Fraktionschef Höcke: Dicke muss sich vor der Wahl bei der AfD vorstellen

Die AfD-Landtagsfraktion hat mit konkreten Forderungen auf Signale aus der Thüringer CDU reagiert, gegen Linke-Fraktionschef Bodo Ramelow einen eigenen Kandidaten für die Ministerpräsidentenwahl aufstellen zu wollen.

Politisches Vorbild: AfD-Fraktionschef Björn Höcke in seinem Landtagsbüro, wo ein Foto des "Eisernen Kanzlers" Otto von Bismarck hängt. Foto: Peter Michaelis

Politisches Vorbild: AfD-Fraktionschef Björn Höcke in seinem Landtagsbüro, wo ein Foto des "Eisernen Kanzlers" Otto von Bismarck hängt. Foto: Peter Michaelis

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Weimar. Sollte der von Altministerpräsident Bernhard Vogel (CDU) ins Spiel gebrachte ehemalige Jenaer Uni-Rektor Klaus Dicke antreten wollen, "erwarten wir ein deutliches Zeichen", sagte Fraktionschef Björn Höcke der Thüringischen Landeszeitung. Dicke müsse zeigen, dass er die Stimmen der AfD auch wolle. "Denn wer sie nicht will, der kriegt sie auch nicht", so Höcke mit Blick auf die Warnungen der Bundes-CDU, keinen Kandidaten mit Hilfe der AfD wählen zu lassen. "Sollte Professor Dicke ins Rennen gehen, erwarten wir dass er sich morgen im Raum 202 der AfD-Fraktion vorstellt."

Der Thüringer CDU-Ehrenvorsitzende Vogel sagte im TLZ-Gespräch: "Professor Dicke ist ein geeigneter Kandidat, der einen solchen Job auch kann." Es sei wichtig, dass die Union in einem möglichen dritten Wahlgang der Mehrheit der Abgeordneten, die Ramelow zuvor nicht gewählt hätten, ein gutes Angebot macht. Allerdings liege das Vorschlagsrecht nicht bei ihm, sondern bei der Fraktion. Nach TLZ-Informationen war Dicke am Mittwoch von einer Mehrheit der CDU-Landtagsfraktion abgelehnt worden.

Dicke: "Ich hätte große Schwierigkeiten nein zu sagen"

Landtagsfraktionschef Mike Mohring kündigte indes indirekt an, nicht gegen Ramelow anzutreten. "Ich begrüße den Vorschlag von Bernhard Vogel", sagte er der "Thüringer Allgemeinen". Vogel äußerte der Zeitung gegenüber "Verständnis" dafür, dass Mohring keine Kandidatur anstrebe. So stünde in der nächsten Woche neben dem CDU-Bundesparteitag auch der Landesparteitag mit Neuwahlen an. "Ich bin natürlich der Meinung, dass Mike Mohring mit einem guten Ergebnis wieder in den Bundesvorstand gewählt werden sollte", sagte Vogel. "Und ich bin ebenso natürlich der Meinung, dass er der neue Landesvorsitzende werden sollte." Beide Vorhaben könnten aber durch eine Kandidatur Mohrings als Ministerpräsident und der damit verbundenen Gefahr, zu unterliegen, gefährdet werden.

Dicke sagte der TLZ am Nachmittag, er sei bislang von niemandem aus der Landtagsfraktion gefragt worden, ob er antrete. "Wenn es so wäre, hätte ich große Schwierigkeiten nein zu sagen", sagte der Politikwissenschaftler. Die aktuelle Situation bezeichnete er als mehr als verzwickt. "Thüringen liegt in einer fiebrigen Agonie. Das ist alles andere als gut." Er glaube nicht, dass er alle AfD-Stimmen auf sich vereinen könne. "Und es wäre eine Horrorvorstellung für mich, wenn die AfD mich vorschlagen würde", so Dicke.

Linke, SPD und Grüne verfügen im Landtag mit zusammen 46 Mandaten über die hauchdünne Mehrheit einer Stimme. CDU und AfD kommen zusammen auf 45 Stimmen.

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