„Held der Herzen“: Geraer Künstler gibt Kurse fürs Leben und öffnet den Blick

Gera.  „Wasko“ nennen ihn alle, die ihn kennen. Viele teilen mit ihm die Leidenschaft fürs Kreativsein. Der Geraer Künstler Hans-Jörg Waskowski gibt Mal- und Zeichenkurse an der Volkshochschule Gera.

Kandidat Held der Herzen 2019: Hans-Jörg Waskowski

Kandidat Held der Herzen 2019: Hans-Jörg Waskowski

Foto: Peter Michaelis

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„Wasko“ nennen ihn alle, die ihn kennen. Viele teilen mit ihm die Leidenschaft fürs Kreativsein, haben den Künstler Hans-Jörg Waskowski durch ihr Hobby kennengelernt. Der Geraer gibt Mal- und Zeichenkurse an der Volkshochschule Gera. Wer Porträts, Stilleben oder anderes mit Pinsel, Kohle und Stift auf Leinwand oder Papier bannen möchte, ist bei ihm richtig. Seit Jahren betreut Hans-Jörg Waskowski mehrere Erwachsenen- und zwei Kinderkurse.

„Das hat sich so entwickelt“, kommentiert der gelernte Lokschlosser und -heizer bescheiden. Bereits Anfang der 80er Jahre leitete er einen Malerei- und Grafik-Zirkel. Nach der Wende löste sich dieser auf. Als Ende der 90er ehemalige Zirkelmitglieder den Geraer baten, wieder loszulegen, kam er dem Wunsch gern nach. Für Alt und Jung belebte er das Kreative neu. „Nachdem wir wie die Nomaden durch Gera gewandert waren, konnten wir 2003 unsere Zelte in der Volkshochschule aufschlagen“, erinnert sich der Dozent und ist noch heute dankbar dafür. Als ihn zudem 2004 der erkrankte Zeichner Eb Dietzsch bat, dessen Kurse mit zu übernehmen, sagte Hans-Jörg Waskowski nicht Nein.

Nie enden seine Aktivitäten mit der Anleitung zum Malen. Der Geraer will seinen Teilnehmern auch den Blick für die Natur, den Menschen, die Welt schärfen. Dafür organisiert er in eigener Regie Mal- und Zeichenwochenenden oder Besuche in Museen. So fahren 40 Teilnehmer im Januar nach Leipzig ins Museum für Angewandte Kunst. Mancher seiner Kreativen findet durch einen Kurs sogar eine berufliche Perspektive – als Kunsterzieher, -therapeut oder Illustrator. Er habe selbst gute Lehrer gehabt, begründet Waskowski sein Engagement. Wie Professorin Elke Hopfe von der Kunstakademie Dresden und ihren Mann Einhard Hopfe. „Die beiden waren sehr bodenständig. Künstlerisch anspruchsvoll und fordernd, konnten sie sich genauso gut auf die Ebene der Amateurkunst begeben“, erzählt er. „Eb Dietzsch vermochte dies auch. Das ist wichtig“, meint Waskowski. „Eigenschaften wie Gespür, Einfühlungsvermögen hat man und entwickelt sie weiter. Oder man hat sie nicht. Dazwischen gibt es nichts“, so der 75-Jährige.

Stets aufs Neue hinterfragt er seine Arbeit, ficht manchen Kampf mit sich aus – und fällt auch mal auf die Nase. So gab er die Idee, mit Kindern zielgerichtet an großen Projekten zu arbeiten, auf. „Sie kommen nach einem langen Unterrichtstag in meinen Kurs. Manchmal sitzen sie hier und ich sehe, wie die Tränen rollen. Dann gibt’s die Plätzchendose und wird ein Kakao spendiert“, erzählt Hans-Jörg Waskowski, der von einem Schützling den Titel „Vize-Opa“ erhielt. Danach werde geredet: über die missglückte Mathearbeit oder die vergessene Hausaufgabe. Oft lässt der Kursleiter seinen jungen Schützlingen kreativ freien Lauf. Sie dürfen ihrem Kummer, ihrer Wut und Angst Gestalt geben. Wenn es sein muss, auch in Schwarz und mit dickem Pinselstrich. „Kotzt euch aus. Papier ist geduldig und schlägt nicht zurück“, sagt er. „Das hat schon vielen geholfen“, versichert Hans-Jörg Waskowski. So den Kindern und Jugendlichen im Christlichen Jugenddorf Gera, die er zehn Jahre lang künstlerisch betreute. Oder den Untersuchungsgefangenen in der Justizvollzugsanstalt in Gera, die er zweimal zwei Semester lang anleitete. „Manche Arbeiten spiegelten genau wider, was der eine oder andere innerlich durchmachte. Ich habe mit ihnen viele Gespräche geführt. Und egal, wie jeder ist und was er getan hat, man sollte stets den Mensch im Menschen sehen.“

Darüber hinaus reist der Geraer als Senior Experte seit langem für mehrere Wochen im Jahr nach Tasikmalaya/West, Java/Indonesien, um dort – durch Spenden und hohen privaten Einsatz – behinderte Kinder in Maltechniken zu unterrichten und mit Material zu helfen. Unterstützt vom Förderverein der Volkshochschule, gelang auf diese Weise auch ein Arbeitsaufenthalt des Lehrers Pa Afrudin in Gera. „In Indonesien gibt es keine Inklusion. Die Mädchen und Jungen werden zwar in Schulen gefördert, aber sobald sie dort fertig sind, sitzen die meisten ohne jegliche Perspektive auf der Straße. Dabei habe ich hochbegabte Jugendliche kennengelernt“, berichtet Waskowski.

Bei seiner Dozententätigkeit, die ihn fordert und zugleich fit hält, hat sich Hans-Jörg Waskowski drei Dinge zu eigen gemacht: „In einer kommunikationsarmen, von Ellbogen regierten Zeit ist es gut, sich in einer Gruppe Gleichgesinnter auf Augenhöhe zu begegnen und auszutauschen. Zweitens hilft es im Leben, ein wenig über die Kunst zu erfahren. Das öffnet den Blick für alles andere im Leben. Drittens macht es Freude, mal ein Bild mit nach Hause zu nehmen.“

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