DJ Dominik Eulberg will in Gera „etwas zum Schwingen bringen“

Gera.  Dominik Eulberg ist Biologe, Naturschützer und einer der bekanntesten Produzenten elektronischer Musik in Deutschland. Im Interview spricht er über den Zusammenhang von Natur und Musik.

Zwischen Natur und Musik gibt es einen großen Zusammenhang. Dominik Eulberg setzt diesen in seiner Musik kunstvoll in Szene.

Zwischen Natur und Musik gibt es einen großen Zusammenhang. Dominik Eulberg setzt diesen in seiner Musik kunstvoll in Szene.

Foto: Natalia Luzenko

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Dominik Eulberg: Naturschützer, Biologe und einer der bekanntesten Techno-DJ’s in Deutschland. In seinen Werken übersetzt der Künstler aus dem Westerwald in der Natur gefundene Klänge und Gefühle in elektronische Musik. Ein Alleinstellungsmerkmal. Was dabei raus kommt, ist feingeistiger Biodiversitäts-Techno mit einer klaren Botschaft. Sein letztes Album „Mannigfaltig“ erschien im September und schaffte es in die Charts, was für dieses Genre eher ungewöhnlich ist. Am 31. Januar gastiert er im Club Seven in Gera. Wir haben vorab mit ihm gesprochen.

Das letzte Album liegt acht Jahre zurück. Hat die Produktion des neuen Albums so lange gedauert?

Nein, wie so vieles im Leben war auch das multikausal. Das hat zum einen damit zu tun, dass ich verschiedene Tätigkeitsfelder habe. Ich bin ja nicht nur Musiker, sondern auch Biologe, das ist ja das was ich studiert habe und mache viele Projekte. Ich wurde sehr frei und antiautoritär ohne Medien und Fernseher großgezogen, ich konnte mich sehr frei entwickeln. So habe ich meine Lieben und Leidenschaften im Leben gefunden und das ist manchmal schwer alles unter einen Hut zu kriegen. Ich bin ein klassischer Multitasker. Ich arbeite gerade an einem Film über den Wald mit, schreibe ein Buch über heimische Natur, werde EU-Botschafter für Biodiversität für die UN-Dekade Biologische Vielfalt, lege ein Naturschutzgebiet an, muss ein Live-Set vorbereiten, bin Techno-DJ… und das alles gleichzeitig.

Eulberg

Gibt es also keine Struktur im Leben vom Dominik Eulberg?

Ich habe immer nur einen groben Plan, ich lass mich gerne treiben vom Leben. Ich stelle mir eigentlich keinen Wecker. Ich folge dem natürlichen Fluss. Der Zeitdruck macht vieles kaputt. In der Natur brauchen gewisse Dinge einfach Zeit. Wenn man sich denkt, ich hab jetzt schon seit drei Jahren kein Album mehr gemacht, also zacki zacki ins Studio, dann ist das Prostitution. Es macht nur dann Sinn, Kunst zu machen, wenn man was zu sagen hat, wenn man eine Message hat. Ansonsten ist das keine Kunst sondern eine Dienstleistung. Kunst muss eine Botschaft haben.

Ist die Musik auf dem neuen Album dann Techno mit erhobenem Zeigefinger, Gesellschaftskritik oder sogar eine Handlungsanweisung?

Nein, sowas würde ich nie machen. Ich will aber schon die Leute zum Nachdenken anregen. Das schlimmste was passieren kann ist, wenn der Rezipient zum Künstler sagt, das war ja ganz Ok. Da hat man sein Ziel, seinen Sinn als Künstler verfehlt. Denn Künstler sollten etwas zum Schwingen bringen, beim Rezipienten. Ich biete Führungen durch den Wald an, vor Gigs, oder mal als Fledermausbotschafter, oder mache Vogelsuchspiele, oder schreibe was über Klimaschutz. Andererseits möchte ich die Leute ermutigen Ihr Leben zu Leben und keinem elterlichen Diktat oder einer gesellschaftlichen Konvention zu folgen.

Worin besteht der Zusammenhang zwischen elektronischer Musik und der Natur?

Für mich passt das aus verschiedensten Gründen zusammen. Zum einen aufgrund meiner Sozialisation. Als Kind hat mich nur die heimische Flora und Fauna interessiert. Als ich das erste Mal elektronische Musik gehört habe, war das sehr interessant, weil ich die Klänge nicht kannte, die gibt es nicht in der Natur. Da dachte ich mir, das muss ich mal erforschen. Dann habe ich immer mehr Parallelen festgestellt. Im Endeffekt ist ja alles Schwingung. Das besagt die Superstringtheorie. Durch Schwingung entsteht etwas, was wir als Materie wahrnehmen. Musik ist Schwingung in Reinform. Das beschreibt das ganze Universum. Das Ohr ist auch das erste Sinnesorgan, das im Embryo ausgebildet wird und das letzte das versagt, wenn wir sterben. Das ist unser wichtigster Sinn in der Natur.

An der elektronischen Musik finde ich so schön, dass sie keine Limitierung hat. Ich kann jedes Instrument verwenden und dann alles noch zerhäckseln und zerschneiden, wie ich will. Damit habe ich eine Farbpalette, die so mannigfaltig und bunt ist, da kann ich jedes Bild mit malen. Das ist auch mein Anspruch als Künstler, dass ich Gefühle, die ich in der Natur gesammelt habe, in Form von Musik festhalten möchte. Das kann ich mit der elektronischen Musik am besten.

Welche Rolle spielt dabei die Technik. Ist technische Innovation etwas, das der Mensch braucht, oder eher ein Dorn im Auge des Naturschützers?

Ich bin kein Technik-Gegner. Im Gegenteil. Technische Innovationen haben nie etwas Schlechtes an sich, nur ihr Missbrauch. Jede Innovation schafft Alternativen und die sind der Kern von Freiheit. Und Freiheit führt dazu, dass wir achtsamer mit den Dingen umgehen, weil wir die Möglichkeit dazu haben. Die technische Innovation ist das einzige was uns aus der globalen Apokalypse retten kann.

Kommen all diese Botschaften auch bei den Fans an, oder ist das ein Kampf auf verlorenem Posten?

Elektronische Musik ist schon die zukunftsorientierteste, innovativste Musik. Es gibt unter ihren Hörern viele intelligente und über den Tellerrand schauende Menschen. Aber es ist auch ein Sammelbecken für Menschen mit Problemen im Leben, weil sie zu einem hedonistischen Eskapismus einlädt, wo man unter Drogeneinfluss bei Techno-Geballer nicht mehr an morgen denken muss.

Aber wir leben ja in einem System, wo Dinge nur dann geändert werden, wenn sie mehrheitsfähig sind. Gerade die Menschen, die wegen dem Hedonismus zu Techno gehen, die anzusprechen, das ist Gold wert. Weil die Leute die hier „Die Zeit“ lesen oder bei Greenpeace sind, kennen oft schon die Inhalte die ich anreiße. Aber wenn ein Eskapismus-Raver mitmacht und sagt: „Geil Fledermausexkursion mit DJ Eule“, denkt er wohl möglich erst an „Fear and Loathing in Las Vegas“, aber dann beginnt er zu begreifen.

Ist es dann gut, dass Techno mittlerweile massentauglich ist?

Das hat alles Vor- und Nachteile. Grundsätzlich finde ich das gut, wenn ein Kulturgut einer großen Masse zugänglich gemacht wird. Das Problem ist, Techno war am Anfang etwas systemkritisches, wurde aber mittlerweile vom Kapitalismus selber aufgefressen. Mittlerweile sind große wirtschaftliche Strukturen da, die auch die Gelder brauchen um das System aufrecht zu erhalten. Dies führt dazu, dass Entscheidungen getroffen werden, die nicht mehr der Kunst, sondern dem monetären Erlös dienen. Und darunter leidet die Kunst. Kunst ist aber nur Kunst wenn sie für die Kunst gemacht wird.

Im Osten hatten die Menschen lange ein anderes System und das Echo hallt heute immer noch nach. Hat sich der Techno im Osten anders entwickelt, als im Westen?

Ja, das ist auf jeden Fall etwas, dass ich spüre. Da geht es noch vielmehr um die Sache. Im Westen galt immer: individueller Erfolg ist gleich gut, im Osten war es der kollektive Erfolg. Auch heute werden die Menschen, die im Osten Techno zelebrieren, der ursprünglichen Botschaft von Techno viel gerechter, als das im Westen der Fall ist. Hier hat Techno hat eine größere Funktion, eine tieferen Sinn. Anderswo wollen die Leute saufen gehen und ob die aufs Dominik Eulberg Konzert gehen oder zu Helene Fischer ist ihnen egal. Aber im Osten, da steckt noch viel Herzblut im Techno. Deswegen komme ich sehr gerne nach Thüringen oder Sachsen, wo die Grundwerte von Techno „Peace, Love und Unity“ heute noch spürbar sind.

Dominik Eulberg: Seven Club Gera, Freitag, 31. Januar, 23 Uhr, Karten unter www.eventim.de, Preis: 10,64 Euro.

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