Gera als Vorbild für eine Rad-Akademie: Erasmus-Projekt wird internationaler

Gera  Interview mit Trainerin Paula Kerndt über französische Eigenheiten, Gera als Vorbild für eine Rad-Akademie in Sofia und die Apres Tour

Nachwuchsradsportler und Trainer aus Bulgarien, Frankreich und Rumänien sind im Rahmen eines Erasmus+-Projektes Gast beim SSV Gera. Im Vordergrund stehen das gemeinsame Training und der Erfahrungsaustausch unter den Trainern. Im Rahmenprogramm gab es gestern einen Besuch der Gedenkstätte Buchenwald und der Porzellanwelten auf der Kahlaer Leuchtenburg.

Nachwuchsradsportler und Trainer aus Bulgarien, Frankreich und Rumänien sind im Rahmen eines Erasmus+-Projektes Gast beim SSV Gera. Im Vordergrund stehen das gemeinsame Training und der Erfahrungsaustausch unter den Trainern. Im Rahmenprogramm gab es gestern einen Besuch der Gedenkstätte Buchenwald und der Porzellanwelten auf der Kahlaer Leuchtenburg.

Foto: Peter Michaelis

Der SSV Gera 1990 hat sich mit Erfolg beworben, ist seit diesem Jahr Teil des Erasmus-Projekts „Bike – Biking Innovation and Knowledge for Everyone“. Im Frühjahr gab es den ersten gemeinsamen Treff in Sofia, vergangene Woche war Gera Gastgeber.

Das Erasmus-Projekt ist für diese Saison Geschichte. Was bleibt in Erinnerung?

Vieles. Es waren erlebnisreiche Tage – das auf jeden Fall. Wir haben auf der Straße und der Bahn trainiert und ein Rahmenprogramm organisiert. Unsere Gäste waren angetan von Gera, vor allem von unseren Trainingsbedingungen im Umland und auf der Radrennbahn. Was mich besonders gefreut hat, ist, dass die Sportler noch mehr miteinander gesprochen haben, sich ausgetauscht haben – über Länder- und Sprachgrenzen hinweg. Sicher liegt das auch daran, dass es schon das erste Treffen im Frühjahr in Bulgarien gegeben hat.

Was ist Ihnen in der vergangenen Woche noch aufgefallen?

(Schmunzelt) Die Sportler aus Frankreich hatten die Ruhe weg, kamen ständig zu spät. Landläufig schreibt man ja anderen Nationen eine gewisse Unpünktlichkeit zu.

Was konnten Sie für sich als Trainerin mitnehmen?

Wir haben uns ausgetauscht über Trainingsmethodik, wie die Ausbildung der Trainer in den einzelnen Ländern läuft und wie es ­gelingen kann, den Nachwuchs für den Radsport zu gewinnen.

Da gab es bestimmt gewaltige Unterschiede...

Ja, es hat sich schnell herausgestellt, dass es in Rumänien und Bulgarien an Strukturen mangelt. Dass es beim SSV Gera für jede Altersklasse einen Trainer gibt, hat unsere Gäste beeindruckt. Dragomir Kouzov, einer der Initiatoren des Erasmus-Projekts, hat sich genau angeschaut, wie es bei uns läuft. Er strebt nicht nur die Kandidatur als Präsident des bulgarischen Radsportverbandes an, er möchte in Sofia eine Radsport-Akademie aufbauen – und wir beim SSV Gera seien das Vorbild.

Und wie sieht es momentan in Sofia aus?

Im Moment trainiert einer alle, da müssen die Kleinen wie die Großen mit einem Gang zurechtkommen. Und es gibt nur wenige Nachwuchsrennen.

Wie läuft es in Frankreich?

In Frankreich wird ganz anders als bei uns an den Radsport ­herangegangen. Die Sportler sind vorwiegend auf dem ­Mountainbike unterwegs. Das hat man ihnen auch angemerkt, als wir Straßentraining gemacht haben und als es auf die Radrennbahn ging. Da hatten sie schon Respekt vor den Kurven. Aber es ist alles gut gegangen.

Der Stress war groß?

Wir waren gut vorbereitet. Das Wetter hätte die ersten Tage besser sein können. Wir sind den Berg zum Tierpark rausgefahren und alle waren pitschnass.

Da hatte Sportdirektor Bernd Herrmann mehr zu tun. Die Trainer gehen doch nicht um zehn ins Bett?

(Lacht) Da müssen Sie ihn mal fragen.

Gibt es eine Fortsetzung ­bezüglich des ­Erasmus-Projekts?

Ja, die Bewerbung ist durch. Das Projekt läuft jetzt sogar über zwei Jahre und wird mit Vereinen aus Schweden, Irland und Griechenland aufgestockt. Im März setzen sich die Trainer das erste Mal zusammen, um das ­Programm für 2020 und 2021 zu besprechen. Im Kern geht es darum, sich auszutauschen, wie es gelingen kann, dass ehemalige Radsportler ihrem Sport, ihrem Verein, dem Verband als Trainer oder Funktionär erhalten bleiben.

Da sind Sie das beste Beispiel. Radsportlerin im Verein, duales Studium mit dem Arbeitgeber S-Event Sport und Marketing UG und jetzt Trainerin.

Ich werde erzählen, wie es bei mir gelaufen ist und bin ­gespannt, was die anderen Trainer berichten können.

Gibt es auch außerhalb des ­offiziellen Programms Kontakte oder gemeinsame Rennen?

Wir haben die Rennkalender ausgetauscht, stehen im Mail-Kontakt. In Siebenbürgen gibt es in den Sommerferien ein ­Rennen über drei Tage. Vielleicht fahren wir mit einigen Sportlern nach Rumänien. Und bei der Apres Tour Gera am 25. und 26. Juli werden wir die Vereine aus dem Erasmus+-Projekt einladen und nach den Rennen ein Trainingslager organisieren.

Die Apres Tour Gera läuft ­erstmal über zwei Tage?

Ja. Am Sonnabend gibt es das Bergzeitfahren vom Mohrenplatz über den Jagdhof nach ­Ernsee und am Sonntag ein Rundstreckenrennen im ­Buga-Park.

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