Fridays For Future und Wahlen beeinflussen Mitglieder-Entwicklung der Thüringer Parteien

Erfurt.  Die kleinen Parteien in Thüringen verzeichnen Zuwachs bei ihren Mitgliedern. Vor allem junge Menschen und Frauen traten den Parteien bei.

Die aktuelle politische Lage in Thüringen hat Auswirkungen auf die Mitglieder-Entwicklung der Parteien im Freistaat.

Die aktuelle politische Lage in Thüringen hat Auswirkungen auf die Mitglieder-Entwicklung der Parteien im Freistaat.

Foto: Daniel Bockwoldt / dpa

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Das Jahr der Landtagswahl hat in Thüringen vor allem den kleinen Parteien einen Mitgliederzuwachs beschert. Die Grünen verzeichneten Ende 2019 insgesamt 1124 Mitglieder – 277 mehr als ein Jahr zuvor, wie Landesgeschäftsführer Harald Schwalbe in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur sagte.

Die FDP mit jetzt 1350 Mitgliedern konnte nach Angaben ihres Sprechers Thomas Philipp Reiter 110 Neueintritte verbuchen. "Dies entspricht einem Zuwachs von knapp 9 Prozent", sagte er. Auch CDU, Linke und SPD registrierten Neuzugänge, allerdings nahm deren Mitgliederzahl insgesamt ab – vor allem, weil zahlreiche ältere Parteimitglieder gestorben sind. Die AfD ließ die Anfrage zu ihrer Mitgliederentwicklung im vergangenen Jahr unbeantwortet.

Vor allem junge Menschen und Frauen

Nach übereinstimmenden Angaben der anderen fünf Parteivertreter sind unter den Neumitgliedern häufig jüngere Menschen und Frauen zu finden. "Das Durchschnittsalter der neu eingetretenen Mitglieder beträgt 33,2 Jahre", sagte FDP-Sprecher Reiter. SPD-Landesgeschäftsführerin Anja Zachow sagte, bei den Sozialdemokraten seien 46 Prozent der Parteineulinge 30 Jahre und jünger. Wie bei Grünen und FDP auch beträgt der Frauenanteil unter den Parteineulingen etwa 40 Prozent.

Die CDU bleibt nach Angaben ihres Generalsekretärs Raymond Walk die mit Abstand größte Partei im Freistaat. Im November 2019 habe die Mitgliederzahl "leicht unterhalb" der 10.000-er Marke gelegen, sagte er. Konkrete Angaben zu Neueintritten machte Walk nicht.

Bei der SPD sank die Mitgliederzahl nach Angaben Zachows von Ende 2018 zu Ende 2019 leicht von 3850 auf 3754. "Zu sehen ist ein leichter Anstieg bei den Neueintritten, der aber im Gesamtjahressaldo nicht für eine positive Mitgliederentwicklung gereicht hat", sagte sie.

Abgänge überwiegen Neuzugängen

Die Gewinnerin der Landtagswahl, die Thüringer Linke, zählte Ende 2019 noch 4108 Mitglieder. Ein Jahr zuvor waren es nach Angaben von Landesschatzmeister Holger Hänsgen 4224. "Leider überwiegen die vor allem alters- und gesundheitsbedingten Abgänge, ergänzt durch Ausritte und Streichungen – in summa etwa 350 im Jahr 2019 – die Anzahl der Neueintritte." Nur etwa ein Drittel der Neumitglieder seien Frauen. "Der Zustand stellt uns nicht zufrieden und wird – neben der Anzahl Neueintritte, die nicht ausreichend ist – ein Schwerpunkt unserer künftigen Mitgliederarbeit sein", sagte Hänsgen.

Eine Rolle bei der Mitgliederentwicklung spielen nach Einschätzung der Parteien offenbar die Politisierung vor allem junger Menschen etwa durch die Umwelt-Bewegung Fridays For Future und die Landtagswahl. Beides sei Ausdruck einer Polarisierung, der bei den Parteien offenbar zu Neueintritten führe, hieß es.

"Den Mobilisierungseffekt durch eine wieder stärkere Politisierung unserer Gesellschaft verspürt auch die FDP, da sich immer mehr junge Menschen politisch bekennen – auch zum organisierten Liberalismus", sagte beispielsweise Reiter.

Hänsgen erklärte, er könne nicht genau sagen, welchen Einfluss Fridays For Future auf die Mitgliederentwicklung seiner Partei habe. Aber: "Die Kommunal- und Europawahl, aber natürlich auch die Landtagswahlen, haben mit Sicherheit Menschen in Thüringen motiviert, Mitglied der Linken zu werden."

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