Geraer Jobcenter darf weniger Maßnahmen als geplant streichen

Geraer Stadträte erreichen die Halbierung. Dennoch ist die Sorge um die Langzeitsarbeitslosen groß, auch wenn Fachkräftevermittlung vornan stehen soll.

In der Holzwerkstatt der Otegau fertigten junge Leute Skulpturen aus Holz, die auch dem Geraer Tierpark übergeben worden waren. Ob die Werkstatt weiter ausgelastet ist, steht auf der Kippe.

Foto: zgt

Gera. Nicht 1000, sondern nur etwa 500 Personen weniger werden angesichts gekürzter Gelder in diesem Jahr in Gera in Projekte auf dem zweiten Arbeitsmarkt einsteigen.

Das ist Ergebnis der Beratungen zum Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2012 des Jobcenters Gera im Ausschuss für Wirtschaft und Stadtentwicklung und des Sozial-, Gleichstellungs- und Gesundheitsausschusses des Geraer Stadtrates. 20 Prozent der so genannten Eingliederungsmittel wurden dem Jobcenter im Vergleich zum Vorjahr vom Bund gestrichen. Während Jobcenter-Geschäftsführer Enrico Vogel darauf achtete, die Aufwendungen für den Wiedereinstieg in den ersten Arbeitsmarkt konstant zu halten, schlug er der aus Stadt und Jobcenter gebildeten Trägerversammlung Kürzungen auf dem zweiten Arbeitsmarkt vor. Auch bei Ein-Euro-Jobs von 2070 auf 1150.

Am Ende stellten die Stadträte diese Strategie nicht in Abrede. Doch forderte Linke-Stadtrat Dr. Wolfgang Neudert angesichts der aktuell 12 907 Bezieher von Arbeitslosengeld II und Sozialgeld eine besondere Geraer Lösung. Andreas Hoffarth, Geschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt, gab unumwunden zu, dass die Wohlfahrtspflege auf den zweiten Arbeitsmarkt angewiesen sei. Er bat die Trägerversammlung "dringlichst", die Ausrichtung der Hilfen noch einmal zu überdenken.

Roswitha Schmeller, Geschäftsführerin der Otegau Arbeitsförder-/Bildungszentrum GmbH Ostthüringen/Gera, hegt Zweifel. "Aus meiner Sicht führt die Einsparung nicht dazu, dass es für die Gesellschaft preiswerter wird", sagte sie und sprach Schulden und Suchtkrankheiten bei Betroffenen an. Mit der sozialpädagogischen Betreuung in den Projekten könne viel abgefangen werden, sagte sie. Obendrein sieht sie Strukturen der Beschäftigungsgesellschaft bedroht. Wenn 500 Personen weniger einsteigen können, braucht es nicht mehr alle Werkstätten. Stadträtin Martina Schmidt von der Wählervereinigung "Arbeit für Gera" pflichtete Frau Schmeller bei: "Arbeit ist Prävention."

Linke-Stadtrat Mike Huster forderte zur Lobbyarbeit für die Region auf. Wenn Unternehmen weg gehen, weil sie keine Fachkräfte finden, wäre es noch teurer. "Die Stadt braucht zuerst Fachkräfte", bekräftigte Lars Eisert-Bagemihl, Geschäftsführer der Diakonie Ostthüringen. "Es geht nicht nur um die Stabilisierung der Otegau, es geht um die Stabilisierung und Entwicklung der Wirtschaft in Gera", fasste Sozialausschusschef Günter Domkowsky (Linke) zusammen.

Zahl der Ein-Euro-Jobber in Gera sollte sinken

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