Drei Fragen an...

Gera: Menschenhandel und Prostitution sichtbar machen

Gera.  Jürgen Schwerdtfeger gehört zu einer Geraer Initiative gegen Menschenhandel.

Jürgen Schwerdtfeger (61) aus Gera, Leiter einer Drogeneinrichtung für Jungs in Rückersdorf, will am 19. September mit einer privaten Initiative an einem Stand gegen Zwangsprostitution osteuropäischer Frauen informieren.

Jürgen Schwerdtfeger (61) aus Gera, Leiter einer Drogeneinrichtung für Jungs in Rückersdorf, will am 19. September mit einer privaten Initiative an einem Stand gegen Zwangsprostitution osteuropäischer Frauen informieren.

Foto: Sylvia Eigenrauch

Menschenhandel und Prostitution will eine private Initiative in Gera öffentlich thematisieren. Am Sonnabend, 19. September, informiert sie von 10 bis 15 Uhr an der Ecke Sorge/Schloßstraße. Im Gespräch mit Jürgen Schwerdtfeger, Leiter einer Drogeneinrichtung für Jungen im Landkreis Greiz.

Wie wurden Sie mit dem Thema der Zwangsprostitution konfrontiert?

Über den Verein „Gemeinsam gegen den Menschenhandel“ und über meine Arbeit. Die Jungs von heute bringen ganz andere Themen mit als vor 20 Jahren. Da geht es auch um Beschaffungsprostitution. Das Internet ist schmuddeliger geworden. Ich kenne Uwe Heimowski, der früher im Büro des Vereinsgründers, des CDU-Bundestagsabgeordneten Frank Heinrich, arbeitete und inzwischen kenne ich auch diesen. Wir haben uns am Material des Vereins betroffen gelesen.

Wie denken Sie, können Sie helfen?

Wir wissen, dass wir die Prostitution nicht abschaffen, doch wir wollen das Thema sichtbar machen. Vor dem Bundestag gibt es am Freitag eine Aktion unter dem Hashtag Schattendasein. Dort sollen rote Schuhe aufgestellt werden. Wir bauen einen schwarzen Pavillon auf. Uns geht es um Prävention. Anderswo verkaufen Eltern aus Armut ihre Kinder an Freier. Nach Deutschland kamen mit der Osterweiterung junge Frauen, die die Sprache nicht kennen, die ausgenutzt werden, auch sexuell.

Wen wollen Sie am Sonnabend ansprechen?

Passanten. Wir möchten den Leuten mitteilen, dass die Schutzhäuser, die es auch in Gera gibt, nur mit Personalkosten geplant sind, die Sachkosten aber über Spenden fließen müssen. Deshalb stellen wir eine Spendenbox fürs Frauenhaus auf. Wir wollen bewusst machen, dass es nicht nur ein Thema in Berlin ist, sondern auch in unserer Stadt. Wir fordern die Bundesregierung auf, Gesetze so zu ändern, dass Zwangsprostitution Einhalt geboten und ein Ausstieg für die betroffen Frauen möglich wird.