Gemeinschaft Kunterbunt aus Rückersdorf siegt für Thüringen

Rückersdorf  Die Stiftung nebenan.de verleiht den Deutschen Nachbarschaftspreis und zeichnet die Rückersdorfer Initiative aus.

Die drei Frauen von der Rückersdorfer Gemeinschaft Kunterbunt, von links: Kerstin Masanek, Christina Martens, Anja Stößel.

Die drei Frauen von der Rückersdorfer Gemeinschaft Kunterbunt, von links: Kerstin Masanek, Christina Martens, Anja Stößel.

Foto: Gemeinschaft Kunterbunt

Die Stiftung nebenan.de gab vor Kurzem die Landessieger des Deutschen Nachbarschaftspreises bekannt. In Thüringen wird die Gemeinschaft Kunterbunt aus Rückersdorf ausgezeichnet.

„Die Initiative ist in dieser Region für den Zusammenhalt und das lebenswerte Leben in den Dörfern wichtig und prägend. Aus der Initiative entsteht der Zusammenhalt. Nur mit gemeinschaftlichen Aktivitäten kann dem demografischen Wandel begegnet werden”, begründet Brigitte Manke von der Thüringer Ehrenamtsstiftung, Mitglied der Landesjury Thüringen, die Wahl.

Seit zwei Jahren treffen sich Einwohner der drei Dörfer Rückersdorf, Haselbach und Reust zu regelmäßigen Freizeitaktivitäten und holen insbesondere ältere Menschen damit aus der Einsamkeit.

Mit einem Markt am Reuster Turm fing alles an

Initiiert haben dies drei junge Frauen aus Reust: Christina Martens, Kerstin Masanek und Anja Stößel. „Selbst bin ich vor zehn Jahren aus Gera nach Reust gezogen. Obwohl das Leben im Dorf beschaulicher als in der Stadt ist, sind trotzdem viele Menschen einsam. Da entstand die Idee, etwas gemeinsam zu machen und die Leute wieder zusammenzubringen“, erzählt Christina Martens. Mit ihren Mitstreitern veranstaltete sie deshalb am Reuster Turm einen Herbstmarkt und gewann dafür viele lokale, kreative Akteure. „Da kamen dann tatsächlich auch Besucher und es war wunderschön“, erinnert sie sich an diesen Sonntagnachmittag, nach dem sie von Leuten gefragt wurden, wann denn das nächste Ereignis startet. Daraufhin wurden bei einem Infoabend im Bürgerhaus in Rückersdorf gemeinsam weitere Pläne geschmiedet. „Es gab viele wilde Wünsche: Tanzen, Brot backen, im Chor singen und vieles mehr. Wir haben geschaut, was davon machbar ist und ab diesem Tag wurde es dann konkret“, so die 39-Jährige, die beruflich im Geraer Europabüro des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes arbeitet.

Mittlerweile trifft sich eine Gruppe von Männern und Frauen einmal wöchentlich zum Line Dance. Eine Töpfergruppe wurde ins Leben gerufen. Der Rückersdorfer Kindergarten hat sich mit einer Kräuterhexengruppe eingebracht. Strickfrauen treffen sich zum Handarbeiten und Plaudern. Darüber hinaus gibt es viele Dinge, die gegen Einsamkeit für mehr Gemeinschaft wiederbelebt wurden. An dieser partizipieren mittlerweile 70 Leute regelmäßig. Bei wiedererweckten Festen wie dem Sommerfest ist das ganze Dorf dabei.

„Manchmal braucht es gar nicht viel, oft sind es kleine Wünsche, die erfüllt werden können. Bestenfalls redet man im Dorf miteinander und irgendwer hat dann eine Idee“, weiß Christina Martens und schwärmt zugleich von Gemeinde und Bürgermeister Axel Jakob, die das Projekt kräftig unterstützen.

Dass die Gemeinschaft Kunterbunt einmal als solch große Initiative angesehen und von sich Reden macht, hat sie nie gedacht. Mehr aus einer Laune heraus hatte sie denn auch die Bewerbungsunterlagen für den Deutschen Nachbarschaftspreis ausgefüllt. Insofern war Christina Martens über die Ehrung überrascht und sprachlos. Mit ihren Mitstreitern hat sie die Nachricht zugleich mit großer Freude aufgenommen. Vor allem aber macht sie stolz, „dass die Leute die Idee gedanklich mittragen.“ „Dies ist eine Form der Wertschätzung, die es heutzutage viel zu wenig gibt, aber eigentlich sehr viel mit einem macht. Denn der Kern der Dorfbewohner rückt näher zusammen durch solche Aktivitäten.“

Erste Reaktion der Rückersdorfer: einen Bus besorgen und zur Preisverleihung fahren. Diese wird am 24. Oktober in Berlin stattfinden. Das Preisgeld von 2000 Euro soll natürlich für weitere Aktionen, Workshops und dergleichen genutzt werden. Beispielsweise für eine Büchertausch-Möglichkeit in Form einer aufgearbeiteten Telefonzelle, die das Trio beschaffen und aufstellen möchte – für noch mehr Gemeinschaft im Ort.

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