Seelsorge in Zeiten der Corona-Pandemie: Ermutigen, bestärken oder trösten

Gera  Hanna Kiethe, Seelsorgerin im SRH Wald-Klinikum Gera, über Seelsorge in Pandemie-Zeiten

Pfarrerin Hanna Kiethe am Krankenbett.

Pfarrerin Hanna Kiethe am Krankenbett.

Foto: Hanna Kiethe

Besonders jetzt, in Corona-Zeit, ist der Gesprächsbedarf groß: Pfarrerin Hanna Kiethe und ihre katholische Kollegin Cornelia Fris, Klinikseelsorgerinnen am SRH Wald-Klinikum Gera, haben alle Hände voll zu tun. „Wir sind sehr froh, dass es nun für uns möglich ist, Patienten auf der Corona-Station zu besuchen“, berichtet Hanna Kiethe. Während Cornelia Fris die Erkrankten seelsorgerlich unterstützt, betreut Hanna Kiethe vorrangig das Personal von der Corona-Station.

In der Regel zweimal pro Woche passiert Cornelia Fris die Schleuse, besucht unter Vollschutz die hauptsächlich älteren Patienten, um mit ihnen zu reden und ihnen beizustehen. Mitunter werde sie aber auch von Ärzten und Pflegepersonal um Hilfe gebeten, wenn es für einen Patienten eine medizinisch gute Diagnose gibt, der betreffende aber seelisch geschwächt ist. Dann könne ein Gespräch zum Durchhalten ermutigen und den Heilungsprozess unterstützen, erzählt Hanna Kiethe. „Es ist wichtig, den Blick zu den Dingen hinzuwenden, wofür es sich lohnt weiterzuleben, weiterzukämpfen und zu hoffen.“

Nicht immer aber lässt sich Lebenshoffnung vermitteln. Oft gehe es auch um Abschiedsgespräche, „bei Menschen, die wissen, dass sie sterben werden oder denen bewusst ist, dass sie sich in einer akuten, lebensbedrohlichen Situation befinden. Sie möchten Lebensbilanz ziehen, vielleicht noch einmal etwas Schweres aussprechen“, weiß die Seelsorgerin. „Selbst wenn es jetzt gerade nicht möglich ist, jemanden in den Arm zu nehmen, versuchen wir, denjenigen seelisch zu umhüllen.“

Ermutigen, bestärken oder trösten — wofür die Seelsorgerinnen im gesamten Klinikum für Patienten jeglichen Alters da sind — findet gerade auf der Coronastation in komprimierter Weise statt. Durch die Erfahrung dort möchte die Seelsorgerin für eine Sache sensibilisieren: „Viele Menschen besitzen eine Patientenverfügung. Aber speziell jetzt wäre ein Zusatz hilfreich, wie man im Fall einer Corona-Infektion behandelt werden möchte.“

Für das Personal sind Hanna Kiethe und Cornelia Fris gleichfalls da. „Manchmal reicht es schon zu wissen, dass es jemanden mit einem offenen Ohr gibt“, versichert Kiethe. Die Themen reichen von Überforderung im aktuellen Berufsalltag, auch angesichts von vielen, manchmal plötzlich, sterbenden Menschen, bis hin zur individuellen Ohnmacht, nicht wirklich für jeden Patienten so da sein zu können, wie es sich dieser wünscht. „Schließlich macht Corona auch vor Mitarbeitern nicht halt.“ Hanna Kiethe berichtet mit großer Achtung, wie sich die Klinik bemüht, solche personellen Ausfälle gut abzufedern.

Seit etwa zwei Monaten nimmt Hanna Kiethe verstärkt wahr, dass Angehörige von Verstorbenen sie um Hilfe bitten. Trauerbegleitung am Telefon nimmt derzeit viel Platz in ihrer Arbeit ein. „Sie haben eine erschwerte Trauer in sich, weil sie nicht Abschied nehmen konnten, viele Wochen ihrem geliebten Menschen nicht nahe sein konnten, weil vieles ungelöst und ungesagt geblieben ist“, so Kiethe. Zugleich ist sie froh, dass dafür in Gera ein großes soziales Netzwerk existiert, von Telefonseelsorge bis Hospizbewegung. „Keiner sollte sich scheuen, um Hilfe zu bitten.“

Insgesamt findet Hanna Kiethe: „Diese Krankheit macht uns demütig. Sie wirbelt Pläne, Hoffnungen, Träume durcheinander und zeigt, dass wir nicht alles in unseren Händen halten. Das Corona-Virus schärft den Blick auf das Leben und macht uns bewusst, wie zerbrechlich dieses doch ist.“