Demokratie via Facebook und Co: Saalfelder Landrat ganz vorn dabei

Die schöne bunte Welt des Internets und der damit aufgekommenen sozialen Netzwerke bietet auch für Politiker ein neues, weites Betätigungsfeld, um mit ihren potenziellen Wählern zu kommunizieren. Landrat Hartmut Holzhey ist in vorderster Front dabei, wenn es um neue Formen des Dialogs geht.

Foto: zgt

Saalfeld. Beim Jahresempfang der CDU-Mittelstandsvereinigung sprach Hartmut Holzhey, parteiloser Landrat im Kreis Saalfeld-Rudolstadt, am Montagabend in Rudolstadt über Infrastruktur, seine Vorstellungen, die Region und den Mittelstand zu stärken, die Bildungs- und Ausbildungssituation im Landkreis sowie über seinen Status als Unternehmer und Landrat. Die Gäste im Schlosscafé Heidecksburg mögen sich exklusiv informiert gefühlt haben. Doch Neues dürfte der Landrat kaum erzählt haben.

Der 55-Jährige zählt zu einer neuen Generation von Kommunalpolitikern, die ihre Botschaften gern zeitnah und ungefiltert über das Internet verbreiten. 1389 Freunde hat der Logistikunternehmer mit Stand gestern bei Facebook. Das soziale Netzwerk diente Holzhey bereits im Wahlkampf als Kommunikationsmittel Nr. 1. Hunderte junger Leute verbreiteten auf diesem Weg die Ansichten des Landratskandidaten und dürften so dazu beigetragen haben, dass der Saalfelder überraschend deutlich gegen Amtsinhaberin Marion Philipp (SPD) gewann.

Auch als Landrat nutzt Holzhey das Internet für neue Formen von Transparenz und Dialog mit dem potenziellen Wähler. Neben Links zu OTZ-Beiträgen, zur Zukunft der Währung oder zur verspotteten Energiewende holt er sich auch gern mal Rat bei seiner Facebookgemeinde.

Als ihm das Innenministerium Ende November vorerst mündlich bescheinigte, dass er nicht gleichzeitig Landrat und Geschäftsführer der Loquitz Trans GmbH sein könne, stellte er vier Optionen zur Diskussion – vom Niederlegen des Amtes bis zur Übertragung der Geschäftsführerschaft an seine Frau. 164 Kommentare sammelten sich zu diesem Thema binnen fünf Tagen auf seiner Facebookseite an. Die meisten seiner Online-Freunde rieten ihm, um das Amt zu kämpfen. Eine Entscheidung in dieser Sache wird womöglich noch in dieser Woche fallen.

Als die Kreisverwaltung auf Drängen von Kreistagsmitgliedern Einsparmöglichkeiten im Haushalt für 2013 aufzeigte, machte Holzhey die "Liste der Grausamkeiten" auf seiner Seite öffentlich – und nahm das brisante Dokument wenige Stunden später wieder aus dem Programm. Wegen der darin vermerkten Personalkosten des Landratsamtes, die fast 30 Millionen Euro im Jahr betragen, drohte die Diskussion aus dem Ruder zu laufen. So viel Online-Demokratie musste denn doch nicht sein. Inzwischen ist die Liste auf der Internetseite eines befreundeten Journalisten aus dem Landkreis wieder nachzulesen.

Das Beispiel des Landrates hat auch andere Landes- und Kommunalpolitiker aus dem Landkreis inspiriert. Die Bürgermeister von Saalfeld und Rudolstadt haben inzwischen Fanseiten mit wachsenden Nutzerzahlen. Auch Parteien und ihre Protagonisten tauchen in zunehmender Zahl im sozialen Netzwerk auf.

Der CDU-Landtagsabgeordnete Gerhard Günther aus Königsee berichtet auf diesem Kanal regelmäßig über seine politischen Aktivitäten und streut schon mal Weisheiten ein wie: "Ein Fünf-Minuten-Ei kann man nicht in drei Minuten kochen". Sein Fraktionskollege Maik Kowalleck aus Saalfeld steht ihm dabei kaum nach. Bei der Zahl der "Freunde" müssen beide allerdings noch zulegen: Kowalleck hat 739, Günther 563.

Zum Facebook-Auftritt der OTZ Saalfeld/Rudolstadt

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