Kampagne will prägende Menschen aus Ostdeutschland sichtbar machen

In der Reihe „Wir sind der Osten - the future is east“ begegnen sich am Mittwoch in Erfurt Experten, Politiker und Menschen vor Ort.

Matthias Quent stammt aus Arnstadt, ist Soziologe und Rechtsextremismusforscher. Er leitet das Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft (IDZ) und steht mit seinem Gesicht auch für die Kampagne „WirSindDerOsten“.

Matthias Quent stammt aus Arnstadt, ist Soziologe und Rechtsextremismusforscher. Er leitet das Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft (IDZ) und steht mit seinem Gesicht auch für die Kampagne „WirSindDerOsten“.

Foto: Archiv M. Quent

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Wer oder was ist der Osten, was ostdeutsche Befindlichkeit, wie entsteht sie und wie drückt sie sich aus? Selbst ein gestandener Politiker wie Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) wunderte sich kürzlich in seiner Ringvorlesung in Erfurt darüber, dass es offenbar nur eine ostdeutsche Identität gibt. Westdeutsche verstünden sich dagegen eher als Hessen, Bayern oder Baden-Württemberger.

Eine klare Abfuhr erteilte der 77-Jährige dem gerade wieder lauter werdenden Vorwurf ostdeutscher Wortführer, wonach der Osten vom Westen kolonialisiert worden sei. Die staatliche Einheit sei vollendet, die Einheit im Fühlen und Denken der Menschen offenbar nicht, viele blickten heute sogar kritischer auf die Wendeereignisse als vor 30 Jahren, sagte Schäuble in Erfurt.

Menschen zeigen, die Zukunft positiv gestalten

In diesem Spannungsfeld bewegt sich auch die Initiative „Wir sind der Osten“ (wsdo). Sie will Menschen aus Ostdeutschland sichtbar machen, die die Zukunft positiv gestalten. Gemeint seien Macherinnen und Macher, die Herausforderungen anpacken. In einem Facebook-Post wird einerseits die Wiedervereinigung als Triumpf der Freiheit und andererseits auf fatale Fehler im Einigungsprozess verwiesen, die sich bis heute auf Wirtschaft, Medien, Politik und Gesellschaft in Deutschland auswirkten.

Einer, der mit Namen und Gesicht für „Wir sind de Osten“ steht, ist der Soziologe Matthias Quent. Geboren 1986 in Arnstadt, leitet er inzwischen das Instituts für Demokratie und Zivilgesellschaft in Jena. Ostdeutsch – was soll das sein und wie soll sich das anfühlen, fragt er in seinem wsdo-Profil? Er sei zwar ostdeutsch geprägt, fühle sich aber als Mensch. „Herkunft ist Zufall und keine Verpflichtung“, so Quent.

Debatte im Zughafen Erfurt

Der 34-jährige Quent ist einer der Experten, Zeitzeugen, Politiker und Menschen vor Ort, die am kommenden Mittwoch, 26. Februar, unter dem Motto „The Future is East – Die Zukunft liegt im Osten“ im Kulturbahnhof „Zughafen“ über das Thema debattieren werden. Ebenfalls mit dabei: Mareike Rauchhaus, Mitgründerin des Bike-Sharing-Unternehmens nextbike, die ihren Verbleib im Osten mit festen sozialen Bindungen begründet. Menschen wie Rauchhaus und Quent stünden für den Blick nach vorn und die damit verbundenen Chancen, sagt wsdo-Moderatorin Melanie Stein.

Erwartet werden außerdem die Publizistin Jana Hensel und der neue Ostbeauftragte Marco Wanderwitz. Die Fragen des Abends drehen drehen sich um die größten Herausforderungen für die nächsten Jahre, mögliche Lösungsansätze für Ostdeutschland und eine wissenschaftliche Annäherung an das Thema. Der Eintritt ist kostenlos. Einlass ist ab 18 Uhr. Die von unserer Zeitung präsentierte Veranstaltung beginnt um 18 Uhr 30 und soll bis 21 Uhr dauern.

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