Geraer VC schafft Klassenerhalt unter Vorbehalt

Gera  Volleyball, Thüringenliga: Die GVC-Herren machen es gegen Schmalkalden und Weimar spannend.

Die Geraer Volleyballer müssen sich mächtig strecken, um gegen Schmalkalden im Tiebreak zu gewinnen. GVC-Kapitän Philipp Geib (r.) greift mit Köpfchen an.

Foto: Jens Lohse

Sylvia Roll läuft am Spielfeldrand auf und ab. Zwei Schritte vor, zwei Schritte zurück, dann einen schnelle Wende. Manchmal mit ihrem Team jubelnd, manchmal die Hände unglaubwürdig vors Gesicht haltend. In den letzten beiden Saisonspielen des Geraer VC gegen den Schmalkalder VV (3:2) und den SVV Weimar (2:3) macht die 44-jährige Ex-Nationalspielerin alle Höhen und Tiefen durch, die es im Trainerleben gibt. Die Vorgaben sind klar. Der Gastgeber muss nach einem durchwachsenen Spieljahr in der höchsten Spielklasse des Freistaats entweder gegen Schmalkalden zumindest mit 3:1 gewinnen oder im Fall eines Tiebreak-Erfolg anschließend gegen Weimar noch einen Zähler holen.

Gegen Schmalkalden zum Auftakt beginnen die Geraer wie die Feuerwehr. Mittelblocker Hannes Kärner ist kaum zu stoppen, punktet nach tollen Zuspielen von Kenny Hartrodt serienweise durch die Mitte und blockt einen Gäste-Angreifer nach dem anderen. Keine 20 Minuten braucht der Roll-Sechser bis zum 25:17. Weiter geht´s. Im zweiten Satz lässt sich der GVC von einem 5:9-Rückstand nicht beeindrucken, beweist Moral und Kampfgeist. Die Durchschlagskraft im Angriff wächst von Punkt zu Punkt. Nach dem 25:19 wähnen sich die Geraer fast am Ziel ihrer Wünsche.

Aber der Spielfaden reißt. „Kopfmäßig haben wir das Niveau nicht halten können. Die anderen waren nicht besser. Aber uns hat die Konstanz gefehlt. Das hat sich durch die ganze Saison gezogen“, verrät Kapitän Philipp Geib hinterher. Bei den Geraer läuft nichts mehr zusammen. Nach dem Schmalkalder Satzanschluss (14:25) glauben die knapp 50 Zuschauer an einen Ausrutscher. Doch weit gefehlt. Die anfängliche 3:0-Führung im vierten Durchgang erweist sich als Strohfeuer. Die Gäste wittern ihre Chance, schließen ihre Angriffe aus großer Höhe ab, so dass sie phasenweise über den GVC-Block schlagen. Nach der 10:25-Pleite stehen die Geraer am Abgrund.

Unterliegt man im Tiebreak, ist der sofortige Wiederabstieg nicht zu verhindern. Aber die Geraer rappeln sich auf, lassen sich von einem 1:3-Rückstand ihre Zuversicht nicht nehmen und siegen am Ende mit 15:12.

„Wir haben die Konzentration schleifen lassen, hatten nach den ersten beiden Sätzen einen gewaltigen Hänger. Ich musste durchwechseln, weil einige Spieler Pausen brauchten. Aber am Ende hat es noch gereicht. Jetzt müssen wir aber nachlegen“, äußert sich Sylvia Roll immer noch aufgeregt nach dem ersten Spiel des Tages.

Anschließend gegen den SVV Weimar geht der Volleyball-Krimi weiter. In einem Spiel auf Augenhöhe muss sich der GVC-Sechser in den ersten beiden Sätzen mit 24:26 und 22:25 geschlagen geben und steht damit zum zweiten Mal an diesem Tag am Abgrund. Doch wieder kommen die Geraer zurück. Mit einem 25:23 gelingt der Satzanschluss, durch ein 25:22 nach 15:18-Rückstand gar der 2:2-Ausgleich.

Zwei gewonnene Sätze bedeuten einen Zähler, mit dem man in der Tabelle an den Schmalkaldern vorbeizieht, da bei Punktgleichheit nicht das Satzverhältnis sondern die Anzahl der gewonnenen Spiele entscheidet. Kein Wunder also, dass im Tiebreak die Luft etwas raus ist und der Gastgeber mit 9:15 den Kürzeren zieht. Die 2:3-Niederlage tut also nicht mehr. „Warum einfach, wenn es auch spannend geht“, hat Mittelblocker Hannes Kärner nach Spielende gut lachen. Und auch Trainerin Sylvia Roll freut sich: „Im Vergleich zu Saisonbeginn hat sich die Mannschaft enorm gesteigert. Es macht großen Spaß, mit dem Team zu arbeiten, weil man unheimlich viele Fortschritte sieht.“ Fragezeichen stehen hinter dem Klassenerhalt aber dennoch, für den Fall, dass Nordhausen aus der Regionalliga absteigt und keines der drei erstplatzierten Thüringenliga-Teams aufsteigen will.

Doch das klärt sich erst in den nächsten Wochen.

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