Verhaltene Begeisterung bei Geraer Einzelhändlern

Gera  Das denken Ladeninhaber in Gera über die Möglichkeit der Abholung vorbestellter Waren und das kontaktlose Bezahlen, das ab Montag nach der Thüringer Verordnung erlaubt ist

Petra Schenderlein vor ihrer Spielkiste in den Gera Arcaden.

Petra Schenderlein vor ihrer Spielkiste in den Gera Arcaden.

Foto: Peter Michaelis

Ab Montag dürfen Einzelhändler ihre Geschäfte zum Teil öffnen: Für sie gibt es die Möglichkeit des Verkaufs über die Abholung vorbestellter Ware mit kontaktloser Bezahlung analog zu den bestehenden Regelungen für den Buchhandel, besagt die jüngste Thüringer Verordnung. Wir haben mit einigen Einzelhändlern in der Otto-Dix-Stadt gesprochen.

Sorge um bargeldloses Bezahlen vor Ort

„Unsere Kunden können online über schuhe.de oder die Internet-Seite mit click&collect bestellen. Für Anfragen sind wir fast immer telefonisch erreichbar“, sagt Andreas Lobert vom „Schuhhaus Lobert“. Kunden, die Bestelltes am Laden in der Kirchstraße abholen möchten, bittet er auf jeden Fall vorab um telefonischen Kontakt. Andreas Lobert empfiehlt Vorauszahlung oder Überweisung. Die bargeldlose Kartenzahlung vor Ort bereitet ihm noch Kopfzerbrechen: „Das Gerät befindet sich mitten im Geschäft und funktioniert nicht über WLAN.“ Der Unternehmer ist wenig glücklich mit der Teilöffnung: „Allein, wenn man dafür Personal vorhalten muss, rechnet es sich nicht.“ Er vermisst die Unterstützung für den Handel. „Es gibt derzeit wenig, was den Handel rettet, geschweige denn, nach vorn bringt“, sagt Lobert und berichtet von der Prognose des Handelsverbands Deutschland (HDE), nach der bundesweit rund 50.000 der zirka 450.000 Ladengeschäfte die Pandemie nicht überleben könnten.

Lockerung sei grundsätzlich eine gute Idee

Manuela Spindler, Inhaberin der „Kindertruhe“ auf der Sorge, findet die Lockerung grundsätzlich eine gute Idee. „Wer zweigleisig fährt, also mit Direkt- und Online-Angeboten, für den ist das eine Chance. „Online bestellen und im Laden abholen, spart beiden Seiten auch Zeit. Ansonsten müsste man auf einen Paketservice ausweichen, was oft mit Wartezeit verbunden ist. Selbst habe ich jedoch keinen Online-Shop. Diesen jetzt extra einrichten, vielleicht für drei Wochen, rechnet sich nicht“, sagt sie. Die Geschäftsfrau sehnt die komplette Ladenöffnung herbei.

Abholservice wäre bereits vor Weihnachten wichtig gewesen

„Für uns ist es ein großer Fortschritt“, sagen Petra und Thomas Schenderlein vom Geschäft „Vedes Spielkiste“ in den Gera-Arcaden, das auch über den Onlineshop spielkiste-gera verfügt. „Die Abholung von bestellter und bezahlter Ware direkt vor Ort erleichtert uns jetzt den Verkauf in Corona-Zeit. Online-Käufe wickeln wir natürlich gewohnt über Paketdienste ab. Aber gerade vor Weihnachten habe ich Bestelltes selbst in und um Gera ausgeliefert, angefangen vom Schachspiel bis zum Schlitten“, so Thomas Schenderlein. Petra Schenderlein resümiert: „Hätte man in der Weihnachtszeit bereits auf eine Abholung zurückgreifen können, hätte dies sehr geholfen, denn die Kunden waren auf online angewiesen.“

Ein Tropfen auf den heißen Stein

Ab Montag wollen die Geschäftsleute an der kontaktlosen Abholstation an der Eingangstür die online bestellte und per Kreditkarte, Paypal oder Echtzeitüberweisung bezahlte Ware ihrer Kundschaft aushändigen. „Unser Team ist wochentags zwischen 9.30 Uhr und 18 Uhr in wechselnder Besetzung vor Ort anzutreffen. Gern können Kunden Gewünschtes auch telefonisch reservieren lassen“, so Thomas Schenderlein. Zugleich weiß das Unternehmerpaar: Die Teil-Öffnung ist ein Tropfen auf den heißen Stein und minimiere nur etwas das Leid des innerstädtischen Handels. Die Ausfälle aus der umsatzstärksten Zeit des Jahres, dem Weihnachtsgeschäft, lassen sich nicht ausgleichen. „Es hätte nicht schlimmer kommen können“, so Petra Schenderlein. „Alle Einzelhändler freuen sich über jede Unterstützung vor Ort.“