Freundin war zu jung für Sex: Bewährungsstrafe für Geraer verhängt

Gera.  Das Landgericht Gera verurteilt einen 22-Jährigen wegen schweren sexuellen Missbrauchs. Aufgrund der besonderen Konstellation des Falles kommt er aber milde davon.

Der Angeklagte mit seiner Verteidigerin Antje Böckl.

Der Angeklagte mit seiner Verteidigerin Antje Böckl.

Foto: Tino Zippel

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Das Landgericht Gera hat am Donnerstag einen 22-Jährigen wegen schweren sexuellen Missbrauchs einer 13-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt. Das Gericht setzte die Strafe zur Bewährung aus – das war den besonderen Umständen des Falles geschuldet.

Die Staatsanwaltschaft warf dem Mann vor, im vergangenen Jahr fünfmal den Geschlechtsverkehr mit einem Mädchen vollzogen zu haben, das 13 Jahre alt war. Dabei kam es zur Schwangerschaft des Kindes, worauf der Vater des Mädchens den Freund anzeigte.

Erziehungsberechtigte warnen vor Sex

Vor Gericht räumt der Angeklagte die Straftaten ein. Über seine Verteidigerin Antje Böckl erklärt er, dass er seit Februar 2019 eine Beziehung mit dem Mädchen geführt habe. Obwohl ihn die Erziehungsberechtigten warnten, sei es vier oder fünf Mal zum sexuellen Verkehr gekommen, bevor das Mädchen das 14. Lebensjahr vollendet hatte. Man habe Kondome benutzt und könne sich die Schwangerschaft nicht erklären, sagt der Angeklagte. Das Mädchen bestätigt die Angaben. Sie bedauert, dass sie das Baby abgetrieben habe, und sei noch mit dem Angeklagten zusammen.

Normalerweise liegt die Mindeststrafe für jede Tat des schweren sexuellen Missbrauchs zwischen zwei und 15 Jahren Freiheitsstrafe. Wegen der besonderen Konstellation ging Staatsanwältin Dagmar Weber von minderschweren Fällen aus. Sie beantragt eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren, die zur Bewährung ausgesetzt wird. „Normalerweise ist das bei schwerem sexuellen Missbrauchs nicht der Fall“, sagt die Staatsanwältin. „Es gab aber in diesem Fall nichts, was gegen den Willen der Geschädigten passiert ist.“ Verteidigerin Antje Böckl plädiert auf eine Strafe am unteren Ende des Strafrahmens und für eine Aussetzung zur Bewährung.

Bewährungsauflage mit Hilfe zur Selbsthilfe

„Hier ist die Besonderheit, dass es sich um ein Liebesverhältnis gehandelt hat und die Geschädigte nur wenig jünger als die Schutzaltersgrenze von 14 Jahren war“, begründet der Vorsitzende Richter Berndt Neidhardt, warum die zweite Strafkammer auf eine Verurteilung in vier minderschweren Fällen kam. Einen Fall stellte die Kammer ein. Die Bewährungsauflage von 200 Stunden gemeinnütziger Arbeit sieht der Vorsitzende als „Hilfe, das Leben auf die Reihe zu bekommen“. So hat der Angeklagte weder Schulabschluss noch eine Ausbildung. Eine Arbeit will er trotz der guten Arbeitsmarktlage im vergangenen Jahr nicht gefunden haben. Die Arbeitsstunden muss er nicht leisten, wenn er einen Job findet oder eine Ausbildung beginnt.

Das Urteil ist rechtskräftig.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren