Stadt Gera erwägt Verlegung der Haltestelle

Gera.  Seit Jahren ist ein Weg getrampelt. Noch ist in Lusan an der Straßenbahnhaltestelle Zeulenrodaer Straße nichts passiert. Das soll so bleiben.

In Höhe der Straßenbahnhaltestelle Zeulenrodaer Straße in Gera-Lusan queren Fußgänger die dort fünfspurige Nürnberger Straße über einen Trampelpfad und gefährden damit sich und Kraftfahrer.

In Höhe der Straßenbahnhaltestelle Zeulenrodaer Straße in Gera-Lusan queren Fußgänger die dort fünfspurige Nürnberger Straße über einen Trampelpfad und gefährden damit sich und Kraftfahrer.

Foto: Sylvia Eigenrauch

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„Weil es schneller geht“. Das sagen die meisten der Angesprochenen, die in Lusan zwischen der Straßenbahnhaltestelle Zeulenrodaer Straße und dem Einkaufszentrum über die Nürnberger Straße eilen. Sie hat hier fünf Spuren. Zwei in Richtung Zeulsdorf, zwei führen stadteinwärts und die fünfte zum Parkplatz des Einkaufszentrums an der Ecke Nürnberger/Zeulsdorfer Straße.

Lusaner wendet sich mit Vorschlag an das Büro des Oberbürgermeisters

Ein Lusaner sorgt sich um die Fußgänger und die Kraftfahrer gleichermaßen. Er schrieb deshalb im November an das Büro des Oberbürgermeisters und unterbreitete einen Vorschlag. Seinen Namen will er hier nicht lesen. „Sonst sind die Reifen an meinem Auto zerstochen und der Lack zerkratzt“, sagt er.

Seit Langem schon beobachte er, dass aus seiner Sicht „undisziplinierte Passanten“ die Nürnberger Straße queren und manchmal beinahe den kleinen Hang von der erhöhten Haltestelle hinunter rutschen. „Das sind junge Leute mit starrem Blick aufs Handy, betagte, zum Teil behinderte Menschen mit Krücken, Rollator, Einkaufstrolli, Leute mit Hund und vollen Taschen, Mütter mit Kleinstkindern und Kinderwagen“.

Nicht nur diese Personen würden sich selbst in Gefahr begeben, sondern auch die motorisierten Verkehrsteilnehmer, die mit einer Vollbremsung weitere Fahrzeugführer gefährden können. Das Risiko erhöhe sich bei Dunkelheit, Regen oder tief stehender Sonne.

Dabei gibt es eine per Ampel geregelte Querung etwa 80 Meter von der Haltestelle entfernt an der Kreuzung Nürnberger/Zeulsdorfer Straße. Der Vorschlag des Lusaners an die Stadt Gera sieht vor, zwischen Haltestelle und Ampel ein Geländer zu errichten.

Das vorgeschlagene Geländer soll 33.000 Euro kosten

In ihrer Antwort bedauerte auch Baudezernentin Claudia Baumgartner (parteilos), dass Fußgänger zur Verkürzung der Wegstrecke Straßen an Straßenabschnitten queren, in denen aus verkehrlichen Gesichtspunkten eine Querung sehr gefährlich sei. Sie schrieb: „Leider ist es uns als Stadtverwaltung nicht möglich, und auch nicht unsere Aufgabe, sämtliches Fehlverhalten der Verkehrsteilnehmer durch bauliche Anlagen auszugleichen oder zu korrigieren.“ Das vorgeschlagene Holmgeländer mit einfachen Kniebohlen und Einzelfundamenten mit einer Länge von etwa 150 Metern würde 33.000 Euro kosten. Weil aber die vorhandenen Verkehrsanlagen eine gesicherte Querung der Nürnberger Straße bieten, werde die Stadt nichts unternehmen.

Einwohnervorschlag war Thema in AG Verkehrsorganisation

Inzwischen gibt es, ausgelöst von einer Anfrage unserer Redaktion, eine neue Entwicklung. Die Landespolizeiinspektion Gera hatte die Bedenken des Lusaners in die Beratung der Arbeitsgruppe Verkehrsorganisation am 15. Januar eingebracht, wie aus dem Verkehrsamt der Stadtverwaltung erklärt wird. „Alle Mitglieder der Arbeitsgruppe waren sich einig, dass das Aufstellen eines dermaßen langen Geländers unverhältnismäßig wäre. Grundsätzlich haben Fußgänger beim Queren der Straße eine Eigenverantwortung. Mittelfristig sollte allerdings versucht werden, das Problem auf andere Art und Weise zu lösen, so zum Beispiel durch Verlegung der Haltestelle oder Änderung der Spuraufteilung auf der Nürnberger Straße“, heißt es aus dem Rathaus.

Was die Straßenverkehrsordnung zur aktuellen Situation regelt, erklärt die Polizei mit Verweis auf Paragraph 25 Absatz 3. Dort heißt es: „Wer zu Fuß geht, hat Fahrbahnen unter Beachtung des Fahrzeugverkehrs zügig auf dem kürzesten Weg quer zur Fahrtrichtung zu überschreiten. Wenn die Verkehrsdichte, Fahrgeschwindigkeit, Sichtverhältnisse oder der Verkehrsablauf es erfordern, ist eine Fahrbahn nur an Kreuzungen oder Einmündungen, an Lichtzeichenanlagen innerhalb von Markierungen, an Fußgängerquerungshilfen oder auf Fußgängerüberwegen zu überschreiten.“

Bislang, so erklärt die Polizei auf Nachfrage, habe es keine „in der hinterfragten Konstellation beschriebene Unfälle“ gegeben.

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