Apotheken bieten Dienstleistungen an, die viele auf den ersten Blick nicht vermuten würden. Haben Sie in Ihrer Stammapotheke um die Ecke schon mal Ihr Körperfett bestimmen, sich eine Ernährungsberatung oder eine Impfung diskret im Nebenzimmer geben lassen? Fest steht: Apotheken dürfen deutlich mehr als „nur“ Rezepte für Medikamente einlösen und Gesundheitsprodukte in der Filiale verkaufen.

Jeden 2. Sonntag
Ein FUNKE Liebe
Alle zwei Wochen sonntags: Antworten auf Beziehungsfragen – ehrlich, nah und alltagstauglich.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Welche eher unbekannten Services das sind, verrät Apothekerin Dr. Ina Lucas in ihrer neuen Kolumne „Der gute Rat der Apothekerin“. Ob Vitamin-D-Test oder Genanalyse: Fragen Sie beim nächsten Besuch einfach mal nach. Teilweise werden die Kosten sogar von der Krankenkasse übernommen.
Lesen Sie auch
Dr. Ina Lucas: „Die Apotheke gehört zur Nachbarschaft. Aber auch wenn jede und jeder schon mal in einer Apotheke war, machen wir viel mehr als allgemein bekannt. Hier kommen fünf teilweise unbekannte Aufgaben, die ich in meiner Apotheke gerne in der Gesundheitsversorgung übernehme:
Impfen in der Apotheke: Schutz gegen Grippe & Co.
Apotheken durften erstmals während der Coronavirus-Pandemie gegen Covid-19 impfen. Damals war es nur in Modellprojekten erlaubt – und hat sich bewährt. Heute bieten immer mehr Apotheken bundesweit Impfungen an – und inzwischen auch gegen Grippe (Influenza). Im vergangenen Jahr wurden allein von September bis Dezember in knapp 1700 Apotheken rund 173.000 Menschen gegen Grippe geimpft. In Zukunft sollen Apothekerinnen und Apotheker bald auch gegen einige weitere Infektionskrankheiten impfen dürfen.
Impfen dürfen nur Apothekerinnen und Apotheker, die eine spezielle Fortbildung absolviert haben. Die Impfungen in einer Apotheke sind genauso sicher wie in einer Arztpraxis. Alle Impfungen finden in abgegrenzten Räumen statt, nicht im allgemein zugänglichen Teil der Apotheke.
Unsere Expertin
Dr. Ina Lucas ist 42 Jahre alt. Sie ist in Berlin geboren und aufgewachsen. Nach dem Abitur studierte sie Pharmazie an der Freien Universität Berlin. Im Anschluss promovierte Dr. Lucas in einer Kooperation zwischen der FU und dem Robert-Koch-Institut zum Thema Resveratrol und dessen Wirkung. Heute betreibt sie gemeinsam mit ihrer Kollegin Maria Zoschke vier Apotheken in Berlin mit rund 80 Angestellten. Dr. Lucas ist Kammerpräsidentin der Apothekerkammer Berlin sowie Vizepräsidentin der ABDA, der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände e. V..
Ernährungsberatung: Manche Krankenkassen übernehmen die Kosten
Apotheker dürfen nach einer entsprechenden Weiterbildung Ernährungsberatungen anbieten. Eine individuelle Ernährungsberatung umfasst in der Regel zunächst eine Bestandsaufnahme aller individuell verzehrten Lebensmittel über mehrere Tage und dann die Auswertung der darin enthaltenen Nährstoffe. Diese werden abgeglichen mit dem individuellen Bedarf, der sich durch Krankheiten verändern kann.
Eine Beratung zur Ernährung ist aufwendig und umfasst mehrere ausführliche Beratungsgespräche. Die Kosten werden in aller Regel nicht von den Krankenkassen erstattet, sondern müssen von Patientinnen und Patienten privat getragen werden. Es lohnt sich aber, bei der eigenen Krankenkasse nachzufragen, ob die Leistung erstattet wird.
Genanalysen: Damit Medikamente besser wirken
Die individuellen Erbanlagen bestimmen nicht nur die Augenfarbe, sondern auch die Wirkung einiger Medikamente. Man kann die Arzneimitteltherapie auf die individuellen genetischen Merkmale abstimmen. Der Fachbegriff dafür ist ‚stratifizierte Therapie‘. Ein Beispiel ist Brustkrebs: Patientinnen können je nach ihren genotypischen Merkmalen in Untergruppen eingeteilt und unterschiedlich behandelt werden. Ein anderes Beispiel sind die Leberenzyme. Diese können je nach genetischer Ausstattung bestimmte Arzneistoffe sehr schnell abbauen, was die Wirkung dieser Medikamente verkürzt.
Immer mehr Apotheken bieten Genanalyse-Sets an, mit denen Patientinnen und Patienten mehr über ihren eigenen Körper erfahren können. Für eine Genanalyse bekommt man in der Apotheke ein Probenentnahme-Set, mit dem der Patient oder die Patientin bei sich selbst Proben entnehmen kann. Diese Proben werden dann an spezialisierte Labore geschickt und dort ärztlich ausgewertet.
Spannende Artikel aus der Serie „Der gute Rat der Apothekerin“
BIA-Messungen: Körperfett und Muskulatur genau bestimmen lassen
In vielen Apotheken werden verschiedene pharmazeutische Dienstleistungen angeboten. Einige werden unter bestimmten Bedingungen von der Krankenkasse bezahlt, andere sind (noch) Selbstzahlerleistungen.
Eine Waage zur Messung des Körpergewichts hat so gut wie jede Apotheke. Immer mehr Apotheken bieten zusätzlich zur Körpergewichtsmessung auch bioelektische Impedanz-Analysen (BIA) an. Die BIA ist ein etabliertes Messverfahren, das die Körperzusammensetzung anzeigt, hinsichtlich
- Muskulatur,
- Fettgewebe und
- Körperwasser.
Für die Messung werden im Liegen an die Hände und Füße Hautelektroden angebracht und ein schwacher elektrischer Strom durch den Körper geleitet. Die Messung dauert nur wenige Sekunden und ist schmerzlos. Die ermittelten Werte werden zusammen mit Körpergewicht und -größe und dem Alter in eine Software eingegeben. Dann wird das Ergebnis in der Regel von speziell fortgebildeten Apothekerinnen und Apothekern ausgewertet. Die Kosten für eine BIA müssen Patientinnen und Patienten bislang meist privat tragen.
Körperfett zu Hause richtig messen
Die BIA ist nur ein Beispiel für das Dienstleistungsangebot vieler Apotheken. Weitere sind zudem Darmberatungen, die Bestimmung des Vitamin D-Spiegels im Blut oder die Messung anderer Körperwerte, oft im Rahmen von Aktionstagen. Beispiele für solche zeitlich begrenzten Angebote von Apotheken sind Knochendichtemessungen oder Venenmessungen.
Ausbildung junger Menschen für den Apothekerberuf
Die deutschen Apotheken bilden pro Jahr mehr als 6500 junge Menschen aus. In jeder Apotheke arbeitet mindestens eine Apothekerin oder ein Apotheker. An das Pharmaziestudium schließt sich ein einjähriges Pflichtpraktikum an, das mindestens zur Hälfte in einer Apotheke absolviert werden muss. Andere Apothekenberufe werden zumindest teilweise in Apotheken ausgebildet.
Die pharmazeutisch-technischen Assistentinnen und Assistenten (PTA) besuchen zuerst zwei Jahre lang eine PTA-Schule, daran schließt sich ein halbjährliches Apothekenpraktikum an. Pharmazeutisch-kaufmännische Angestellte (PKA) lernen ihren Beruf im dualen System in der Apotheke mit begleitendem Unterricht in einer Berufsschule.
Die Apotheke kann viel mehr, als viele wissen und nutzen. Kommen Sie gerne in Ihre Apotheke vor Ort und fragen Sie nach. Es lohnt sich!“










