Pflegefamilie in Gera muss Labrador-Hündin „Abby“ wieder abgeben

Gera  Nach acht Monaten in einer Pflegefamilie kommt die Hündin Abby in den Haushalt zurück, aus welchem sie die Behörden zuvor herausnehmen mussten.

Die Labrador-Mischlings-Dame „Abby“.

Die Labrador-Mischlings-Dame „Abby“.

Foto: Marcel Hilbert

Zutraulich, freundlich und aufgeweckt gibt sich Abby, scheinbar unberührt von dem Trubel, der um sie entbrannt ist. „Sie bekommt das schon mit, ist unruhiger als sonst“, meint ihr Frauchen, Silke Kirchhoff. „Abby“ ist der Name, den sie und Ehemann Mike Kirchhoff ihrem Schützling gegeben haben. Etwa zehn Jahre alt ist die Labrador-Mischlings-Dame, acht Monate davon reichten, um ihren Pflegeeltern, „der ganzen Familie und der Nachbarschaft ans Herz zu wachsen“, sagt Mike Kirchhoff.

Die Langenberger sind verzweifelt und ratlos, denn Abby soll sie in den nächste Tagen verlassen. „Wir hatten schon einen eigenen Hund“, erzählt Silke Kirchhoff: „Und wir wollten wieder einen.“ Im Tierheim Gera verliebte sie sich in die Hündin, die später Abby heißt. Anderthalb Monate führt sie die Hündin auf regelmäßigen Gassi-Runden aus, lernt sie und ihr Schicksal kennen. Sie wurde vom Amt aus ihrem bisherigen Haushalt genommen und „nach Tierschutzgesetz anderweitig pfleglich untergebracht“, wie es behördlich heißt.

„Das kommt immer wieder vor“, sagt die Geraer Tierheimleiterin Bärbel Zimmer, „über die Jahre aber spürbar immer häufiger.“ Über den konkreten Fall mit der Stadt und dem städtischen Tierheim zu sprechen, ist aus Datenschutzgründen schwierig. Fakt ist aber, dass die Kirchhoffs nach ihren Gassi-Runden mit Abby einen Pflegevertrag für die Hündin abschlossen. Sie setzten die Arbeit des Tierheims fort und päppelten die Hündin bei sich zuhause weiter auf. „Dreimal durften wir den Pflegevertrag verlängern“, sagt Mike Kirchhoff und seine Frau ergänzt, dass man die Hündin schon von Anfang an gern gekauft hätte.

Pflegevertrag wurde zum 26. August gekündigt

Stattdessen aber habe man am 26. Juli von der Stadt die Kündigung des Pflegevertrages erhalten. Für die Kirchhoffs brach eine Welt zusammen. „Abby soll wieder zurück in den Haushalt, aus dem sie herausgenommen wurde“, sagt Silke Kirchhoff traurig: „Am 26. August müssen wir sie wieder im Tierheim abgeben.“ Wenn nicht noch ein Wunder geschieht, auf das die Kirchhoffs mit öffentlichen Hilferufen auf Facebook, Petitionslisten und mehr noch hoffen. Sie haben viele eigene Recherchen angestellt, die ihr ungutes Bauchgefühl nähren. „Wir haben einfach Angst, dass es ihr nicht gut gehen wird.“

Sicher sei bei Abschluss des Pflegevertrages darüber gesprochen worden, dass dieser Fall eintreten kann, sagen die Kirchhoffs. Und auch Bärbel Zimmer vom Tierheim erklärt, dass Pflegefamilien über die Möglichkeit informiert werden, dass ihr Pflegetier zurück zu ihren Eigentümern kommen könnte. Allein, es sei der erste Fall überhaupt, in dem es tatsächlich so kommt, was ihr für die Pflegefamilie umso mehr Leid tut.

Auf der anderen Seite sei „ein Erwerb des Tieres erst möglich, wenn der Eigentümer zustimmt oder das Tier von den Behörden endgültig aus dem Haushalt genommen wird“, sagt die Tierheim-Chefin. Kontakt zwischen den Besitzern und den Pflegefamilien gebe es nicht, bestätigt sie. Den hätte Silke Kirchhoff gern aufgenommen, um ein Angebot für Abby zu machen. Vergeblich.

Wie erwähnt, tut sich die Geraer Stadtverwaltung aus datenschutzrechtlichen Gründen schwer, den konkreten Fall zu kommentieren. Nicht einmal eine Fallzahl wird genannt, wie oft 2018 Tiere aus Tierschutzgründen anderweitig untergebracht werden mussten, da nach Auffassung des Ordnungsamtes unmittelbare Rückschlüsse auf konkrete Personen möglich seien und damit berechtigte Interessen dieser Personen, sprich: Tierhalter berührt würden.

Auf die allgemeine Frage, wie sich Tierhalter rehabilitieren, denen Tiere aus Tierschutzgründen schon einmal weggenommen werden mussten, heißt es: „Jede getroffene Maßnahme muss verwaltungsrechtliche Grundsätze einhalten.“ Das bedeute, die Maßnahme müsse im Rahmen von Gesetzen erfolgen und verhältnismäßig sein, so die Stadt. „So darf eine anderweitig pflegliche Unterbringung von Tieren erfolgen, bis sichergestellt ist, dass das Tierschutzrecht durch den Halter des Tieres eingehalten wird. Das beinhaltet die Haltung eines Tiers entsprechend seiner Art und seinen Bedürfnissen, die angemessene Ernährung und Pflege und die verhaltensgerechte Unterbringung.“

Eine Maßnahme zur Unterbringung von Tieren sei immer eine Einzelfallentscheidung, so die Stadt auf Nachfrage. „Erlangt die zuständige Behörde Kenntnis über einen möglichen Verstoß im Tierschutzrecht bei einer Tierhaltung, werden die Haltungsbedingungen geprüft. Besteht Bedarf, das Tier zu schützen, werden geeignete Maßnahmen zur Durchsetzung des Tierschutzrechtes eingeleitet. Das Veterinäramt treffe die notwendigen Anordnungen zur Beseitigung festgestellter Verstöße und zur Verhütung künftiger Verstöße.

Die Maßnahmen würden im Einzelfall nach dem Gutachten des beamteten Tierarztes getroffen. Der Rechtsweg bleibe einem Tierhalter offen. Die anderweitige Unterbringung eines Tieres erfolge auf Kosten des Tierhalters, so die Stadt. Wo ein Tier „zur Sicherstellung des Lebens und Wohlbefindens als Mitgeschöpf“ untergebracht wird, hängt davon ab, wo das Tier entsprechend seiner Art und seinen Bedürfnissen angemessen ernährt, gepflegt und verhaltensgerecht untergebracht ist. „Sprich: Die Tiere kommen dahin, wo es den Tieren gut geht“, schreibt die Stadt.

Ein Satz, der in den Ohren von Mike und Silke Kirchhoff sicher wie Hohn klingen mag. Allein, es ändert nichts, ihre Abby hat Eigentümer, die sie, trotz allem was war, offenbar gern wieder haben möchten, und die haben die Behörden überzeugen können, sie auch zurück zu bekommen. Wenn, aus Sicht der Kirchhoffs, nicht noch ein Wunder passiert.

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