Tabakladen mit Drogenverkauf in Gera: Das sagt das angeklagte Paar

Gera.  Wie ein Tabakladen in Gera zum Umschlagplatz für Marihuana und Haschisch wird - die Hintergrundinformationen haben die Angeklagten verraten.

Prozess gegen ein Paar aus Gera, das im Tabakladen in Gera auch illegale Drogen angeboten haben soll.

Prozess gegen ein Paar aus Gera, das im Tabakladen in Gera auch illegale Drogen angeboten haben soll.

Foto: Tino Zippel

Gleich zum Prozessauftakt macht die 51 Jahre alte Verkäuferin reinen Tisch: Sie habe ihrem Lebensgefährten beim Drogenhandel im großen Stil geholfen. Er war der Inhaber eines Geschäfts im Stadtzentrum von Gera, das neben Tabak und Zeitschriften seit 2017 auch Marihuana und Haschisch im Angebot hatte – unterm Ladentisch versteht sich. Laut Staatsanwaltschaft haben die beiden bis zum Frühjahr 2020 über 42 Kilogramm Drogen abgesetzt.

Laut Anklagesatz sollen die Angeklagten zwischen Dezember 2017 und März 2020 alle zwei Monate je zwei Kilogramm Haschisch und ein Kilogramm Marihuana angekauft und mit erheblichem Gewinn portioniert weiterverkauft haben. Der Mann habe sich um den Einkauf und die Buchhaltung gekümmert, während die Frau die Waren im Laden abgesetzt habe.

Einst Stifter eines Löwen für Gera, nun Drogenhändler

Der Angeklagte, heute 53 Jahre alt, bestreitet die Tatvorwürfe in ihrem Umfang. Er habe Ende 2017 ein Kilogramm Marihuana gekauft. „2019 gab es Nachfrage, da habe ich noch einmal welches geholt: zwei Kilogramm Marihuana und ein Kilogramm Haschisch“, sagt der Mann, der einst eine der Löwen-Statuen für die Stadt Gera stiftete. Wegen erheblicher Nachzahlungen ans Finanzamt hatte er indes seine Eigentumswohnung bei einer Zwangsversteigerung verloren.

Während er versucht, seine Frau reinzuwaschen, bleibt sie bei ihrem Geständnis, das sie schon bei der Polizei abgelegt hatte: „Das war mehr als dumm, was ich gemacht habe. Ich bin da reingezogen worden.“ Sie bestätigt erneut, dass die Drogenmenge größer war als von ihrem Lebensgefährten genannt. Sie habe die Drogen auch verkauft. Marihuana kostete 15 Euro pro Gramm – wer größere Mengen nahm, bekam Rabatt.

Mindestens fünf Jahre Freiheitsstrafe stehen auf das Delikt

Laut Staatsanwältin Jana Kohlros haben ein Teleskopschlagstock, eine Schreckschusspistole, aber auch ein Baseballschläger, Pfefferspray und ein Quarzsandhandschuh parat gelegen, so dass die Anklage auf bewaffneten Drogen­handel mit einer Mindeststrafe von fünf Jahren Freiheitsstrafe lautet.

Der Mann bestreitet, dass die Waffen für den Drogenhandel bestimmt waren. Wegen der großen Schaufenster habe er die Drogen im Hinterzimmer des Ladens verkauft. Die Gegenstände seien dort nicht griffbereit gewesen, sondern lagerten in der Theke. Doch dort fanden die Polizisten bei einer großangelegten Durchsuchung Anfang März auch Cliptütchen für kleine Mengen Drogen. Seine Frau entkräftet auch sein Argument, dass die Waffen schon lange vor den Drogengeschäften angeschafft waren. „Wir haben sie vor zwei, drei Jahren für mich zum Schutz vor Einbrechern besorgt“, sagt die 51-Jährige, die wie ihr Mann keine Drogen konsumierte, aber mit ihm codierte Nachrichten per Kurzmitteilung wie diese ausgetauscht hatte: „Vier und zwei Tomaten sind raus, reicht noch.“

Kondomautomat als Geheimversteck

Die Verkäuferin bestreitet jedoch, dass sie die Geschäfte nach der Verhaftung ihres Mannes im März 2020 fortgeführt hat. Sie habe nur legalen Tabak abverkauft. Doch die Polizisten entdeckten bei einer erneuten Durchsuchung im Mai 699 Gramm Haschisch im Kondomautomaten auf der Toilette des Geschäftes. „Das hatte die Polizei beim ersten Mal übersehen“, sagt die Angeklagte. Der Automat habe der Übergabe von Drogen an einen Großkunden gedient.

Die Ermittler deckten mit dem Paar ein Netzwerk an kleineren Dealern auf, die im Tabakladen ihre Waren bezogen. Zu seinen Lieferanten sagt der Angeklagte indes nichts Konkretes.

Die erste Strafkammer des Landgerichtes Gera hat fünf weitere Verhandlungstermine für den Prozess angesetzt. Sie muss auch klären, ob sich der Angeklagte des unerlaubten Waffenbesitzes schuldig machte. Die Polizei stellte auf seinem Grundstück ein Repetiergewehr sicher. Jenes will er beim Abriss der Gartenhütte gefunden haben.