„Musik ist seelenrelevant“: Dreh in Weida für Geraer Online-Projekt

Gera/Weida.  Auch Musiker aus Gera und Umgebung, egal ob haupt- oder nebenberuflich, leiden unter fehlenden Auftrittsmöglichkeiten. Eine Geraer Online-Initiative will beim Überbrücken helfen.

Die Aufnahmen des Duos Goldkaz werden angereichert mit Luftaufnahmen.

Die Aufnahmen des Duos Goldkaz werden angereichert mit Luftaufnahmen.

Foto: Marcel Hilbert

Nicht nur das – angemeldete – Drohnensummen, sondern auch die ein oder andere Melodie tönten Samstagabend von der Weidaer Osterburg. Dort, wo sonst die Schwerter der Ritter der Osterburg klirren, wurde in Tasten und Saiten gegriffen. Oder der Geige Töne entlockt.

„Natürlich vermissen wird das Auftreten, den Kontakt zum Publikum“, sagt Gitarrist Martin Goldhardt. „Und wir mussten einige Konzerte absagen, bei Stadtfesten oder im privaten Rahmen“, ergänzt Keyboarder Dusan Kazic. Wenn sie nicht als Duo „Goldkaz“ Musik machen, sind sie im Hauptberuf als Erzieher tätig, Goldhardt gar als Leiter der Johanniter-Kita in Triptis. Systemrelevante Jobs. „Musik ist auch systemrelevant“, sagt er: „Musik ist seelenrelevant.“

Geraer Musiker auf dem Weidaer Wahrzeichen

Anders als die beiden bestreitet Cat Henschelmann aus Gera seinen Lebensunterhalt mit Musik. Normalerweise. Doch normal ist durch die Corona-Pandemie derzeit wenig. „Seit 1997 bin ich freiberuflicher Musiker“, erzählt der Geiger und Sänger: „Mir ist die Geschäftsbasis entzogen worden. Und was die sogenannte Soforthilfe angeht, gab es noch keinen Cent vom Government.“ Noch könne er von Angespartem leben, will zudem auch Musikunterricht anbieten.

Cat, unterstützt von seinem Sohn Karl-Philipp (Akkordeon, Perkussion), und das Duo „Goldkaz“ hat Lucas Fischer mit seiner Online-Plattform „about Gera“ in Weida zusammengebracht. Mit einem Team aus Kameraleuten und Tontechnikern hat er die Initiative „#supportyourculture“ (Unterstütze deine Kultur!) gestartet.

Aus vielen Blickwinkeln, auch aus der Luft, werden Konzerte an besonderen Orten aufgezeichnet, die dann im Internet über Facebook gestreamt werden. „Wir machen das bislang auf eigene Rechnung, unterstützt durch Sponsoren aus der Wirtschaft, denen die Kultur am Herzen liegt“, sagt Fischer: „Die Musiker bekommen später das Material auch.“

Reichweite von mehreren Tausend Nutzern

Es sei eine Werbeaktion für die heimische Musikszene, eine „virtuelle Bühne“, meint Fischer: „Sicher, der Markt an Online-Formaten und Streams ist inzwischen übersättigt, deshalb wollen wir etwas fürs Auge bieten, mit tollen Landschaftsaufnahmen und außergewöhnlichen Auftrittsorten.“

Technoklänge vom Steg der Wünsche an der Leuchtenburg gab es bereits und auch DJs, die auf und über den Dächern Geras auflegten. Von 1000 Online-Nutzern, die das erste Video von einem Geraer Balkon sahen, habe sich die Reichweite inzwischen auf 20.000 bis 30.000 Nutzer vergrößert.

Video am Pfingstmontag ausgestrahlt

Und nun also Weida. 45 bis 60 Minuten wird der jeweilige Konzertfilm, der von Sebastian Höhn alias DJ Unity tontechnisch, von Hung Dinh und Björn Walther kameratechnisch in Szene gesetzt wird, betont Lucas Fischer. Ausgestrahlt wird das Video am Pfingstmontag.

„Es ist eine super Möglichkeit, im Internet präsent zu sein“, freut sich Martin Goldhardt über die Aufnahmen. Präsenz zeigen, Freude spenden und sich musikalisch fit zu halten, das steht auch für Cat Henschelmann auf der Haben-Seite der derzeitigen Online-Aktivitäten.

Allerdings, sagt er, schlagen zwei Herzen in seiner Brust: „Das meiste, was online derzeit zu erleben ist, ist kostenfrei.“ Er befürchte, dass die ohnehin angeschlagene Kulturszene dadurch weiteren Verschleiß erfährt. „Eigentlich“, meint er, „müsste man demonstrativ leise bleiben.“ Um zu zeigen, was fehlt, wenn die Musik verstummt.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar von Reporter Marcel Hilbert.

Sendetermin: Montag, 1. Juni, 17 Uhr, auf https://www.facebook.com/aboutgera