Geraer Gedenktafel für Theresienstadt

Gera  Dank Dieter Nendel erinnert auch Gera ab Mittwoch in der KZ-Gedenkstätte Terezin an hierher deportierte Bürger

Zeitzeuge Dieter Nendel (links) fand in Günter Domkowsky einen Mitstreiter für seine Initiative, in der Gedenkstätte Theresienstadt auch namens der Stadt Gera der Opfer zu gedenken.

Zeitzeuge Dieter Nendel (links) fand in Günter Domkowsky einen Mitstreiter für seine Initiative, in der Gedenkstätte Theresienstadt auch namens der Stadt Gera der Opfer zu gedenken.

Foto: Marcel Hilbert

Es waren bleibende ­Eindrücke, Bilder und Geschichten, die Dieter Nendel seit seinem Besuch 2017 in der ­Gedenkstätte im tschechischen Theresienstadt (Terezin) bis heute beschäftigen. Als Zeitzeuge erlebte er die Pogromnacht im Kindesalter mit, sah später, wie jüdische Menschen als ­Entrechtete in seiner Heimatstadt Chemnitz lebten. Vom Ausmaß der Verbrechen, die von den Nazis an jüdischen Mitbürgern begangen wurden, machte sich der Wahl-Geraer im Oktober 2017 gemeinsam mit der ehemaligen Geraer Super­intendentin Gabriele Schaller in Terezin ein Bild – und ist noch heute erschüttert von der „Vorhölle von Auschwitz“, wie er sagt.

Den Namen Geras in der Urnenhalle vermisst

Fast 35.000 Menschen seien in dem Sammel- und Deportationslager zwischen 1941 und 1945 gestorben, über 88.000 von dort nach Auschwitz und in andere Vernichtungslager deportiert worden, erklärt Dieter Nendel. Ganz besonders sei dem um Gedenk- und Erinnerungskultur so bemühten Geraer die Schilderung erinnerlich geblieben, wie im Herbst 1944 die Urnenhalle von Theresienstadt, das sogenannte Kolumbarium, geräumt wurde. Die sterblichen Überresten von über 20.000 Menschen seien in der Folge einfach in den Fluss Eger geschüttet worden. „Hier erinnert ein großer Obelisk als Denkmal an die Opfer, im Kolumbarium selbst unzählige Gedenktafeln, unter anderem von deutschen Städten, die damit ihren früheren Einwohnern Ehre erweisen“, erzählt Nendel.

Wenn der 87-Jährige am morgigen Mittwoch erneut nach Terezin reist, dann, um nach einem weiteren bleibenden Eindruck seines damaligen Besuchs selbst etwas Bleibendes zu hinterlassen. „Ich stellte fest, dass unter den Gedenktafeln keine aus Chemnitz und keine aus Gera war“, sagte er.

Für beides ergriff er noch 2017 die Initiative und nachdem Chemnitz bereits reagiert hatte, wird am Mittwoch nun eine ­Gedenktafel der Stadt Gera in Theresienstadt enthüllt. „Auch Geraer wurden nach Terezin ­deportiert, auch Geraer kamen dort ums Leben“, sagt Günter Domkowsy. In dem, auf diesem Gebiet sehr interessierten und bewanderten früheren Linken-Stadtrat fand Dieter Nendel einen engagierten Mitstreiter für sein Vorhaben.

Gemeinsam warb man die Mittel ein, um die Gedenktafel zu realisieren und nach kleineren Rückschlägen mit der Beschriftung ist sie vor wenigen Tagen fertig geworden.

Initiatoren bei feierlicher Enthüllung dabei

In vier Sprachen – Deutsch und Englisch, Tschechisch und Hebräisch – drückt sie namens der Bürger Geras das Gedenken an die nach Theresienstadt deportierten und in den Vernichtungslagern ermordeten Menschen aus. „1942 gab es eine Welle an Deportationen, auch aus Gera, Anfang 1945 eine weitere, unter anderem wurden Jüdinnen nach Theresienstadt gebracht, die mit Ariern verheiratet waren“, erzählt Domkowsky.

Ein Beispiel für ein Geraer Familienschicksal ist das der Familie Bachmann. Die verwitwete Mathilde, geborene Eichenberg, ihr Sohn Siegmund und seine Frau Rosalie wurden am 19. September 1942 nach Theresienstadt deportiert. Mathilde Bachmann starb dort noch im selben Jahr, ihr Sohn im April 1944, Rosalie Bachmanns Spur verlor sich in Auschwitz.

Auch die Geraerinnen Cäcilie Rosenbaum und Margarete ­Sabersky wurden an jenem 19. September 1942 nach Terezin deportiert, auch sie kamen in dem Lager ums Leben.

Dass ihrer und vieler weiterer einstiger Bewohner Geras, die Opfer dieses Kapitels der ­NS-Verbrechen wurden, nun auch seitens der Stadt in Theresienstadt gedacht wird, ist Dieter Nendel und Günter Domkowsky zu verdanken. Sie sind ­natürlich dabei, wenn am ­Mittwoch eine von Bürgermeister Kurt Dannenberg (CDU) ­angeführte Geraer Delegation der Gedenkzeremonie in der Gedenkstätte Theresienstadt zur Enthüllung der Tafel ­beiwohnt.

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