Gera: Zelt, Säge und Waldluft statt Handy

Gera.  Schüler der Freien Waldorfschule erleben Natur pur beim Forstpraktikum im Pöllwitzer Wald

Eine Schülergruppe der Freie Waldorfschule Gera ist mit Gartenbaulehrer Kay Klesse (Mitte) in den Pöllwitzer Wald gefahren, um hier aktiven Naturschutz zu praktizieren und Natur zu erleben. Anton und Lilly haben kleine Bäume kleine Bäume in Absprache mit dem Revierförster an geeignetere Standorte umgepflanzt.

Eine Schülergruppe der Freie Waldorfschule Gera ist mit Gartenbaulehrer Kay Klesse (Mitte) in den Pöllwitzer Wald gefahren, um hier aktiven Naturschutz zu praktizieren und Natur zu erleben. Anton und Lilly haben kleine Bäume kleine Bäume in Absprache mit dem Revierförster an geeignetere Standorte umgepflanzt.

Foto: Peter Michaelis

Seit Montag haben 12 Schüler der 9. Klasse der Freien Waldorfschule Gera einen besonderen Lernort: den Pöllwitzer Wald. Zusammen mit Kay Klesse, Lehrer für Gartenbau, verbringen sie dabei fünf Tage – und Nächte – in der Natur. Übernachtet wird in Zelten, sich verpflegt in Eigenregie.

Den Wald erspüren

Den Wald erspüren und die Forstarbeit in all ihren Facetten kennenlernen – das sind die wichtigsten Ziele dieser Exkursion, für die die Handys der Mädchen und Jungen zu Hause geblieben sind.

Die Jugendlichen beobachten die Arbeit mit dem Harvester und schauen Revierförster Robert Zimmermann-Safar zu, wie er mit der Kettensäge Bäume fällt. „Wir packen natürlich auch selbst zu, fällen Bäume mit Axt und Säge und schälen sie, also ganz klassisch, wie vor hundert Jahren Holz verarbeitet wurde“, berichtet Kay Klesse.

An Standorten, wo junge Bäume – Tannen, Eichen, Buchen – zu kräftig nachgewachsen sind, pflanzen sie diese aus und setzen sie an geeigneteren Stellen wieder in den Waldboden. Das Ganze haben sie umzäunt und exakt protokolliert. „Damit können die nächsten Klassen gut verfolgen, wie alles gedeiht“, erklärt Kay Klesse. Das Forstpraktikum – in vielen Freien Waldorfschulen bereichert es schon das Schulprogramm – wollen nun auch die Geraer auf jeden Fall fortsetzen.

Längerfristig kooperieren

Natur pur erleben – das heißt auch fünf Tage lang ohne Strom, ohne fließendes Wasser und mit Trockenklo leben und sich arrangieren. „Klar gab es dazu anfangs etliche Bedenken. Mittlerweile finden es die meisten aber gar nicht so schlimm und genießen es auch ein Stück weit“, schildert der Lehrer.

Robert Zimmermann-Safar betreut als Revierförster auch den Pöllwitzer Wald, der der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) gehört. „Es laufen mehrere Projekte mit Schulklassen oder Kindergartenkindern in dieser Naturerbefläche. Mit der Freien Waldorfschule Gera wollen wir nun längerfristig kooperieren, auch, weil wir gemerkt haben, dass es ihnen sehr gefällt.“

Robert Zimmermann-Safar begleitet die 14- und 15-Jährigen zu den einzelnen Exkursionsstationen und weiß genau, wie sich junge Leute für Naturerlebnisse begeistern lassen. Stolz berichtet er, dass die Schüler einige Zerstörungen beim Aussichtsturm des Moorerlebnispfades geschickt repariert haben.

Totale Abgeschiedenheit

Frische Waldluft und totale Abgeschiedenheit, wenig Komfort und Waschen am Bach – damit müssten sich die Jugendlichen erst einmal identifizieren. „Aber das alles sind Erlebnisse, von denen die Kinder auch in Bezug auf Nachhaltigkeit etwas mit nach Hause nehmen werden. Zudem sehen sie, wie schwer die Arbeit im Wald einst war, wie leicht sie heutzutage ist, aber auch wie gefährlich. Die Funktionen des Waldes und sein Nutzen lassen sich auf diese Weise viel anschaulicher vermitteln“, beschreibt der Revierförster. Er selbst hat Spaß an der Aktion, die ihm sehr am Herzen liegt.

„Normalerweise verstecken wir Förster uns quasi im Wald. Wenn wir an junge Menschen direkt an Ort und Stelle unser Wissen weitergeben können, ist das umso schöner. Denn wie düster sieht die Zukunft aus, wenn keiner mehr weiß, wo das Holz und das Papier herkommen, wie wichtig Bäume als Sauerstoffproduzenten, Trinkwasserspeicher und für den Naturhaushalt sind, ganz abgesehen vom Erholungseffekt.“ Herausfordernd sei vor allem die Vorplanung für das Projekt gewesen, schätzt Kay Klesse ein. Das Erlebnis mit Natur pur sei eine wunderbare Erfahrung. Die Kinder bei Laune halten, dass müsse er nicht. „Dafür sorgen die vielfältigen Erlebnisse und Eindrücke in der Natur und das Miteinander samt guter Vorplanung ganz allein“, versichert er.