Nostalgie und jede Menge Rock: Mauerfall-Jubiläum am KuK Gera

Gera Gera  Nostalgische Erinnerungen und jede Menge Rockmusik sind am 8. November zum Mauerfalljubiläum vor dem Kultur- und Kongresszentrum in Gera zu erleben

Während die Band 2leben (oben links) mit durchweg eigenen Songs für eine neue Generation gefühlvoller Rockmusik steht, verkörperten die Satelliten (oben rechts) und Sit (unten rechts) den alten Schlag mit klassischen und folkloristischen Einflüssen. Dazu dienten neben dem Gesang gängige Instrumente wie Gitarre, Bass und Schlagzeug ebenso wie Saxophon, Violine, Flöte oder auch die Orgel. Thomas Große und Franz Spiegel (unten, von links) schafften es, die Bands für einen Abend gemeinsam auf die Bühne zu holen.

Während die Band 2leben (oben links) mit durchweg eigenen Songs für eine neue Generation gefühlvoller Rockmusik steht, verkörperten die Satelliten (oben rechts) und Sit (unten rechts) den alten Schlag mit klassischen und folkloristischen Einflüssen. Dazu dienten neben dem Gesang gängige Instrumente wie Gitarre, Bass und Schlagzeug ebenso wie Saxophon, Violine, Flöte oder auch die Orgel. Thomas Große und Franz Spiegel (unten, von links) schafften es, die Bands für einen Abend gemeinsam auf die Bühne zu holen.

Foto: Tom Quittenbaum, Manfred Jäger, Benjamin Schmutzler, Herbert Mitschke

Der Eine ist 1989 bereits in den Dreißigern. 31, um genau zu sein. Er arbeitet seit sechs Jahren als Berufsschullehrer an der Betriebsschule des VEB Elektronik Gera, ist verheiratet und ­Vater von zwei ­Kindern.

Und der andere – hat gerade mal ein Lebensjahr hinter sich, kann weder richtig laufen noch sprechen. Am historischen 9. November 1989 feiert der eine mit Freunden ausgelassen in einer Kneipe im Geraer Steinweg. Der andere liegt zu dieser Zeit bereits im Bett, wie es sich gehört für ein kleines Kind.

Thomas Große und Franz Spiegel trennt vom Alter her eine ganze Generation, was bei zwei leidenschaftlichen Musikern eine gefühlte Ewigkeit darstellt. Sollte man meinen, denn im musikalischen Geiste sind die beiden absolut vereint. Dies beweisen sie am 8. November einmal mehr, wenn ab 18 Uhr auf der Freifläche vor dem Geraer ­Kultur- und Kongresszentrum (Kuk) ein rockiges Open Air zum Jubiläum „30 Jahre Mauerfall“ stattfindet.

Vier Bands bilden den Rahmen, ihrerseits aktiv in der Vorwende-, der Wende- und der Neuzeit. Alle zusammen auf einer Bühne, an einem Abend.

Rock Revival Band mit der Idee zum Konzert

Als letztes spielen irgendetwas nach 21 Uhr die Musiker der Rock Revival Band (RRB) auf. Dessen Gründer ist ­Thomas Große. Seit elf Jahren gehört auch Franz Spiegel zur Gruppe, die durch Erhard Taubert und Andreas Würscher komplettiert wird. „Musikalisch fühlen wir uns bei den Rockklassikern der Sechziger, Siebziger und Achtziger zu Hause. Hits, die nach der Wiedervereinigung auch im ­Osten hoch und runter liefen“, erinnert sich Sänger und ­Gitarrist Große.

Der Autodidakt liebt es, Musik zu machen – und das seit seiner frühen Jugend. Es reicht ihm ­damals nicht, nur Songs von ­Radio Rias auf Tonband aufzunehmen, um sie anschließend im eigenen Kämmerchen nachzuspielen. Er will auf die Bühne, die Leute unterhalten, das Rampenlicht spüren – ein ambitioniertes Ziel zu DDR-Zeiten.

Immer wieder, wenn die ­Rolling Stones, Beatles oder The Who zu hören sind, juckt es dem gebürtigen Geraer in den Fingern. Den historischen Novemberwochen mit Günter ­Schabowskis berühmten Worten „das trifft nach meiner Kenntnis ... ist das sofort, unverzüglich“ lässt ­Thomas Große musikalische ­Taten folgen. Keine Grenzen mehr, auch nicht für die Gründung der Rock Revival Band im Jahr 1990.

Von da an tourt die RRB mit ihrem Repertoire durch die Lande. „Die kleinen Dorfsäle in Aga, Dorna oder Roben schlossen leider nach und nach. Dafür wurden uns in ­Sachen Instrumente, Technik, Verbreitung neue Türen geöffnet“, trifft der Bandgründer einen Vergleich. Und neben der Musik bekannter Ostrockgrößen wie Renft, Karussell oder Karat wollen die Zuhörer immer häufiger den internationalen Rock aus Übersee.

Zu diesem Zeitpunkt hört Franz Spiegel lieber ­La-le-lu als Knockin’on heavens door. Durch seine Eltern ­bekommt ­jedoch auch er frühzeitig die alten Rockklassiker mit, was den musikalischen Werdegang prägt. 2005, bei einem Talente-Wettbewerb in Bad Köstritz, kreuzen sich schließlich die Wege der inzwischen sehr gut befreundeten Bandmitglieder. Musiker Thomas erkennt schnell das vorhandene ­Potenzial von Franz, auch wenn dieser nie sein Schüler war. Nach gemeinsamen Projekten mit der Gruppe „Kevin und Band“ steigt Spiegel 2008 als festes Mitglied bei der Rock Revival Band ein. Diese wurde acht Jahre zuvor nach zwischenzeitlicher Auflösung von Thomas Große in neuer ­Besetzung reaktiviert. „Der erste große Auftritt war direkt als Vorband von City beim Dahlienfest. Das war schon nicht ohne“, erinnert sich Spiegel. Auf Bandchef Thomas konnte er stets zählen. „Mit Franz zu arbeiten, macht 110 Prozent Spaß“, ist Große wiederum voll des Lobes über den Schützling.

2009, zum 20-jährigen ­Jubiläum der Ereignisse vom 9. November 89, organisiert ­Thomas Große zusammen mit dem damaligen Leiter des ­Commas, Rainer Schmidt, erstmals eine Rockveranstaltung unter freien Himmel. Dafür gewinnt Große durch seine Kontakte namhafte Ost-Musiker wie Martin Zitzmann, Volker ­Wicher oder Gunter Rodler. ­Gespielt wird vor dem Geraer Kuk. Die RRB-Mitglieder erinnern sich an Hunderte Besucher sowie an eine Stadt, die mehrfach unterstützend zur Seite stand. Dies sei zur aktuellen Wiederauflage ein wenig anders, übt sich Große in leichter Kritik.

„Neben den Musikern, die für dieses einmalige Ereignis zu einem Freundschaftspreis aus ganz Deutschland anreisen, kümmern wir uns mit Helfern auch um Verpflegung, Sicherheit und Technik. Dies alles bei freiem Eintritt für die Besucher“, so Große, der sich über jegliche, finanzielle Förderung freut.

Die Stadt stelle den Platz samt Strom und Wasser zur Verfügung. Für die Erinnerung an einen Meilenstein deutscher ­Geschichte finden am 8. November in Gera sinnbildlich auch Vereinigungen auf der Bühne statt. Mit Sit und den ­Satelliten spielen Bands in ­Originalbesetzung, die sich bereits vor vielen Jahren aufgelöst haben. Zudem stehen die jungen Musiker von 2leben für eine ­moderne Form deutscher Rockmusik. Sozusagen ein Bindeglied zwischen Zeitzeugen, Wendekindern und der heutigen Jugend. Alle kommen sie an diesem Tag zusammen und spielen für Gera, die Region, für ­Generationen und ein friedliches Miteinander. Im Vorprogramm werden auf einer Videoleinwand Interviews und Grußworte von Zeitzeugen sowie Eindrücke des 2009er-Konzertes gezeigt. Abschließender Höhepunkt soll eine gemeinsame Jam-Session, also ein spontanes Musizieren aller Anwesenden, werden. Darauf freuen sich die RRB-Musiker besonders. Für sie sei es nach Hofwiesenpark- und Höhlerfest ein einmaliger Jahresabschluss in der Otto-Dix-Stadt.

Wie die beiden ­Veranstalter das eigentliche Jubiläum am Folgetag verbringen, wissen sie noch nicht. Anspannung lösen, nachbereiten, vielleicht diesmal gemeinsam mit Freunden in die Kneipe gehen – oder doch lieber die Geborgenheit der Familie suchen. Immerhin ist ­Franz Spiegel heute 31 Jahre, so alt wie der musikalische Ziehvater ­Thomas im Jahr 1989. Sohnemann Spiegel wiederum ist inzwischen mit einem Jahr genauso alt wie Papa Franz vor 30 Jahren. Ob und welche musikalischen Wege sich durch diese Parallelen für den Jungen ­ergeben, bleibt abzuwarten.

Mit Sicherheit wird der Kleine am 8. November wie einst der Papa bereits im Bett liegen, wenn beim Rockkonzert vor dem Kultur- und Kongresszentrum die Geschichte ein Stück weitergeschrieben wird.

Nostalgie und jede Menge Rock: Mauerfall-Jubiläum am KuK Gera

Der Eine ist 1989 bereits in den Dreißigern. 31, um genau zu sein. Er arbeitet seit sechs Jahren als Berufsschullehrer an der Betriebsschule des VEB Elektronik Gera, ist verheiratet und ­Vater von zwei ­Kindern.

Und der andere – hat gerade mal ein Lebensjahr hinter sich, kann weder richtig laufen noch sprechen. Am historischen 9. November 1989 feiert der eine mit Freunden ausgelassen in einer Kneipe im Geraer Steinweg. Der andere liegt zu dieser Zeit bereits im Bett, wie es sich gehört für ein kleines Kind.

Thomas Große und Franz Spiegel trennt vom Alter her eine ganze Generation, was bei zwei leidenschaftlichen Musikern eine gefühlte Ewigkeit darstellt. Sollte man meinen, denn im musikalischen Geiste sind die beiden absolut vereint. Dies beweisen sie am 8. November einmal mehr, wenn ab 18 Uhr auf der Freifläche vor dem Geraer ­Kultur- und Kongresszentrum (Kuk) ein rockiges Open Air zum Jubiläum „30 Jahre Mauerfall“ stattfindet.

Vier Bands bilden den Rahmen, ihrerseits aktiv in der Vorwende-, der Wende- und der Neuzeit. Alle zusammen auf einer Bühne, an einem Abend.

Rock Revival Band mit der Idee zum Konzert

Als letztes spielen irgendetwas nach 21 Uhr die Musiker der Rock Revival Band (RRB) auf. Dessen Gründer ist ­Thomas Große. Seit elf Jahren gehört auch Franz Spiegel zur Gruppe, die durch Erhard Taubert und Andreas Würscher komplettiert wird. „Musikalisch fühlen wir uns bei den Rockklassikern der Sechziger, Siebziger und Achtziger zu Hause. Hits, die nach der Wiedervereinigung auch im ­Osten hoch und runter liefen“, erinnert sich Sänger und ­Gitarrist Große.

Der Autodidakt liebt es, Musik zu machen – und das seit seiner frühen Jugend. Es reicht ihm ­damals nicht, nur Songs von ­Radio Rias auf Tonband aufzunehmen, um sie anschließend im eigenen Kämmerchen nachzuspielen. Er will auf die Bühne, die Leute unterhalten, das Rampenlicht spüren – ein ambitioniertes Ziel zu DDR-Zeiten.

Immer wieder, wenn die ­Rolling Stones, Beatles oder The Who zu hören sind, juckt es dem gebürtigen Geraer in den Fingern. Den historischen Novemberwochen mit Günter ­Schabowskis berühmten Worten „das trifft nach meiner Kenntnis ... ist das sofort, unverzüglich“ lässt ­Thomas Große musikalische ­Taten folgen. Keine Grenzen mehr, auch nicht für die Gründung der Rock Revival Band im Jahr 1990.

Von da an tourt die RRB mit ihrem Repertoire durch die Lande. „Die kleinen Dorfsäle in Aga, Dorna oder Roben schlossen leider nach und nach. Dafür wurden uns in ­Sachen Instrumente, Technik, Verbreitung neue Türen geöffnet“, trifft der Bandgründer einen Vergleich. Und neben der Musik bekannter Ostrockgrößen wie Renft, Karussell oder Karat wollen die Zuhörer immer häufiger den internationalen Rock aus Übersee.

Zu diesem Zeitpunkt hört Franz Spiegel lieber ­La-le-lu als Knockin’on heavens door. Durch seine Eltern ­bekommt ­jedoch auch er frühzeitig die alten Rockklassiker mit, was den musikalischen Werdegang prägt. 2005, bei einem Talente-Wettbewerb in Bad Köstritz, kreuzen sich schließlich die Wege der inzwischen sehr gut befreundeten Bandmitglieder. Musiker Thomas erkennt schnell das vorhandene ­Potenzial von Franz, auch wenn dieser nie sein Schüler war. Nach gemeinsamen Projekten mit der Gruppe „Kevin und Band“ steigt Spiegel 2008 als festes Mitglied bei der Rock Revival Band ein. Diese wurde acht Jahre zuvor nach zwischenzeitlicher Auflösung von Thomas Große in neuer ­Besetzung reaktiviert. „Der erste große Auftritt war direkt als Vorband von City beim Dahlienfest. Das war schon nicht ohne“, erinnert sich Spiegel. Auf Bandchef Thomas konnte er stets zählen. „Mit Franz zu arbeiten, macht 110 Prozent Spaß“, ist Große wiederum voll des Lobes über den Schützling.

2009, zum 20-jährigen ­Jubiläum der Ereignisse vom 9. November 89, organisiert ­Thomas Große zusammen mit dem damaligen Leiter des ­Commas, Rainer Schmidt, erstmals eine Rockveranstaltung unter freien Himmel. Dafür gewinnt Große durch seine Kontakte namhafte Ost-Musiker wie Martin Zitzmann, Volker ­Wicher oder Gunter Rodler. ­Gespielt wird vor dem Geraer Kuk. Die RRB-Mitglieder erinnern sich an Hunderte Besucher sowie an eine Stadt, die mehrfach unterstützend zur Seite stand. Dies sei zur aktuellen Wiederauflage ein wenig anders, übt sich Große in leichter Kritik.

„Neben den Musikern, die für dieses einmalige Ereignis zu einem Freundschaftspreis aus ganz Deutschland anreisen, kümmern wir uns mit Helfern auch um Verpflegung, Sicherheit und Technik. Dies alles bei freiem Eintritt für die Besucher“, so Große, der sich über jegliche, finanzielle Förderung freut.

Die Stadt stelle den Platz samt Strom und Wasser zur Verfügung. Für die Erinnerung an einen Meilenstein deutscher ­Geschichte finden am 8. November in Gera sinnbildlich auch Vereinigungen auf der Bühne statt. Mit Sit und den ­Satelliten spielen Bands in ­Originalbesetzung, die sich bereits vor vielen Jahren aufgelöst haben. Zudem stehen die jungen Musiker von 2leben für eine ­moderne Form deutscher Rockmusik. Sozusagen ein Bindeglied zwischen Zeitzeugen, Wendekindern und der heutigen Jugend. Alle kommen sie an diesem Tag zusammen und spielen für Gera, die Region, für ­Generationen und ein friedliches Miteinander. Im Vorprogramm werden auf einer Videoleinwand Interviews und Grußworte von Zeitzeugen sowie Eindrücke des 2009er-Konzertes gezeigt. Abschließender Höhepunkt soll eine gemeinsame Jam-Session, also ein spontanes Musizieren aller Anwesenden, werden. Darauf freuen sich die RRB-Musiker besonders. Für sie sei es nach Hofwiesenpark- und Höhlerfest ein einmaliger Jahresabschluss in der Otto-Dix-Stadt.

Wie die beiden ­Veranstalter das eigentliche Jubiläum am Folgetag verbringen, wissen sie noch nicht. Anspannung lösen, nachbereiten, vielleicht diesmal gemeinsam mit Freunden in die Kneipe gehen – oder doch lieber die Geborgenheit der Familie suchen. Immerhin ist ­Franz Spiegel heute 31 Jahre, so alt wie der musikalische Ziehvater ­Thomas im Jahr 1989. Sohnemann Spiegel wiederum ist inzwischen mit einem Jahr genauso alt wie Papa Franz vor 30 Jahren. Ob und welche musikalischen Wege sich durch diese Parallelen für den Jungen ­ergeben, bleibt abzuwarten.

Mit Sicherheit wird der Kleine am 8. November wie einst der Papa bereits im Bett liegen, wenn beim Rockkonzert vor dem Kultur- und Kongresszentrum die Geschichte ein Stück weitergeschrieben wird.

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