Schüler-College zu Gast bei Weberei Getzner in Gera

Gera.  Sech Schüler durften am Donnerstag einen Blick hinter die Kulissen des Geraer Getzner-Standorts werfen. Was sie erlebt haben? Wir waren mit dabei.

Die Azubis Ronny Müller und Paul Österreicher (vorn) stellten in der Ausbildungswerkstatt die Berufe Maschinen- und Anlagenführer Textiltechnik und Produktionsmechaniker vor.

Die Azubis Ronny Müller und Paul Österreicher (vorn) stellten in der Ausbildungswerkstatt die Berufe Maschinen- und Anlagenführer Textiltechnik und Produktionsmechaniker vor.

Foto: Peter Michaelis

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Der sprichwörtliche seidene Faden rührt nicht von irgendwo her. Manchmal reist er. Metaphorisch dann, wenn eine heikle Sache schief geht, praktisch und ganz konkret auch ab und an in der Getzner Textil Weberei. Was in einem solchen Fall zu tun ist, das lernt Jeremias Windisch in medias res. Und zwar an der Schaftwebemaschine der Lehrwerkstatt am Geraer Standort des Unternehmens beim IHK-Schüler-College am Donnerstag. „Den Schussfaden habe ich eingefädelt, weil er gerissen ist“, sagt der 14-jährige Meuselwitzer. „Ich kann mir schon vorstellen, dass ich hier später einmal arbeite“, so der Achtklässler.

Schüler kommen freiwillig

Sechs Schüler sind am Donnerstag zu Gast in der Weberei. Begleitet werden sie von Holger Sonntag, freiberuflicher Mitarbeiter beim IHK-Schüler-College. „Die Schüler können sich hier ein Bild machen, wie der Beruf praktisch aussieht“, sagt er. Übrigens: „Die meisten Schüler kommen freiwillig“, so der IHK-Mitarbeiter. Und das, obwohl das Schüler-College in den Winterferien stattfindet. „Einige werden auch von ihren Eltern geschickt“, lenkt er ein. Trotzdem: „Pro Tag bekommen die Teilnehmer vier Punkte“, sagt Holger Sonntag. Ab 14 Punkten gibt es dann ein Zertifikat von der IHK-Ostthüringen, das einen Bonus bei der Bewerbung verspricht. Zudem nutzen die Schüler die Tage auch, um sich zu vernetzen und Praktikumsplätze zu akquirieren, sagt er.

Vorwerk ist, wo die Kettbäume hergestellt werden

Auszubildender Ronny Müller schneidet mit der Schere erneut den dünnen Faden durch. Die Maschine stoppt, der Lärm verstummt. Jetzt ist der nächste Schüler gefragt. Jeder hat die Chance, Fragen zu stellen und sich auszuprobieren. „Ich weiß jetzt, welche Stoffe hier gemacht werden und wie die Maschinen funktionieren“, sagt Jeremias Windisch in der Ruhepause. Und dabei hat der Tag gerade erst begonnen.

„Wir gehen durch drei Abteilungen“, sagt Cathleen Anderssohn. Als Ausbildungscoach kümmert sie sich hauptsächlich um die Azubis am Standort. Heute führt sie die Schüler durchs Werk. „Als erstes gehen wir ins Vorwerk. Dort stellen wir die Kettbäume her“, sagt sie. Später wird deutlich, was das ist: Große Rollen, auf denen nebeneinander Fäden aufgewickelt sind. Sie laufen von unten durch die Webmaschine und werden dann von dem sogenannten Schussfaden durchzogen.

43 Kilometer Stoff pro Tag

„Als nächste Station steht dann die Weberei auf dem Programm“, sagt Cathleen Anderssohn. Dort schießen am Tag 43 Kilometer Stoff im Eiltempo aus 240 Maschinen. Dafür bedarf es 16 Tonnen garn jeden Tag, 95 Kilometer Gern in einer Stunde, teilt das Unternehmen mit. Danach steht für die Gruppe die Rohwarenkontrolle auf der Agenda. Warum sie das macht? „Wir suchen immer nach jungen interessierten Leuten“, sagt sie. Neun Azubis lernen derzeit in der Weberei. „Jedes Jahr sollen immer vier neue Anfangen“, sagt Cathleen Anderssohn. Das habe das Unternehmen bisher immer geschafft, „aber manchmal gehen eben doch welche weg“, sagt sie.

Früher sei das Weben ein reiner Frauenberuf gewesen. „Heute sind es viele Männer“, sagt Cathleen Anderssohn. Maschinenanlageführer Textiltechnik heiße die Ausbildung. Es gehe viel um Technik, die Maschinen machen das meiste automatisch. Aber: „Ein bisschen Handarbeit bleibt nicht aus“, sagt Cathleen Anderssohn. Zum Beispiel manchmal, wenn der Faden reist.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren