Wenn leere Häuser in Gera Feuer fangen

Gera.  Bisher 21 ungeklärte Brände in Gera: Stadt und Polizei antworten auf Fragen zur anhaltenden Serie von Bränden in leerstehenden Gebäuden

Die Brandruine am Kreisverkehr am Globus Gera-Trebnitz. Das Haus brannte Anfang Juni, die Polizei ging schnell von vorsätzlicher Brandstiftung aus.

Die Brandruine am Kreisverkehr am Globus Gera-Trebnitz. Das Haus brannte Anfang Juni, die Polizei ging schnell von vorsätzlicher Brandstiftung aus.

Foto: Peter Michaelis

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Erst vorige Woche brannte es wieder in einem leerstehenden Gebäude an der Himmelsleiter. Die Worte „Brandserie“ und „Feuerteufel“ sind dann schnell in aller Munde. Wir haben Polizei und Stadtverwaltung zu den vielen Bränden in leerstehenden Häusern in Gera befragt.

Wie viele ungeklärte Brände in leerstehenden Gebäuden werden derzeit durch die Polizei bearbeitet?

2018 und 2019 gab es laut Polizei 21 bisher ungeklärte Brände, Sachbeschädigung durch Brandlegung und Brandstiftungen, davon in einigen Objekten mehrfach. Hier werde aber nicht von einer „Brandserie“, sondern je nach Brandgeschehen von einer Straftatenhäufung gesprochen. Zusammenhänge seien möglich.

Geht die Polizei davon aus, dass die Brände (oder zumindest eine große Zahl derer) auf ein und denselben Täter zurückzuführen sind?

Es könne sicher ein Täter für verschiedene Brände in Frage kommen – erinnert wird an den im Juli festgenommenen Brandstifter von Großenstein oder einen am 2. Dezember festgenommenen 29-jährigen Tatverdächtigen, der im Verdacht steht, ein Auto und einen Altkleidercontainer in Debschwitz angezündet zu haben. Prinzipiell geht die Polizei aber von mehreren Personen als Brandverursacher aus, eine Person allein komme aus Sicht der Ermittler nicht für alle Brände als Täter in Frage. Zumal bei einigen Bränden fahrlässige Verursachung nicht ausgeschlossen wird.

Gibt es in irgendwelchen Fällen „heiße Spuren“? Wie oft melden sich potenzielle Zeugen?

Zu „heißen Spuren“ könne die Polizei aus ermittlungstaktischer Sicht nichts sagen. Zum jüngsten Brand am 4. Dezember an der Himmelsleiter gebe es aber keine. Was Zeugenhinweise nach öffentlichen Aufrufen angeht, so gebe es laut Polizei nahezu keine – und wenn, dann seien sie eher als spärlich zu betrachten. Vorbildliche Ausnahme sei laut der Ermittler der erwähnte Fall in Debschwitz im Dezember gewesen. Dass nach Zeugenhinweisen sogar eine Festnahme folgte, sei die Ausnahme. Als Zeugen werden aber je nach Brandort auch Nachbarn als mögliche Zeugen befragt.

Gibt es eine Übersicht über potenzielle Ziele mutmaßlicher Brandstifter?

Wie die Stadtverwaltung erklärt, sind Gebäude bekannt, die auffällig waren oder werden könnten und auch teilweise leerstehend sind. Diese würden in regelmäßigen Abständen durch die untere Bauaufsichtsbehörde in Augenschein genommen und kontrolliert. Die Behörde habe etwa 200 Objekte in der Überwachung.

Ist es zu leisten, alle Eigentümer leerstehender Immobilien zu warnen und zu Sicherungsvorkehrungen zu bewegen?

Nein, das sei nicht möglich, schreibt die Stadt und versucht, die Dimensionen aufzuzeigen. Von etwa 64.150 bestehenden Wohnungen seien zehn Prozent von Leerstand betroffen und davon 2.400 Wohnungen „brachgefallen“. Eigentümer kümmerten sich leider häufig nicht freiwillig um ihre Gebäude, sondern erst nach Aufforderung. Wie die Polizei erklärt, gestalte sich die Zusammenarbeit mit Eigentümern nach Bränden unterschiedlich. Mit einigen hier ansässigen Eigentümern sei diese gut, werde schnell reagiert. „Von zumeist überörtlichen Eigentümern erfolgt eher keine Reaktion“, so die Polizei, die wie die Stadt auf die Verkehrssicherungspflicht der Eigentümer für deren Immobilien verweist. „Graffitiwände, Mitteilung über spielende Kinder in verlassenen und verfallenden, schlecht gesicherten Objekten, die in der Vergangenheit auch in Brand gerieten, zeigen auf, dass Verantwortungen nicht nur bei den Sicherheitsbehörden bestehen“, so die Polizei weiter.

Wie können Stadt und Polizei sonst präventiv tätig werden?

Die Stadt nennt Brandschutzerziehung sowie aktive Öffentlichkeitsarbeit als Beispiele. Wie die Polizei erklärt, sei man stets auch präventiv unterwegs. Eine stetige Kontrolle etwaiger möglicher Zielobjekte für Brandverursacher sei wegen deren Vielzahl nicht möglich. Auch sei die Polizei dafür personell nicht aufgestellt. Gleichwohl wurden bei festgestellter Häufigkeit von örtlichen und zeitlichen Schwerpunkten Maßnahmen zur Täterergreifung unternommen, die aber nicht näher erklärt werden sollen und bisher in Gera auch noch nicht zum Erfolg geführt hätten.

Gibt es seitens der Stadt eine Strategie, zu verhindern, dass das Stadtbild zunehmend auch von Brandruinen geprägt wird?

Wie die Stadt betont, könne sie bei privatem Eigentum nur bei Gefährdung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit tätig werden. Nach allen Brandereignissen würden die Gebäude auf eine konkrete Gefahr hin überprüft und dann entschieden, ob weitere Maßnahmen wie Absperrung oder Abbruch erforderlich sind. Die entstehenden Kosten trägt die Stadt, versucht diese jedoch zurückzuholen, sofern Eigentümer bekannt sind. Man schöpfe alle rechtlichen Mittel aus und versuche zuerst, den Eigentümer zu verpflichten. Es gebe aber keine Möglichkeit, die Eigentümer über die Sicherung hinaus aufzufordern, ihre Brandruinen zu beseitigen oder instand zu setzen. Der Stadt selbst sei es finanziell nicht möglich, „Schrottimmobilien“ selbst zu beseitigen. Auch dies wäre nur möglich mit Zustimmung der Eigentümer.

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