Angeklagte hatte 15 Monate in Untersuchungshaft gesessen. Er muss 200 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Der Angeklagte und die Staatsanwaltschaft erklärten den Verzicht auf Rechtsmittel.