Hain als eigenständiger Geraer Ortsteil stand auf dem Spiel

Gera  Parallel zur Landtagswahl muss in dem Geraer Ortsteil erneut über einen Ortsteilbürgermeister abgestimmt werden.

Bei der Wahl im Mai stehen Peter Ochs (rechts) und Thomas Weil an der Wahlurne in Hain. Nun stehen beide als Kandidaten zur Neuwahl des Ortsteilbürgermeisters auf dem Stimmzettel.

Bei der Wahl im Mai stehen Peter Ochs (rechts) und Thomas Weil an der Wahlurne in Hain. Nun stehen beide als Kandidaten zur Neuwahl des Ortsteilbürgermeisters auf dem Stimmzettel.

Foto: Sylvia Eigenrauch

Es gehe um nicht weniger als den Fortbestand als eigenständiger Geraer Ortsteil. Das sagt zumindest Thomas Weil. „Es stand tatsächlich die Option im Raum, das Ortsteilrecht zu verwirken, darauf sind wir von der Stadtverwaltung eindringlich hingewiesen worden“, sagt der amtierende Ortsteilbürgermeister von Hain/Wachholderbaum, der auch von der theoretischen Konsequenz einer Zuordnung zu den Ortsteilen Röpsen oder Aga spricht.

Was war passiert? Wie in allen Ortsteilen der Stadt wurden im Mai zur Kommunalwahl auch die Ortsteilbürgermeister und Ortsteilräte gewählt. Damals stach das gut 210 Einwohner zählende Stadt-Dorf im Geraer Norden bereits heraus, da sich nur hier im Vorfeld kein einziger Kandidat für den Ortsteilbürgermeisterposten fand. Trotz leerem Stimmzettel fand sich mit Lothar Korn letztlich jemand, der kurz vor Ultimo die Bereitschaft für das Ehrenamt signalisierte, mit 113 von 121 abgegebenen Stimmen – bei 189 Wahlberechtigten – ein gutes Ergebnis einfuhr und die Wahl zunächst auch annahm.

Allerdings legte der damals 65-Jährige bereits im Juni das Mandat nieder, äußern zum Sachverhalt und den Gründen will er sich auf Nachfrage unserer Zeitung nicht.

Auch die vier neu gewählten Ortsteilratsmitglieder, zu denen Thomas Weil gehört, wurden von dieser Entwicklung überrascht, wie er sagt. Umso wichtiger war es nun, neben Kandidaten für eine Neuwahl zunächst aus der Mitte des Ortsteilrats einen Stellvertreter zu wählen, der das Ehrenamt bis zu dieser Neuwahl ausübt.

Thomas Weil übernahm die Verantwortung, die in der abgelaufenen Wahlperiode noch ganz regulär bei seiner Frau Dorothe lag, die aber nicht für eine zweite Amtszeit kandidierte. Wegen gesetzlicher Fristen hätte es eigentlich schon im September zur Neuwahl im Ortsteil Hain kommen müssen, die Stadt setzte sich gegenüber dem Land für den organisatorisch günstigeren Termin parallel zur Landtagswahl am 27. Oktober ein.

Statt einer leeren Zeile finden die erneut 189 Wahlberechtigten aber dieses Mal gleich zwei Namen auf dem Stimmzettel: Neben dem des amtierenden Ortsteilbürgermeisters Thomas Weil – Hochschullehrer, Baujahr 1962 und bis zur Wahl im Mai über viele Jahre für SPD, Grüne und zuletzt Liberale Allianz im Geraer Stadtrat – hat der kommunalpolitisch noch nicht in Erscheinung getretene Peter Ochs, Installateur/Klempner, geboren 1979, seinen Hut in den Ring geworfen. Beide starten als Einzelbewerber und sind Ende September vom Wahlausschuss zugelassen worden.

Gewählt werden kann am Wahlsonntag im Ortsteilbüro Hain Nummer 30 oder per Briefwahl, auch im seit Montag geöffneten Briefwahllokal im Geraer Rathaus. Anders als zur Landtagswahl können auch 16- und 17-Jährige den Ortsteilbürgermeister mitwählen, wie Wahlleiter Norbert Gleinig erklärte.

Irritiert ist Thomas Weil indes darüber, wieso nicht offensiver von Seiten der Stadt über die Notwendigkeit einer Neuwahl informiert wurde. Auch der im Mai eigentlich gewählte Ortsteilbürgermeister sei eine öffentlich wahrnehmbare Erklärung der Situation schuldig geblieben, so dass es im Ortsteil einige Verwirrung gegeben habe, als Weil zuletzt um Unterstützungsunterschriften für seine Kandidatur warb, wie er erklärt.

Hain und Wachholderbaum bilden einen von 17 Geraer Ortsteilen, der Einwohnerzahl nach gehört er neben Naulitz und Weißig zu den kleinsten. Seit der Eingemeindung 1994 hat Hain eine Ortsteilverfassung, die in der Hauptsatzung der Stadt verankert ist.

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