Bauhaus-Tag lockt rund 3000 Besucher in die Stadt Gera

Gera  Viele Geraer und Auswärtige gleichermaßen lassen sich mitnehmen auf eine Tour durch die Stadt im Zeichen des Bauhaus-Jubiläums. Innen- und Außenansichten sind möglich.

Der markante, aber von der Straßenseite etwas versteckte Verwaltungs- und Industriebau Schulenburg und Bessler in Zwötzen.

Der markante, aber von der Straßenseite etwas versteckte Verwaltungs- und Industriebau Schulenburg und Bessler in Zwötzen.

Foto: Peter Michaelis

„Verrückt“, ist alles, was Volker Kielstein einfällt. Begeistert ist der Hausherr von Haus Schulenburg angesichts der Massen Interessierter, die am Sonntag zu der Villa pilgern, deren liebevolle Restauration nun mit einem nationalen Denkmalschutz-Preis gewürdigt wird. Es ist Bauhaus-Tag in Gera, da gehört das von Henry van de Velde errichtete Schmuckstück natürlich dazu. Viele nutzen die Chance, neben den Außenanlagen auch die Ausstellungen im Haus zu „100 Jahre Bauhaus“ zu besichtigen.

Am Ende des Bauhaus-Tages waren es laut des sehr zufriedenen Initiatoren-Trios Heinz ­Roeske, Ingo Süß und Jana ­Vonarb etwa 3000 Besucher – Einheimische, aber auch viele Gäste von außerhalb –, die die zwölf Stationen des Bauhaus-Tages ansteuerten. Mit den Bussen des Nahverkehrs, die extra dafür kreiselten, oder ganz individuell.

Viel Lob für die Geraer Gästeführer

„Der Bus ist sehr von Vorteil“, meinte Daniela Feistauer: „So bekommt man die Vielfalt des Bauhauses mit, kann sich viele der Bauten anschauen.“ Die Historikerin mit Schwerpunkt 19. und 20. Jahrhundert kam extra aus Hallean der Saale, hatte dort von dem Tag im Zeichen des Bauhaus-Jubiläums erfahren. Später, an der Schaeferklinik von Architekt Thilo Schoder in der Gagarinstraße hat sie bereits erste Eindrücke gesammelt und lobt vor allem die Gästeführer. „Wir machen schon seit Jahren Bauhaus-Führungen, aber so großes Interesse gab es noch nie“, sagt Monika Dölitzscher vom Geraer Gästeführerverein, die durch die Schaeferklinik führte. Auch an den anderen Gebäuden hatten die Gästeführer gut zu tun. Karin Schumann etwa nahm die Interessierten mit in den Golde-Bau, der erstmals wieder so zu besichtigen war. Im Verwaltungs- und Industriebau Schulenburg und Bessler in Zwötzen gab es nicht nur An- sondern auch Einblicke. Die gab es auch in den Wohnhäusern in der Uhlstraße, wo die Eigentümer der Wohnungsbaugenossenschaft Glück Auf die Gäste mit historischen Kostümen, alten Fotos und Bauzeichnungen mit auf eine Zeitreise in die Zwanziger Jahre nahmen.

Das Schoders „Haus Meyer“ in Bieblach nur von außen zu sehen war und sich auch sonst nichts beim Erhalt des Hauses in Privatbesitz tut, fand nicht nur Besucher Holger Bruchanski aus Lusan sehr schade. „Man sollte über ein Entwicklungsgebot für solche Häuser nachdenken“, fand er. Um es in Erinnerung zu rufen, wurde das Haus dennoch in den Bauhaus-Tag aufgenommen.

Einblick in Goldebau, Ausblick vom Handelshof

Viel los war zur Eröffnung des Tages mit Hunderten Gästen auf dem Markt, wo sich verschiedene Akteure aus Eisenberg, wie die in luftiger Höhe musizierenden Pianisten Julian Eilenberger und Andreas Güstel, präsentierten oder der Kunstverein Gera und Kunstlehrerin Gabriele Fischer vom Osterlandgymnasium zum Bauhaus-Basteln einlud. Auch vor dem Sparkassen-Hochhaus bildeten sich lange Schlangen. Alle wollten den famosen Ausblick vom Dach des 1929 erbauten Handelshofes genießen, dessen 90-Jähriges im Bauhaus-Jahr am 8. November gefeiert wird. Dann sollen bei einem Umzug die bunten Bauhaus-Laternen erstrahlen, die gestern von den Kindern im Museum für Angewandte Kunst gebastelt wurden. „Mir war noch nicht so klar, wie viel Bauhaus in Gera steckt“, sagte Jonathan Keune. Der Architekt aus Hannover mischte sich genau so unter die Bauhaus-Ausflügler, wie die Eheleute Hausigk aus Gera, die schon einige Gebäude kannten, sich aber dennoch als Bauhaus-Freunde neue Eindrücke versprachen.

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