Geraer Schauspielerin Waltraud Steinke-Löscher wird 80 Jahre

Gera.  Geraer Schauspielerin Waltraud Steinke-Löscher feiert am Sonnabend ihren 80. Geburtstag.

Schauspielerin Waltraud Steinke-Löscher mit einem Szenenfoto als Ev aus „Der zerbrochene Krug".

Schauspielerin Waltraud Steinke-Löscher mit einem Szenenfoto als Ev aus „Der zerbrochene Krug".

Foto: Peter Michaelis

Mehrmals in der Woche trainiert sie ihre Stimme. „Ich mache Sprech- und Gesangsübungen.“ Da ist Waltraud Steinke-Löscher ein bisschen eitel. „Ich möchte keine brüchige Stimme haben“, sagt sie. Heute fällt das Training aus. Viel reden wird sie trotzdem, um sich für die Glückwünsche von Freunden, Bekannten und Kollegen zu bedanken. Riesig freut sie sich auf den Besuch ihrer Tochter mit Familie.

Die Feier zum 80. Geburtstag war anders geplant. Kaffeetrinken in ihrem Lieblingscafé in Gera-Untermhaus und abends zum Griechen essen gehen. Die Freundschaft zu Antonio begann mit einem Ouzo vor vielen Jahren. 2007 ging die Schauspielerin nach 50 Jahren am Theater, 40 davon in Gera, in den Ruhestand. Die ersten Schritte ihrer Karriere begann für Waltraud Steinke-Löscher, die in Rostock geboren und aufgewachsen ist, schon im Kindesalter. Am dortigen Theater nahm die damals Achtjährige Ballettunterricht. „Ich wollte immer auf der Bühne stehen. Bei jeder Gelegenheit habe ich vorgetanzt.“

Als Jugendliche freundete sie sich mit einer jungen Schauspielerin an. Gemeinsam studierten sie Rollen ein. „Ich schmiss die 11. Klasse. 1957 begann ich meine Ausbildung in einem privaten Schauspielstudio in Dresden. Das Geld fürs Studium verdiente ich mir tagsüber als Zimmermädchen in einem Hotel.“ Unterkunft boten die Eltern ihrer Freundin an. „Die Abschlussprüfung machte ich 1959 an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin. Meine erste Rolle war am Theater Bautzen die rothaarige Salome in ‘Titus Feuerfuchs’, ein Stück von Johann Nestroy.“ Die junge Frau lernte nicht nur schnell ihre Texte, „manche mussten richtig büffeln“, auch eiserne Disziplin und sich durchzusetzen. Es folgten Engagements in Frankfurt/Oder, Rostock und Magdeburg.

Kultur gehört zum Leben

1967 kam die Mime nach Gera ans Theater. Begonnen hat sie dort als dumme Liese in „Des Teufels goldene Haare“ und als rockende Großmutter in „Rotkäppchen“ ihre Laufbahn im Märchen beendet.

„Ich konnte wunderbare Figuren der großen Schauspielliteratur verkörpern“, erzählt Waltraud Steinke-Löscher. Dazu zählen Schillers Lady Milford in „Kabale und Liebe“, Warwara in Gorkis „Jegor Bulytschow“, die Lehrerin in Wassiljews „Und morgen war Krieg“, Luise in Dorsts „Herr Paul“ oder Genevra in Heins „Ritter der Tafelrunde“. Auch Aufgaben in Operette und Musical habe sie übernommen, zum Beispiel in „Die keusche Susanne“. „Ich singe und tanze gern.“

Als schönsten aber auch schwierigsten Part sieht sie rückblickend Brechts „Kaukasischen Kreidekreis“. „Ich war die Gouverneurin, eine sehr böse Frau. Ich mochte die Rolle, weil ich ein Mensch bin, der versucht, nichts Böses zu tun.“

Mit Erreichen des Rentenaltern setze sich Waltraud Steinke-Löscher nicht aufs Altenteil. Ein Comeback feierte sie von 2008 bis 2011 in den Schauspielproduktionen der Kulturarena in Jena. Ihr 50-jähriges Bühnenjubiläum konnte sie in „Wilhelm Tell“ begehen. Dem Theater hält die 80-Jährige die Treue und besucht regelmäßig Vorstellungen und Konzerte. Sie bedauere aber, dass Corona den Menschen die Kultur genommen hat. „Ich leide darunter. Sie gehört doch zum Leben. Auch einige Vorstellungen des Adventskalenders in der Puppenbühne, den ich jährlich mit Günter Schimm, ehemaliger Schauspielkapellmeister, gestaltet habe, fällt den Maßnahmen zum Opfer.“ Das schmerzt sie.

Anzutreffen ist Waltraud Steinke-Löscher viel in der Natur. „Erst kürzlich hat mich ein Ehepaar auf meine ehemaligen Rollen angesprochen. Das freut mich.“ Genuss findet die Mime beim Lesen und bei klassischer Musik. Fernsehen schaut sie weniger. „Das Programm ist eine einzige Katastrophe.“