Wenn die Haut juckt, unschöne Pickel sprießen oder Neurodermitis durchschlägt, hoffen Patienten auf einen schnellen Termin beim Hautarzt. Die Praxis zeigt jedoch: Bis zum freien Termin beim Dermatologen können Wochen oder gar Monate vergehen. Wer sich eine schnelle Linderung der Symptome wünscht, kann unterdessen in der Apotheke um die Ecke Abhilfe bekommen.

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Gerade rezeptfreie Arzneimittel wie Salben oder spezielle Hautpflege sind schnell zu erhalten. Und als Apothekerin kann sie wie viele erfahrene Kolleginnen und Kollegen häufige Hautkrankheiten gut einschätzen, berichtet Dr. Ina Lucas in ihrer neuen Kolumne „Der gute Rat der Apothekerin“. Wie Apotheken bei Hauterkrankungen die Selbstbehandlung unterstützen, was bei Neurodermitis hilft und wann der Hautarzt die bessere Anlaufstelle ist, verrät sie hier.
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Dr. Ina Lucas: „In meiner Apotheke nehme ich meine Patientinnen und Patienten wahr, und zwar mit all meinen Sinnen – das ist oft ein immenser Vorteil. Denn zum Beispiel Hautprobleme im Gesicht, am Hals oder an den Armen und Händen kann ich am Handverkaufstisch leicht erkennen. Diagnosen darf ich allerdings nicht stellen, das ist immer ärztliche Aufgabe. Termine beim Hautarzt sind aber leider oft nur mit langer Vorlauf- oder Wartezeit zu ergattern. Trotzdem kann ich als Apothekerin mit meiner ganzen Erfahrung bei der Selbstbehandlung unterstützen – mit Präparaten zur Hautpflege oder mit rezeptfreien Arzneimitteln.
Unsere Expertin
Dr. Ina Lucas ist 42 Jahre alt. Sie ist in Berlin geboren und aufgewachsen. Nach dem Abitur studierte sie Pharmazie an der Freien Universität Berlin. Im Anschluss promovierte Dr. Lucas in einer Kooperation zwischen der FU und dem Robert-Koch-Institut zum Thema Resveratrol und dessen Wirkung. Heute betreibt sie gemeinsam mit ihrer Kollegin Maria Zoschke vier Apotheken in Berlin mit rund 80 Angestellten. Dr. Lucas ist Kammerpräsidentin der Apothekerkammer Berlin sowie Vizepräsidentin der ABDA, der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände e. V..
Oft zeigen mir Patientinnen und Patienten in der Apotheke rote Hautstellen oder Ausschläge. Rötungen sind klassische Symptome von Entzündungen, die wiederum verschiedene Ursachen haben können. Das kann unter anderem ein entzündeter Mückenstich, eine Reizung durch ein zu scharfes Reinigungsmittel oder ein akuter Neurodermitis-Schub sein. Ich kann je nach betroffener Hautstelle eine ganze Reihe verschiedener rezeptfreier Cremes, Salben oder Gele anbieten, die gegen die Entzündung helfen. Das hilft meist innerhalb weniger Tage. Bei dauerhaften Entzündungen oder großflächig betroffenen Arealen der Haut verweise ich aber immer an den Hautarzt oder die Hautärztin.
Grundsätzlich ist es wichtig, die Haut gut zu reinigen und zu pflegen. Gute Pflege beinhaltet nicht nur Fett, sondern auch Feuchtigkeit. Reines Wasser perlt von der Haut ab und sorgt für unerwünschtes Aufquellen. Deshalb sind Feuchthaltefaktoren wie zum Beispiel Harnstoff, Panthenol oder Hyaluronsäure in der Hautpflege essenziell. Es kommt aber wie immer auf die richtige Dosierung an. Dazu berate ich in meiner Apotheke individuell. Auch guter Sonnenschutz ist unerlässlich. Nicht nur an Tagen im Schwimmbad oder bei Radtouren, sondern eigentlich immer.
Sonnenschutz bei Hauterkrankung
Im Alter trocknet die Haut oft aus, weil die hauteigenen Drüsen zu wenig Talg produzieren. Zu trockene, fettarme Haut führt zu Juckreiz, Hautausschlag oder Wundheilungsstörungen. Durch altersgerechte Hautpflege lässt sich das oft gut verbessern. Ich würde zum Beispiel von der klassischen Seife lieber auf Waschlotionen mit einem speziellen pH-Wert bei sehr trockener Haut wechseln. Franzbranntwein ist bei einigen älteren Menschen traditionell beliebt, aber der enthaltene Alkohol trocknet die Haut zusätzlich aus. Davon rate ich grundsätzlich für die Hautpflege ab.
Auch zu viel Talg kann problematisch werden, vor allem bei Jugendlichen: Fettige Haut neigt zu Akne oder Unreinheiten. In meiner Apotheke berate ich dazu, welche Hautreinigungsmittel und welche rezeptfreien Akne-Therapeutika in welchem Haut- oder Krankheitsstadium empfehlenswert sind. Gerne empfehle ich zum Beispiel Präparate mit dem Inhaltsstoff Benzoylperoxid, die die Hornschicht auflösen und Bakterien hemmen.
Spannende Artikel aus der Serie „Der gute Rat der Apothekerin“
Neurodermitis: Apothekerin empfiehlt überraschende Menge an Salbe
Neurodermitis ist vor allem bei Kindern häufig. Der Juckreiz verleitet zum Kratzen, oft setzen sich bakterielle Infektionen in die verwundete Haut. Die tägliche Basispflege ist eine zentrale Säule der Neurodermitis-Behandlung. Da ich selbst viele Jahre betroffen war, ist das übrigens auch mein persönliches Lieblingsthema. Denn was viele nicht wissen: Es muss überraschend viel Hautpflegeprodukt verwendet werden, bis zu einem Kilogramm Creme pro Monat bei schwer betroffenen Erwachsenen. Mein Motto: Viel hilft viel! Das häufige und reichliche Eincremen kann nämlich die gestörte Hautbarriere stabilisieren. Basistherapeutika sollen fettend und filmbildend sein und Feuchtigkeit binden. Sie stärken den Wiederaufbau der epidermalen Hautbarriere.
Die Beratung von Patientinnen und Patienten mit Hauterkrankungen erfordert viel Fingerspitzengefühl und oft auch eine kontinuierliche Betreuung. Nicht nur bei der Auswahl der passenden Medikamente oder Pflegeprodukte, sondern auch kommunikativ. Denn Hautprobleme belasten viele Patientinnen und Patienten sehr. Als Apothekerin weiß ich, wann die Grenze der Selbstmedikation erreicht ist, und im persönlichen Beratungsgespräch kann ich mir zudem selbst ein Bild machen. Das ist einer der entscheidenden Vorteile der Apotheken vor Ort.“










