Tourismus

Grüner Gegenwind für das Hängebrücken-Projekt

Lichtenberg.  Abgeordnete aus Bayerischen Landtag und Bundestag befürchten Kostenexplosion und ausbleibende Fördermittel

Die weltgrößte Hängebrücke, hier eine Computersimulation, soll sich 1030 Meter übers Höllental spannen.

Die weltgrößte Hängebrücke, hier eine Computersimulation, soll sich 1030 Meter übers Höllental spannen.

Foto: Landkreis Hof

Grüner Gegenwind für das Hängebrücken-Projekt im benachbarten Oberfranken: Das bayerische Landtagsmitglied Tim Pargent sowie Bundestagsmitglied Stefan Schmidt, beide von den Grünen, fordern den sofortigen Abbruch des Brückenprojekts und begründen das mit steigenden Kosten und einer ungeklärten finanziellen Förderung des Vorhabens.

Laut einer Mitteilung der beiden Grünen-Abgeordneten haben sich die bislang für den Bau der Hängebrücken veranschlagten Kosten von zunächst zehn bis zwölf Millionen Euro auf nunmehr über 18 Millionen Euro erhöht. Hinzu kommen etwa vier Millionen Euro für das in Lichtenberg zu errichtende Besucherzentrum. Die beiden Abgeordneten beziehen sich dabei auf Aussagen des Bayerischen Wirtschaftsministeriums, das im Januar dieses Jahres auf Anfrage mitgeteilt hatte, dass die Initiatoren des Projektes das Kostenvolumen mit zehn bis zwölf Millionen Euro veranschlagt haben. Nach einer Anfrage im zurückliegenden November ließ das gleiche Ministerium wissen, dass der Vorhabenträger derzeit mit zirka 18,3 Millionen Euro für beide Brücken rechne.

Das Ministerium weist darauf hin, dass sich die Kosten der Brücken laut Vorhabenträger „in einem kontrollierten Rahmen“ befinden würden. „Kostensteigerungen sind jedoch nie völlig auszuschließen“, so das Ministerium in seiner Antwort an die beiden Grünen-Abgeordneten, die unserer Zeitung vorliegt. Zur Begründung steigender Kosten heißt es, dass zunächst der Stahlpreis bis zum Baubeginn maßgeblich sei. Zudem wäre eine Kostensteigerung „durch die Erfüllung gesetzlicher Vorgaben, wie beispielsweise zur Barrierefreiheit“, möglich. Die gesetzlichen Vorgaben zur Barrierefreiheit, insbesondere aus dem Bayerischen Behindertengleichstellungsgesetz und der Bayerischen Bauordnung, sind laut Wirtschaftsministerium „unabhängig von einer Förderung einzuhalten und vom Vorhabenträger im Hinblick auf das konkrete Projekt zu prüfen“.

Die beiden Grünen-Abgeordneten verweisen darauf, dass das einzig mögliche Förderprogramm, mit dem der Freistaat das Hängebrücken-Projekt finanziell unterstützen könnte, die Richtlinien zur Förderung von öffentlichen touristischen Infrastruktureinrichtungen wären. „Allerdings wird das Geld daraus nur gewährt, wenn die Brücken barrierefrei zugänglich sind, was nach dem derzeitigen Stand aber nicht der Fall ist“, so das Resümee von Tim Pargent und Stefan Schmidt. Die Entscheidung über eine Förderung steht noch aus und setzt den entsprechenden Förderantrag voraus, der noch nicht vorliege.

„Wir halten das Projekt aus finanzieller Sicht für äußerst fragwürdig, vor allem wegen der einseitigen Abhängigkeit von einer einzigen Förderung“, erklärt Tim Pargent in einer Mitteilung, „außerdem haben wir angesichts ihrer wachsenden Dimensionen auch Zweifel an Sinn und Zweck der Brücken und daran, dass sie tatsächlich bezuschusst werden. Wenn der Bau erst einmal begonnen ist und die Kosten dann noch weiter steigen sollten, kann das schnell eine sehr bittere Schuldenpille für den Landkreis Hof werden. Es ist fraglich, ob wir uns sehenden Auges ein so riskantes Prestigeprojekt leisten wollen und auch leisten können.“ Aus der Sicht von Stefan Schmidt sei zudem „angesichts der massiven Eingriffe in das Naturschutzgebiet Höllental“ jetzt der Zeitpunkt gekommen, „diese ökologisch und auch ökonomisch fragwürdige Idee endgültig zu beerdigen und das gesamte Vorhaben einzustellen.“ Eine Zustimmung zum Bau vonseiten des Bayerischen Wirtschaftsministeriums könne er sich „unter den aktuellen Gegebenheiten beim besten Willen nicht vorstellen“.

Auch von der Kreisgruppe des Bund Naturschutzes in Hof kommt Kritik an den Hängebrücken. „Wir sind sehr enttäuscht darüber, dass den Einwänden und Alternativvorschlägen der lokalen Naturschutzverbände kein Gehör geschenkt wurde“, teilte Geschäftsführer Wolfgang Degelmann mit. „Es wäre schön gewesen, die Belange des Naturschutzes und des Tourismus, wie wir es vorgeschlagen haben, unter einen Hut zu bringen und eine für beide Seiten tragbare Lösung zu finden.“

Beabsichtigt ist, über das Höllental die weltweit längste freischwebende Hängebrücke mit 1030 Metern zu spannen. Zudem soll das Lohbachtal eine 387 Meter lange Hängebrücke überqueren. Bisher war von 4,3 Millionen Baukosten für die Lohbachtalbrücke sowie 9,1 Millionen Euro für die Höllentalbrücke ausgegangen worden. Die Gesamtkosten inklusive Besucherzentrum sollten sich ursprünglich auf bis zu 22,3 Millionen Euro belaufen. Der Freistaat hatte eine Förderung in Höhe von 80 Prozent auf die förderfähigen Kosten in Aussicht gestellt.

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