Rezepte auf Papier, umständliche Bürokratie zwischen Arztpraxen, Kliniken und Apotheken – all das sollte eigentlich längst der Vergangenheit angehören. Eigentlich. Denn das hochmoderne, papierlose Gesundheitswesen, in dem elektronische Gesundheitskarte, E-Rezept und elektronische Patientenakte (ePa) alles bequem, reibungslos und sicher regeln, ist noch längst nicht überall angekommen. Das gilt zum Beispiel für den Besuch in der Apotheke.

Jeden 2. Sonntag

Ein FUNKE Liebe

Alle zwei Wochen sonntags: Antworten auf Beziehungsfragen – ehrlich, nah und alltagstauglich.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

In ihrer Kolumne „Der gute Rat der Apothekerin“ verrät Dr. Ina Lucas, welche Tücken beim E-Rezept sie in ihrer Apotheke erlebt, was das Apotheken-Team von der Gesundheitskarte wirklich ablesen kann und welche wichtige Neuerung die ePa bald erhält.

Lesen Sie auch

Apotheke: Was ist auf der elektronischen Gesundheitskarte gespeichert?

Dr. Ina Lucas: „Ein ganz normaler Montagmorgen begann in meiner Apotheke neulich so: Herr M., ein Stammkunde mit ziemlich trockenem Humor, legte mir seine elektronische Gesundheitskarte auf den Handverkaufstisch und sagte: „So, Frau Apothekerin, ich möchte, dass Sie mir bitte da jetzt alles eintragen, was ich so an Medikamenten einnehme. Dann hab ich’s endlich ordentlich!“. Ich musste schmunzeln – und erklärte ihm dann, dass wir noch keine Einträge in der elektronischen Patientenakte vornehmen können. Er runzelte die Stirn und sagte: „Aber Sie haben doch den Computer! Und ich habe die Karte! Was fehlt denn da jetzt noch?“.

Unsere Expertin

Dr. Ina Lucas ist 42 Jahre alt. Sie ist in Berlin geboren und aufgewachsen. Nach dem Abitur studierte sie Pharmazie an der Freien Universität Berlin. Im Anschluss promovierte Dr. Lucas in einer Kooperation zwischen der FU und dem Robert-Koch-Institut zum Thema Resveratrol und dessen Wirkung. Heute betreibt sie gemeinsam mit ihrer Kollegin Maria Zoschke vier Apotheken in Berlin mit rund 80 Angestellten. Dr. Lucas ist Kammerpräsidentin der Apothekerkammer Berlin sowie Vizepräsidentin der ABDA, der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände e. V..

Wie Herrn M. geht es vielen Patientinnen und Patienten. Im Fernsehen, Radio oder Internet hören oder sehen sie etwas über die vielen Projekte zur Digitalisierung im Gesundheitswesen. Aber was dann tatsächlich bei der Krankenkasse, in der Arztpraxis oder in der Apotheke schon Realität ist, hinkt oft den Erwartungen und Hoffnungen hinterher.

Seit fast zwei Jahren ist nun immerhin schon das elektronische Rezept bundesweit im Einsatz. Mehr als eine Milliarde E-Rezepte wurden bereits ausgestellt und eingelöst. Klar gibt es auch hier noch Probleme, wenn zum Beispiel einzelne Komponenten der bundesweiten Infrastruktur stundenweise ausfallen. Denn man muss wissen, dass das E-Rezept nicht auf der Gesundheitskarte selbst, sondern auf einem zentralen Speicher liegt. Grundsätzlich klappt es aber ganz gut mit dem E-Rezept.

Spannende Artikel aus der Serie „Der gute Rat der Apothekerin“

Medikamente und Wechselwirkung: Neuerung bringt Patienten echten Nutzen

Seit einigen Wochen ist nun auch die elektronische Patientenakte – kurz: ePA – in aller Munde, weil sie in den Arztpraxen, Kliniken und Apotheken zur Pflichtanwendung geworden ist. Für die Apothekenteams ist dabei die elektronische Medikationsliste (eML) relevant. Dort werden alle Medikamente chronologisch aufgelistet, die der Patient oder die Patientin per E-Rezept verordnet bekommen hat. So bekommt das Apothekenteam zumindest einen groben Überblick über die Medikationshistorie.

Das ist erstmal ein guter Anfang. Aber erst in einer künftigen ePA-Version mit einem elektronischen Medikationsplan (eMP) werden Apotheken auch rezeptfreie Medikamente ergänzen und aufwendige Wechselwirkungschecks dokumentieren können. Erst dann wird ein echter Patientennutzen entstehen, der Risiken zu vermeiden hilft.

Zurück zu Herrn M., der mir nach meinen aufwendigen Erklärungen in der Apotheke ganz ruhig entgegnete: „Ach, das klingt nach Politik. Bis es dann richtig klappt, schreib ich’s wohl noch in mein Notizbuch.“ Er kramte ein zerfleddertes Heftchen hervor, in dem in recht unleserlicher Schrift stand: „Weiße Tablette früh, rosa Tablette mittags, die fürs Herz abends (nicht die fürs Herz meiner Frau!).“ Ich las mit – und wir lachten beide zusammen. Dann dachte ich mir im Stillen: Solange die Technik noch lernen muss, wie Herr M. denkt, bleibt sein Notizbuch für den Moment wohl noch unsere verlässlichste ePA. Bis bald und bleiben Sie gesund, Herr M.!“