Lesung

Schwierige Annäherungen

Bad Lobenstein.  In einer Lesung in der Stadtbibliothek Bad Lobenstein wurden Interviews zur deutsch-deutsche Erinnerungskultur vorgestellt.

Die Filmregisseurinnen und Autorinnen Dörte Grimm(links) und Sabine Michel stellten am Dienstag anlässlich des 30. Jahrestages der Friedlichen Revolution und des Mauerfalls ihren Interviewband „Die anderen Leben“ in der Stadtbibliothek Bad Lobenstein vor.

Die Filmregisseurinnen und Autorinnen Dörte Grimm(links) und Sabine Michel stellten am Dienstag anlässlich des 30. Jahrestages der Friedlichen Revolution und des Mauerfalls ihren Interviewband „Die anderen Leben“ in der Stadtbibliothek Bad Lobenstein vor.

Foto: Roland Barwinsky

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Einen recht nachdenklichen Beitrag zur deutsch-deutschen Erinnerungskultur anlässlich 30 Jahre Mauerfall lieferten am Dienstagabend in der gut besuchten Stadtbibliothek Bad Lobenstein die Filmregisseurinnen und Autorinnen Sabine Michel und Dörte Grimm.

Sie machten in einer durch die Thüringer Landeszentrale für politische Bildung unterstützten Lesung eine Auswahl ihres noch nicht erschienenen Interviewbandes „Die anderen Leben“ öffentlich. Kinder stellten ihren Eltern darin teils brisante Fragen. Keineswegs sei es einfach gewesen Leute zu finden, die da mitmachen wollten, hieß es. Zugleich legten viele Beteiligte an dieser Spurensuche großen Wert auf Anonymität. Es wurde eine authentische Zeitreise mit Stolpersteinen.

Eines wurde schnell klar: Zwischen den Ost-Generationen herrschte lange Zeit lähmende Funkstille. Gerade die Antwortgeber, also die Älteren, erlebten die DDR in voller Breitseite. Sie erlernten einen Beruf, hatten partiell eine erdrückende Systemnähe oder richteten sich distanziert im Alltag dieses Landes ein. Nach den brachialen Umbrüchen vor 30 Jahren kam allen nicht nur das bisherige Wertesystem abhanden. Es gab Strauchelnde, andere fanden nach anfänglicher Desillusionierung schnell neue Alltagsplätze.

Verschwommen blieb so manche Erinnerung. Gleichzeitig taugten viele Aussagen aufgrund der persönlichen Nähe der miteinander Sprechenden für tiefgründige Annäherungen an eine verschwundene Zeit. Aufgefallen ist, dass die Kinder oftmals nach diversen Startschwierigkeiten schnell anderswo neue Rollen übernahmen. Fazit: Verdichtet filterte das Duo unzensiert Defizite des Einigungsprozesses heraus. Aufgrund der völligen Neuorientierung von Millionen Ostdeutschen nach 1990 fiel nämlich erst einmal der gerade damals dringend notwendige Diskurs untereinander aus. So wuchsen Defizite und wucherte Unbewältigtes, welches sich heutzutage nicht nur in dem unterschiedlichen Wahlverhalten der beiden wiedervereinigten Teile zeigt.

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