Junge Truppe mit Achtung und Weitsicht aufgebaut

Gera  Michael Möbius, Innungsobermeister des Geraer Bäckerhandwerks hat keine Nachwuchssorgen

Die junge Truppe um den Chef: Bäckermeister Michael Möbius (von links), Fabian Tauber, Verkäuferin Nicole Scheffler, Daniel Weise, Rico Dietrich und Konditorin Johanna Schwartze 

Die junge Truppe um den Chef: Bäckermeister Michael Möbius (von links), Fabian Tauber, Verkäuferin Nicole Scheffler, Daniel Weise, Rico Dietrich und Konditorin Johanna Schwartze 

Foto: Elke Lier

Die junge Bäcker-Truppe, die sich nach der Nachtschicht lachend fotografieren lässt, ist das Verdienst von Michael ­Möbius.

1989 schulte er vom Elektriker zum Bäcker um und übernahm das väterliche Geschäft 1993 in der vierten Generation seit 1883. Ständig ist er auf Lehrlingssuche. „Seit 1992 bilden wir aus. Bestimmt 50 Lehrlinge, viele blieben oder kamen zurück.“ Michael Möbius beschäftigt in fünf Filialen 35 Mitarbeiter und aktuell fünf Azubis. Der Innungsobermeister der Bäckerinnung Gera mit 29 Betrieben zwischen Greiz und Kahla weiß um die Sorgen der Kollegen, die verzweifelt Nachwuchs suchen. „Praktika, Praktika, Praktika“, ist sein Erfolgsrezept sowie Tage der Berufe, der offenen Tür, Präsens bei Berufsmessen oder im Bildungszentrum Aga. „Zwar ist ein 15-jähriger Schülerpraktikant nicht die große Hilfe bei laufender Produktion, aber wir erkennen, wer für den Beruf geeignet ist und wo der menschliche Draht stimmt. Da stehen Noten an zweiter Stelle.“

Auf Achtung und Gerechtigkeit gegenüber ihm anvertrauten jungen Menschen legt Michael Möbius großen Wert: „Wir zahlen pünktlich nach bundeseinheitlichem Tarif, stellen Arbeitskleidung und Lehrbücher, achten auf Einhaltung der Arbeitszeit und sind neben Lehrmeister auch Vertrauensperson.“ Solch ein Klima spricht sich herum. „Gewinn ist nicht alles, das weiß man heute“, sagt der 59-Jährige, dessen Tochter Julia die fünfte Möbius-Generation vertritt. Ein Standortvorteil der Lehrlingsgewinnung sei die Berufsschule in Gera. Den Nachwuchs lehrt der Meister den Wert der Regionalität. So werden die 23 Brötchen- und die 16 Brotsorten, Torten und Kuchen aus Mehl von Wünschendorf und Neumühle, Quark aus Plauen, mit Geraer Othüna-Margarine und Stadtwerke-Strom aus Gera gebacken.

Es freut ihn, dass die Politik nach dem Studienwahn dem Handwerk wieder Anerkennung zollt. Sein Azubi Jannik beweise, „dass junge Leute bei uns eine gute Zukunft und Freude an der Arbeit haben.“

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