AWO Jena-Weimar stellt 26 Erzieherinnen ein

Am ersten Arbeitstag erst einmal vom Chef eine Einladung zum gemeinsamen Frühstück zu erhalten, bei dem dann auch noch der Minister auftaucht und die Neulinge mit Händedruck und besten Wünschen für die neue Tätigkeit begrüßt das ist wohl eher eine Seltenheit.

AWO Jena-Weimar stellt 26 neue Erzieherinnen ein. Die Kinder freut's.

AWO Jena-Weimar stellt 26 neue Erzieherinnen ein. Die Kinder freut's.

Foto: zgt

Jena. Für 26 Erzieherinnen aus Jena, Weimar und Bad Berka hat gestern jedoch ihre Berufstätigkeit bei der Arbeiterwohlfahrt (AWO) so begonnen.

AWO-Geschäftsführer Frank Albrecht begrüßte 25 Frauen und einen jungen Mann als neue Mitarbeiter in den zwölf Kindereinrichtungen des Verbandes und gleichzeitig Christoph Matschie (SPD), den Thüringer Kultusminister. Denn jenem sei großer Dank zu sagen für das neue Thüringer Kindergartengesetz, das eine bessere Betreuungsrate in den Gruppen – und damit die Neueinstellung von Erziehern ermögliche, wie Albrecht sagte. Dass es dieses neue Gesetz gebe, sei vielen Thüringern zu danken, die sich z. B. in einem Volksbegehren dafür einsetzten, erklärte Christoph Matschie.

Der neue Betreuungsschlüssel besagt, dass sich jetzt eine Erzieherin um vier Knirpse unter einem Jahr kümmert, bzw. um sechs Ein- bis Zweijährige sowie um acht Zwei- bis Dreijährige. In dieser Größenordnung zahlt das Land Zuschüsse für die Kinderbetreuung. "Die AWO hat damit die Möglichkeit für insgesamt 36 zusätzliche Erzieher-Stellen", berichtet Albrecht. Ein Teil dieser Mehrkapazität werde über die Arbeitszeiterhöhung vorhandener Mitarbeiterinnen abgedeckt. "Für die übrigen 26 Stellen haben wir neue Mitarbeiter gesucht". Anders als befürchtet, war es der AWO auch nicht schwergefallen, dafür Interessenten zu finden. "Wir erhielten 162 Bewerbungen, mit so vielen hatten wir nicht gerechnet", räumt Margit Fischer, stellvertretende Vorstandvorsitzende der AWO, ein.

Unter den jetzt Eingestellten seien viele junge Frauen zwischen 21 Jahren und Anfang 30, aber auch einige, die die 40 und 50 schon überschritten haben. "Manche der jungen Kolleginnen haben erst in der vorigen Woche ihre Abschlusszeugnisse erhalten, die älteren Kolleginnen bringen viel Berufserfahrung mit, auch wenn sie zeitweilig in anderen Berufen tätig waren", erklärt sie.

Eine von diesen ist Petra Peter aus Kahla. "Ich habe in den 70er Jahren Krippenerzieherin gelernt und elf Jahre auch in diesem Beruf gearbeitet", erzählt sie. "Ich hätte mir keinen anderen Beruf vorstellen können". Doch dann machte sich ihr Mann als Dachdecker selbstständig – und Petra Peter wechselte ins Firmenbüro. 23 Jahre war sie für Abrechnung und Organisation zuständig. Als ihr Mann das Geschäft aus gesundheitlichen Gründen im Vorjahr schließen musste, "wollte mich die Arbeitsagentur in einen kaufmännischen Beruf vermitteln, doch ich wollte wieder zurück zu Kindern", sagt sie. Sie absolvierte eine viermonatige Anpassungsqualifizierung in Leipzig und bestand die Prüfungen. "Ein Praktikum in einer Kita hat mich zusätzlich bestätigt". Von nun an gehört Frau Peter zum Team des Kindergartens "Wirbelwind" in Jena.

Mit ihr beginnt auch Nicole Hein dort zu arbeiten. Die junge Frau ist Bankkauffrau und hat ein Studium der sozialen Arbeit absolviert. Ihre Bachelorarbeit beschäftigte sich mit dem neuen Thüringer Kindergartengesetz. Nach einem mehrwöchigen Praktikum war für sie klar, dass sie nur noch mit Kindern arbeiten wollte. "Ich habe mehrere Bewerbungen geschrieben und hatte auch mehrere Arbeitsangebote", sagt sie. Das der AWO hatte sie am meisten überzeugt.

"Wirbelwind"-Leiterin Andrea Kästner freut sich über die personelle Verstärkung. "Mit 20 statt 14 Erzieherinnen können wir uns viel besser um die Kinder kümmern, haben mehr Zeit für sie. Jetzt werden auch Museumsbesuche, Touren in die Umgebung oder zusätzliche Angebote wie eine Tanzgruppe möglich, worauf wir uns sehr freuen."