Duell der Radsport-Legenden: Ludwig gegen Abduschaparow – ein Zielspurt wie in alten Zeiten

Sellin/Gera  Bei der 25. Tour de Allee an der Ostsee treffen sich Olaf Ludwig und Dschamolidin Abduschaparow wieder. Ihre Sprintduelle sind legendär – jetzt gab es eine Neuauflage.

Olaf Ludwig, Uwe Raab und Dschamolidin Abduschaparow (von links) im Ziel der Tour de Allee in Sellin. 

Olaf Ludwig, Uwe Raab und Dschamolidin Abduschaparow (von links) im Ziel der Tour de Allee in Sellin. 

Foto: Ostsee-Zeitung/Gerit Herold

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Die Friedensfahrt-Sprintduelle oder die Zielankünfte bei den großen Profi-Rennen wie der Tour de France sind vielen Radsportfreunden noch in Erinnerung. Respekt vor der Leistung des anderen hatten sie immer und mit dem Abstand der Jahre sind sich Olaf Ludwig und Dschamolidin Abduschaparow auch menschlich nähergekommen. Bei der 25 Tour de Allee ­sahen sich die beiden Radsportgrößen wieder. „Es war ein schönes Wochenende an der Ostsee, mit guten Gesprächen, jeder Menge Spaß und einer schönen Radstrecke, die wir gemeinsam zurückgelegt haben“, sagt Olaf Ludwig. Einst erbitterte Widersacher, heute gute Freunde.

Vielleicht hätte der eine oder andere Besucher der Tour de ­Allee mit Ziel in Sellin auch gern noch einmal einen „Kampfsprint“ sehen wollen, „doch warum sollen wir uns immer noch beharken und uns weh tun“, sagt Olaf Ludwig

Das war in ihrer aktiven Zeit ganz anders. „Sportlich waren wir Konkurrenten. Jeder wollte gewinnen, ist an die Grenzen ­gegangen. Bei Abdu kommt ja noch dazu, dass sein Sprintstil schon sehr eigen war. Er hat das Rad hin und her geschmissen. Ich wusste, wie er fährt, habe mich darauf eingestellt.“ Die Friedensfahrt im Mai war der erste Jahreshöhepunkt. „Haben wir als Mannschaft gut abgeschnitten, konnten wir mit einem WM-Start rechnen. Zwischen Grau und Rot ging es zur Sache.“ Mit DSF – der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft – war es nicht weit her.

Es gibt die Friedensfahrt-Episode, als Manfred Weißleder 1961 Juri Melichow die Luftpumpe drüber zog, weil der Russe ihn mit unfairen Mitteln ­behindert hatte. „So weit sind wir nicht gegangen“, sagt Olaf Ludwig. „Aber wenn nach einer Etappe die Journalisten auf mich zukamen und fragten: Wie lief die Etappe? Da hab ich ihnen einmal gesagt: Wenn ich euch das erzähle, dann könnt ihr das sowieso nicht so in der Zeitung bringen. Der Sport war damals systemgetrieben.“

Lange vorbei, doch die Friedensfahrt ist immer noch im kollektiven Gedächtnis der Sportfans im Osten Deutschlands. „Weil wir Radsport auf hohem Niveau geboten haben“, sagt Ludwig, Olympiasieger 1988.

Und auch als Profis kreuzten sich die Sprintwege von Ludwig und Abduschaparow, der Usbeke hat neun Tour-Etappen gewinnen können. „Respekt vor der Leistung des anderen hatten wir schon immer. Auch wenn vieles verbissen rüber kam. In unserer Profizeit habe ich dann auch mitbekommen: Das Kerlchen kann ja lachen. Wir haben im Feld unsere Scherze und Witze gemacht – wie bei der Tour de Allee wieder.“ Und als Olaf Ludwig am 3. Oktober 1996 in Gera sein Abschiedsrennen fuhr, da gab es wieder den Zielspurt Ludwig gegen Abduschaparow – wie in alten Zeiten.

Ein Bild und seine Geschichte: Olaf Ludwig über Abduschaparow

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