Stiefkind Zschochern in den Blick gerückt - Studenten entwickeln Ideen

Gera.  Studenten der Bauhaus-Universität Weimar haben ihre Ideen, wie sie den Zschochern in Gera wiederbeleben könnten, am Donnerstag im Rathaus vorgestellt.

Die Studenten Ping-Yi-Hung aus Taiwan und die Deutsche Maya Hörner am Donnerstagabend (23.01.2020) präsentieren ihre Ergebnisse im Foyer des Rathaussaales. Der Verein "Ja-für-Gera" und die Stadt Gera unterstützten das Projekt maßgeblich.

Die Studenten Ping-Yi-Hung aus Taiwan und die Deutsche Maya Hörner am Donnerstagabend (23.01.2020) präsentieren ihre Ergebnisse im Foyer des Rathaussaales. Der Verein "Ja-für-Gera" und die Stadt Gera unterstützten das Projekt maßgeblich.

Foto: Peter Michaelis

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Bei etlichen Hausfassaden bröckelt der Putz, die meisten Schaufenster stehen leer, das karge Grün inklusive Unkraut wächst vor sich hin. Passanten meiden dieses Fleckchen am Ende der Innenstadt, das einen traurigen Anblick bietet. Einzig, wenn die Marktfrauen mit ihren Ständen für eine Weile dort hinauf ziehen, belebt sich der Zschochern ein wenig.

Wie lässt sich diesem verwaisten Platz wieder Leben einhauchen? Das fragten sich 16 Studenten aus 15 Ländern an der Fakultät Architektur und Urbanistik der Bauhaus-Universität Weimar und entwickelten Ideen zur Gestaltung des Zschochern. Angeleitet wurden sie von der New Yorker Gastprofessorin Meg Walker, maßgeblich unterstützt vom Verein „Ja-für-Gera“ und der Stadt Gera.

Am Donnerstagabend präsentierten die jungen Leute ihre Ergebnisse unter dem Titel „Placemaking am Zschochernplatz" im Foyer des Geraer Rathauses vor zahlreichem Publikum. Die Studenten analysierten den Platz, recherchierten dafür vor Ort und befragten Geraer, um schließlich ein Nutzungskonzept für die Fläche zu erarbeiten, die aktuell von 53 Prozent Leerstand geprägt ist.

„Das Wertvolle ist, dass wir durch dieses studentische Projekt etwas in die Hand bekommen und dann überlegen können: Was wollen wir davon? Welche Ideen sind tragbar? Was kann man im Sinne der Zwischennutzung tun? Das ist etwas, wofür wir selbst die Kraft nicht haben. Deshalb versuchten wir, zumindest leidenschaftlich diese jungen Leute zu begleiten“, so Volker Tauchert von „Ja-für-Gera“.

Ping-Yi Hung aus Taiwan und Maya Hörner aus Deutschland präsentierten die Ergebnisse und erklärten den Besuchern die Herangehensweise. In die Betrachtung flossen zum Beispiel die Stadthistorie, demografische Entwicklung, wirtschaftliche Stärken, Flächennutzung in der Nachbarschaft, Straßennetz und Parksituation ein.

Bei ihrem Gestaltungsvorschlag untergliedern die Studenten den Zschochern in drei Zonen. Ihr Ziel: Den Platz sowohl als Ort für die Nachbarschaft zu etablieren als auch zu einer Adresse, die Menschen von außerhalb anlockt. „Die erste Zone ist für die Gemeinschaft mit Spielmöglichkeiten für Kinder, Workshop-Bereichen und kleiner Gastronomie. Die zweite Zone als lebendiger Mittelpunkt könnte mit Sitzmöglichkeiten und Wasserspielen zum Zusammentreffen gestaltet sein. In der dritten Zone wollen wir mit einem multifunktionalen Platz Attraktivität schaffen, der für Veranstaltungen, Märkte, Konzerte und Gastronomie genutzt werden kann“, beschrieb Maya Hörner.

„Das Ergebnis ist sehr interessant und auf jeden Fall für uns alle Input für eine Diskussion. Wir haben in den letzten Jahren viele andere Plätze in der Stadt in den Fokus gerückt, den Markt, den Kornmarkt, die Neue Mitte. Aber der Zschochern als wesentlicher Punkt in diesem System ist immer zu kurz gekommen, weil andere Dinge wichtiger waren“, resümierte Konrad Steinbrecht, Abteilungsleiter Bauplanung der Stadt. Die eigentliche Fußgängerzone in der Stadt sei ursprünglich viel länger gewesen, habe sich über den Zschochern in die Zschochernstraße hinein erstreckt. Dies habe sich in den letzten 30 Jahre verändert, auch, weil die Stadt kleiner geworden sei und sich die Wirtschaftskraft nicht wie erwartet entwickelt habe und die ursprünglich gedachte Entwicklung in den Ostraum der Stadt hinein sich als wenig tragfähig erwiesen habe. Jetzt sollte man darüber nachdenken, wie der Zschochernplatz in ein Projekt kommen und aktiviert werden könnte.

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