In Tambach-Dietharz entsteht das Kinderhospiz Mitteldeutschland

Linn wird niemals alt werden. Ihr kleiner Körper ist krank. So schlimm, dass er sich nicht erholen wird. Linns Eltern wussten das schon kurz nach der Geburt des Mädchens vor sechs Jahren in Jena.

Die Illustration zeigt den Architekten-Entwurf des künftigen Kinderhospizes Mitteldeutschland in Tambach-Dietharz.  Foto: Stiftung Kinderhospiz Mitteldeutschland e.V./ddp

Die Illustration zeigt den Architekten-Entwurf des künftigen Kinderhospizes Mitteldeutschland in Tambach-Dietharz. Foto: Stiftung Kinderhospiz Mitteldeutschland e.V./ddp

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Tambach-Dietharz. Linn hatte große Probleme beim Schlucken, musste von klein an mit einer Sonde ernährt werden. Nach einem Jahr war ihre Lunge so stark geschädigt, dass sie nur noch über einen Luftröhrenschnitt künstlich beatmet werden kann. Für ihre Eltern wäre das Kinderhospiz Mitteldeutschland eine große Hilfe. Ende des Jahres ist es fertig.

Das Projekt Kinderhospiz ist ein ehrgeiziges. Vor fünf Jahren vom "Freundeskreis Kinderhospiz" in Nordhausen, dessen Präsident der ehemalige Thüringer Innenminister Willibald Böck ist, ins Leben gerufen, soll das Kinderhospiz Familien helfen, in denen Kinder an sogenannten "lebensverkürzenden Krankheiten" leiden. Sie werden wohl niemals erwachsen werden.

Eigentlich sollte das Hospiz in Nordhausen gebaut werden. Doch weil sich der Standort in Tambach-Dietharz als besser erwies, änderten sich die Pläne. "Nach dem Bekanntwerden unseres Projektes und der ’Vision eine Million’ wurden uns 61 Objekte angeboten", sagt Vereinssprecher Stephan Masch. Schlösser und Burgen waren darunter, alle sehr schön. Problematisch wären allerdings die Kosten zur Unterhaltung der Gebäude geworden. Für das 61. Objekt entschied sich der Verein dann, nicht ohne dass mancher in Nordhausen enttäuscht war.

Aus dem ehemaligen Verwaltungsgebäude der "Alten Tambacher Talsperre" und einem Anbau auf dem zwei Hektar großen Gelände entsteht derzeit für rund fünf Millionen Euro das Kinderhospiz. Baubeginn war 2009. Zwölf Familien können hier zeitgleich wohnen. Das Hospiz, sagt Stephan Masch, soll den Angehörigen von unheilbar kranken Kindern eine Auszeit ermöglichen. Die Patienten werden von Fachkräften betreut und die Eltern können einmal durchatmen.

Dabei soll das Hospiz nicht wie ein Krankenhaus wirken. Zwar seien die medizinischen Standards gegeben, doch die Inneneinrichtungen stammt von einem Architekt, der sich auf Hotels spezialisiert hat. Es gibt ein Therapiebad, einen Gemeinschaftssaal, einen Rückzugs- und einen Abschiedsraum. Im Freien sind ein Streichelzoo sowie ein Badeteich geplant.

"Wir möchten das unvermeidliche Schicksal so angenehm wie möglich gestalten. Und wir möchten den Angehörigen auch Perspektiven geben, nachdem sie ihr Kind verloren haben", sagt Stephan Masch. Deswegen engagiert sich der Verein, der auch Familienbegleiter ausbildet, die ambulant Familien mit todkranken Kindern begleiten, für das Projekt. 486.000 Euro kommen für den Bau des Hospiz’ vom Land. Alle weiteren Kosten muss der Verein durch Spenden aufbringen. Viele Ideen brauchten die Vereinsmitglieder dafür. "Die erste Million war die schwierigste", erinnert sich Masch. Prominente engagieren sich nun für das Kinderhospiz Mitteldeutschland. Die Zeitungsgruppe Thüringen, zu der auch die Ostthüringer Zeitung gehört, ist Medienpartner der Aktion.

Eine Million Euro fehlen noch, um den gesamten Bau endgültig finanziert zu haben. "Doch die bekommen wir auf jeden Fall." Nicht zuletzt weil es zahlreiche Spender gibt, die das Projekt mit hohen Beträgen unterstützen.

Ohne Hilfe wird das Kinderhospiz auch nicht während des Betriebes auskommen. Rund 400.000 Euro Verlust wird die Einrichtung jährlich verbuchen müssen. Stephan Masch, der derzeit jeden Tag Spenden für den Bau sammelt, wird also auch weiterhin alle Hände voll zu tun haben.

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