Weimar: Erstmals wird ein Student in Thüringen Prodekan

In einer Vorreiterrolle befindet sich die Fakultät Kunst und Gestaltung der Bauhaus-Uni. Sie setzt um, was das Hochschulgesetz längst ermöglicht.

Blick auf den Campus der Bauhaus-Universität Weimar mit dem Hauptgebäude (links) und dem Van-de-Velde-Bau (rechts daneben).

Blick auf den Campus der Bauhaus-Universität Weimar mit dem Hauptgebäude (links) und dem Van-de-Velde-Bau (rechts daneben).

Foto: Thomas Müller

Weimar. Erstmals in der Thüringer Hochschulgeschichte soll ein Student in eine Fakultätsleitung aufsteigen. Der Masterstudent Philipp Herion, 29, ist als Prodekan für studentische Angelegenheiten in der Fakultät Kunst und Gestaltung an der Bauhaus-Universität Weimar vorgesehen. Das bestätigte am Freitag das Büro des Uni-Präsidenten auf Anfrage. Nach internen Debatten stimmte der Fakultätsrat in dieser Woche dem Vorschlag des neuen Dekans, Wolfgang Kissel zu.

Kissel, seit 2000 Professor für Medien-Ereignisse sowie seit 2009 Leiter des Bauhaus Film-Instituts (BFI), war jüngst in dieses Amt gewählt worden. Informationen unserer Zeitung zufolge stand er aber nicht für eine klassische Leitungsstruktur zur Verfügung. So erweiterte er die Leitung von zwei auf drei Prodekane und bindet fortan neben einem studentischen Vertreter auch einen wissenschaftlichen Mitarbeiter in die Verantwortung ein: Dominic Dives von der Professur Kunst und Didaktik. Das Leitungsteam komplettiert demnach die Junior-Professorin Alexandra Toland als Studiendekanin. Das Präsidium der Universität muss das Dekanat allerdings noch bestätigen. Dies werde „zeitnah“ geschehen, heißt es.

Studentische Vizepräsidenten so gut wie ausgeschlossen

Bislang bildeten ausschließlich Professoren die Fakultätsleitungen an Thüringer Universitäten und Hochschulen. Das geben bis heute die Grundordnungen in den meisten Einrichtungen auch so vor, obwohl das Thüringer Hochschulgesetz schon vor der Neufassung 2016 „keine Vorgaben hinsichtlich der Gruppenzugehörigkeit der zu wählenden Dekanatsmitglieder“ machte, so das Wissenschaftsministerium.

Anders verhält es sich mit Hochschulleitungen. Vizepräsident beziehungsweise Prorektor kann laut Gesetz in Thüringen nur werden, „wer mindestens eine abgeschlossene Hochschulausbildung sowie eine mindestens dreijährige Berufstätigkeit in verantwortlicher Stellung nachweisen kann.“ Andernorts in Deutschland sind studentische Vizepräsidenten möglich. Aktuell gibt es sie zum Beispiel an Universitäten in Rostock und Friedrichshafen sowie an Hochschulen in Eberswalde und Potsdam.

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